Patrick Rabe

Lilypond Lane und Vergissmeinnicht

Lilypond Lane und Vergissmeinneicht

 

(Der Vorteil, ein Bob-Dylan-Fan zu sein)

 

Wollt ihr mich küssen, ihr Idioten?

Ich geb‘ euch meinen Schwanz.

Nennt ihr mich einen lebend Toten?

Dann schluckt ihn mal gleich ganz.

 

You’re a jooouuuurnalist, Ochs, baby,

du kannst einfach nicht schreiben,

ich mach kein‘ Folk für Folks, baby

du kannst zuhause bleiben.

 

Bei Geiermann und Söhne hab ich

vor Flaming Star gestanden,

in seiner Factory, da gab ich

mehr als ich verstanden.

 

Als auch noch Leo Cleo küsste

in einem Goldfischglas,

und als Pat Garret Billy disste,

da sah ich, man vergaß,

 

wohl wieder das Vergissmeinnicht,

die Edie auf der Rampe,

„Just like a woman“? Kein Gericht.

Ich nannte sie nie Schlampe.

 

Im Morgengrau da küsse ich

das Veilchen, die Narzisse,

doch dich, mein Schatz, vermisse ich,

wenn ich die Rosen küsse.

 

 

 

© by Patrick Rabe, Mi, 13. Mai. 2021, Hamburg.

 

 

Dieses Gedicht bezieht sich auf die kurze Beziehung von Bob Dylan zu Edie Segdewick, die er versuchte, aus den Fängen von Andy Warhol und seiner drogenlastigen „Factory“ zu retten. Warhol brachte dort nach und nach alle auf Heroin, weil er der Meinung war, SEINE Künstler würden dadurch kreativer. Die Wahrheit war, dass die meisten von ihnen alleine schon an der Maxime „Jeder kann für 15 Minuten berühmt sein“ scheiterten. (Weil sie dahinein zu viele Hoffnungen legten.). Viele Künstler und Künstlerinnen scheiterten schon, weil sie nur einmal mit Warhol gefeiert hatten. Unter anderem wurden populäre Künstler wie Jim Morrison (und letztlich auch Dylan) durch die Begegnung mit Warhol zu negativem Verhalten angestiftet ( nicht nur drogentechnisch), und zu viele, wie unter anderem Edie Segewick kamen völlig unter die Räder. Einer der wenigen, der aus diesem irren Sumpf überhaupt den Absprung schaffte, war Lou Reed, und mehrere Mitglieder seiner Band „The Velvet Underground“. Wie man an seiner weiteren Karriere sehen kann, hatte er noch andere Werte,  die ihn durchs Leben trugen.  Unter anderem seine Freundschaft zu Bob Dylan, an dem er sich sein Leben lang orientierte. Trotzdem ist sein „Heroin“ ein großartiger Song. Der Satz „Lass die Finger von denen, das sind Vampire“, den man wegen des Films „The doors“ von Oliver Stone John Densmore zuschreibt (im Film sagt er ihn zu Jim Morrison auf einer Party von Andy Warhol), sagte eigentlich Bob Dylan zu Edie Segdewick. Oliver Stone hatte die Episode mit Dylan in „The doors“ nicht bringen dürfen, weil Dylan damals noch in Verbindung mit christlichen Gruppen stand, die ihn sehr stark verehrten, und die eine Verbindung von Dylan mit Warhols Partyszene damals nicht verstanden hätten, obwohl seine Rolle darin eine positive und für viele dort rettende gewesen ist. Für Edie Segdewick, die am Heroin starb, schrieb Bob Dylan „Just like a woman“, ein Lied über eine Frau, die immer sagte „Ich kann das, ich bin stark, ich bin eine erwachsene Frau“, und dann doch „zerbrach wie ein kleines Mädchen“. Jeder, der dieses Lied schon einmal gehört hat, weiß, dass dies ein Liebeslied ist.  Es hat nichts von dem diesem Lied oft unterstellten Chauvinismus und Spott. Es ist eine liebevolle Trauer um dieses „Kleine Mädchen“ in Edie Sedgewick, das Dylan selbst noch in Warhols Teufelskarneval wahrnehmen konnte, und in das er sich unsterblich verliebt hatte. Man hört es schon am Klang, wie Dylan es singt. Das einzige Mal, dass er es schroff, wütend und ablehnend singt, ist auf der Tour 1974, die auf „Before the flood“, und den dazugehörigen, auf Bootlegs erschienenen, mittlerweile ebenfalls veröffentlichten Konzerten zu hören ist. Dylan selber bewertet diese Konzerte aber auch gar nicht als gut, weil er darin stimmlich die ganze Zeit zu doll aufdreht, aus Angst, man könne ihn vielleicht nicht hören, weil er nach seiner achtjährigen Pause einfach noch nicht an die 1974 bereits verfügbaren PA’s (Verstärkeranlagen) gewöhnt war, wo man durch das Mikrophon nicht die ganze Zeit gegen die E-Gitarre und das Schlagzeug ansingen musste, weil die Aussteuerung von der Anlage gemacht wurde. Daher widme ich dieses Gedicht auch allen Schwalben, die manchmal am Bordstein festkleben, anstatt zu fliegen. Der Begriff „Bordsteinschwalbe“ bedeutet nämlich ursprünglich nicht „Prostituierte“, sondern jemanden, gerade auch Frauen, die von schlechten Drogen so stoned sind, dass sie von dem Fleck, wo sie gerade sitzen, nicht mehr hochkommen. Viele von ihnen wollten einmal Künstlerinnen und Sängerinnen werden. Dass sie dann auch irgendwann „anschaffen gehen“ mussten, um sich ihren „Stoff“ besorgen zu können, ist natürlich schon so. Daher widme ich, wie viele, die mich kennen, verstehen werden, dieses Gedicht auch Christiane F. und den Menschen, die ICH ans Heroin verloren habe. Unter anderem Christian Rausch, der eine Zeitlang zu meiner Clicque gehörte, und dessen hilflose Lebensaufgabe mit bereits Anfang 20 mich sehr erschüttert hat (Nachzulesen in „Briefe an Drake“ auf e-stories). Und den Überlebenden, die die Kurve gekriegt haben. Unter anderem Micaela, die ich sehr gerne einmal wiedersehen würde. (Das gilt auch für viele andere Leute. Ich weiß, dass ihr noch lebt… Love you).

© by Patrick Rabe, 2021

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