Patrick Rabe

Black Jack Davey (Übersetzung des amerikanischen Traditionals

Black Jack Davey

 

 

Black Jack Davey kam in die Stadt,

sang Melodie’n, so schöne,

sah sich dort um, was für Frau’n sie hat,

und entdeckte dort eine Kleene.

 

„Wie alt bist du, mein hübsches, junges Kind?

Du machst mich weidlich lechzen.“

Sie antwortete mit süßem Blick:
„Am Sonntag wird‘ ich sechzehn.“

 

„Komm, geh mit mir, mein hübsches, junges Kind,

ich liege dir zu Füßen,

ich bring dich hin zum grünen Gras, du wirst nie schuften müssen.“

 

„Dort hinten ist das grüne Gras, dort brennen heiße Flammen,

komm, gib mir deine schmale Hand,

wir reiten fort zusammen.“

 

Und sie vergaß, wer sie gefreit, die Worte ihrer Ammen,

sie gab ihm ihre schmale Hand,

sie ritten fort zusammen.

 

Nachts kam der Bräutigam,

und fragte: „Wo ist die Lady?“

Der Diener sprach: „Sie ritt dir fort,

sie ging mit Black Jack Davey.“

 

„Komm sattel mir meine weiße Stute,

sie ist schneller, als der Wind,

ich reit bei Tag, ich reit bei Nacht,

und hol mein schönes Kind.“

 

Er ritt bei Tag, er ritt bei Nacht,

er ritt auf den Spuren Levis,

am Abend erspähte er seinen Schatz

in den Armen Black Jack Daveys.

 

„Komm, gib mir deine schmale Hand,

in den Handschuh’n aus feinem Leder,

steig hinter mir aufs Pferd, und komm,

sonst sieht dich hier noch jeder.“

 

Sie gab ihm ihre schmale Hand

in den Handschuh’n aus feinem Leder,

und sprach zu ihm: „Es ist vorbei,

der bei mir ist nicht Jeder.“

 

„Wirst du denn Haus und Hof verschmäh’n,

dein Kind, den Pfad von Levi,

dein weiches, schönes Federbett,

für die Liebe von Black Jack Davey?“

 

„Ja, ich verschmähe Haus und Hof,

mein Kind, den Pfad von Levi,

heut Nacht lieg ich am Fluss im Gras,

in den Armen von Black Jack Davey.“

 

 

 

(amerikanisches Traditional/ ins Deutsche übersetzt von Patrick Rabe)

 

Für die Übersetzung © by Patrick Rabe, 8. Mai 2021, Hamburg.

 

 

Ein traditionelles, amerikanisches Volkslied, das locker auf dem irischen Lied „The wraggle, taggle Gipsies“ beruht. Es wurde immer wieder in verschiedenen Varianten gecovert, auch von der Generation des Alternative Rock. Ich kenne es von Bob Dylan, in einer äußerst packenden, sparsam instrumentierten Version. Levi ist in der Bibel ein Sohn Jakobs mit Leah, der einzige im Volk Israel, dessen Nachkommen kein Land erbten, sondern für den Tempeldienst, also für Gott da waren. Im Verständnis des alten Israel die höchste, denkbare Ehre. Wer Black Jack Davey ist, und warum die Lady des Bräutigams IHM folgt, lässt sich ebensowenig in eindeutigen Worten beantworten, wie die Frage „Was ist hinter der Tür?“, bevor man durchgegangen ist. Ich habe es heute, ehe ich es übersetzte, mit dem Traditional Cannadee-I-O verglichen, der ebenfalls von Dylan gesungen wird, und den ich gesungen auch sehr schön finde. In diesem Song heuert eine Frau aus Liebe zu einem Matrosen in Matrosenkleidung auf einem Schiff an. Als der Schwindel auffliegt, wollen die Matrosen sie von Bord werfen. Nur der Kapitän setzt sich für sie ein. Und als sie in ihrer ersehnten Stadt Canadee I-O ankommen, ist sie mit dem Kapitän, statt mit einem der Matrosen verheiratet. Ais dem Mund von Bob Dylan klingt dieses Lied wirklich schön und anrührend. Aber ich kann irgendwie nicht umhin,mir vorzustellen, was während der Überfahrt alles passiert sein könnte. Und genau deswegen sympathisiere ich mit dem Mädchen aus „Black Jack Davey.“

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