Brigitte Waldner

Der Elektronische und der Scheinheilige


Ich wohne in einer schönen Gegend,
mit links und rechts von mir Halunken,
der eine mit einem Handy am Bein,
der andere beklaut mich seit fünf Jahrzehnten,
der Elektronische mobbt mich unbarmherzig,
der Räuber stalkt mich skrupellos;
ein jeder versucht, mich zu schädigen,
und jedem gelingt es erfolgreich.

Der Gefesselte betitelt mich „die Geistige“,
der Einbrecher ist noch viel ausfälliger,
und beide lachen mich dauernd aus,
und so verhält sich auch ein jeder Klan.
Der eine trinkt viel Alkohol
mit seinen vielen Freunden,
der andere mästet sich und die Seinen
mit den bei mir geraubten Geldern.

Kein Wunder, dass ich keinen Mann habe,
wer sich in eine andere Frau verliebt,
hat diese Probleme alle nicht.
Man hat ja nur ein Leben,
warum sollte man sich Probleme aufhalsen,
die man unbedingt vermeiden könnte?
Ich würde jedem Mann empfehlen,
sich eine andere Frau zu nehmen.

Und das hat noch immer geklappt.
Detail am Rande: Ich bin allein
und damit Freiwild für Halunken, die
der Umwelt eine Scheinheiligkeit vorspiegeln,
mit Marterl und Marienstatue vor dem Haus,
als ob ich mir das einbilden würde,
was sie an mir, der Wehrlosen, verbrechen,
dass mir die Worte, das zu beschreiben, fehlen!

Epilog:

Der Mobber mit der elektronischen Fußfessel
nennt mich mal die Geistige, mal die Psychische
und mal die nicht ganz Richtige.
Er bedenkt nicht, dass er der Elektronische,
der Gefesselte und der Strafgefangene ist.
Als ich die Fußfessel das erste Mal sah,
hätte ich so gerne gelacht,
aber sie hat mir Angst gemacht.

© Brigitte Waldner

 

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