Hanns Seydel

V O R B I L D E R

" Wiederholen zwar kann der Verstand, was da schon gewesen;
Was die Natur gebaut, bauet er wählend ihr nach.
Über Natur hinaus baut die Vernunft, doch nur in das Leere,
Du nur, Genius, mehrst IN der Natur die Natur. "
( Schiller : "Der Genius" )




Die Substanz der eigenen Begabung,
sie wachset an von Kindesbeinen.
In Entfaltung gibt es nie Erstarrung,
nur Verächter können Dies verneinen.
Doch wird gebildet jed` Talent
durch Vorbilder, die sind präsent.
Aus dem Nichts heraus kann nichts entstehn,
das Vorbild ist`s, das niemals kann vergehn.

Nach oben geht die Höhe,
nach unten geht die Tiefe.
Die Erkenntnis ist wie eine Höhle,
die anzieht der Besucher Viele.
Das eigene Talent, es kann sich hehr entfalten
und in seinem Tatendrange nie erschlaffen.
Doch das Vorbild ist sein Ausgangspunk`,
denn durch es entsteht des Geistes Prunk.

Und über alle langen Jahren,
wo Vieles man kann ernst ertragen,
das Vorbild wirkt im Geiste nach,
auch noch spät im Schlafgemach.
Daran oft zu denken,
davon kann nichts ablenken.
Konzentriert auf Vorbilds Werk
wird bestieg` des Geistes Berg.

Inspiriert von Intelligentestem,
dem Vorbild wird gedacht.
Denn das Vorbild kommt von Höherem,
nach seiner Folge wird getracht`.
Ziele zu erreichen, das ist hehr im Leben,
Prinzipien durchzusetzen gelt` das Streben.
Vom Vorbild geht Gestaltender stets aus,
Widerstände treibt er weit hinaus.

Im Vorfeld wirkt das Vorbild,
der Umgang, der sei immer mild.
Bedrohlich und vernichtend
sind Die, die ohne Vorbild lebend
nur des Andren Untergange sehn
und Erkenntnis können nicht verstehn.
Belästigend sind üble Sorten,
die nie geklopft an Einsichts Pforten.

Des Vollmonds grelle Helle
ersterbet auf die Schnelle.
So sterben auch die Vorbildlosen,
denen fremd sind geistge Größen.
Es rasen die Gedanken,
die kennen keine Schranken,
wenn durch das Vorbild wird bewirk`
das eigne gute Werk.

Verdammt, verflucht, verdorrt
sind Vorbildlose in ihr`m Ort.
Da wird`s düster im Gemüte
schon in des Morgens aller Frühe.
Bärenhafte Willenskraft durchdringet Den,
der weiß, dass Vorbilds Wirkung niemals wird vergehn.
Und selber Vorbild werden ist ein Ziel,
Andere erfreuen, davon gibt es Derer Viel`.

Der Stachel des Erkenntnisdrange`,
in die Tiefe strebt er stets.
Das Vorbild zog an starkem Strange,
der Folger gehet seines eignen Wegs.
Ohne Vorbild ist man allein auf weiter Flur,
das Vorbild zu achten ist wie `ne Kur.
Endlos wie der Meere Weiten,
so endlos sind des Vorbilds Seiten.

Das üble, böse Natterngezücht,
das Bosheit, Missgunst, Neid
ganz grauenhaft verfecht`,
ist dumpf in seiner Einsamkeit.
Da verteidigt sich des Vorbilds Werte
gegen jede andre lärmend` Stärke.
Begabung und Vorbild hab` bewirkt
das Werk, das später wird erzeugt.

Ergriffen sieht der Meister,
dass ein Anderer ist Bester.
Neidlos nimmt er ihn als Vorbild,
zur Bewunderung ist er gewillt.
Hitzig gehts dann an die eigne Arbeit,
das Vorbild macht ihn sehr gescheit.
Die Idee zu großen Werken,
das Vorbild wird verstärken.

Das Vorbild hat den Trieb erzeugt,
den des Geistes Schub hat nie gebeugt.
Das Vorbild ist der Ausgangspunkt,
im tiefen Geiste hats gefunkt.
Mächtig dringet ein in tiefste Seele,
die kennet jeder Tatsach` Schwere,
des Vorbilds eigne Wirkung,
die fern ist von Verwirrung.

Kostbar ist des Vorbilds Werk,
die Begeisterung ist nie verwirk`.
Konzentration ist das, was zählt,
vom Vorbild ausgehn wird gewählt.
Überragend sind Erzeugnisse,
die haben keine Risse.
Durchwegs klar und fest gestaltet
wirds Ergebnis niemals sein veraltet.

Nach vorne stürmt der geistge Widder,
der niemals ist ein Zwitter.
Des Vorbilds Leistung treibt ihn an,
dann zeigt Er, was er kann.
Den Trieb, sich selber zu entfalten
und das eigne Werke zu gestalten,
vom Vorbild wird gefördert,
durch Nichts wird dies gestöret.

Ehrfuchtsvoll und andächtig
dem Vorbild wird gedacht.
Das eigne Werk wird prächtig,
entsteht bei Tag und Nacht.
Fehlen viele Vorbilder,
die eigene Substanz ist fahl.
Denn jene sind wie Schilder,
die prangen in ei`m jeden Saal.

"Nach getaner Arbeit ist gut ruhn",
ein altes Sprichwort sagt.
Doch vorher ist das größt` Bemühn,
die Anstrengung, sie tagt.
Das Vorbild wirket nachhaltig,
der geistge Reichtum ist gewaltig.
Das Vorbild bringt zutage
das Talent, das ist keine Frage.

Die Welt des Dichters ist das geschriebene
und nicht das gesprochene Wort.
Im Temprament, da gibts Verschiedene,
doch Alle sind von besondrer Sort`.
Das Vorbild wirkt in jeder Kunst,
brandend in der Größe Dunst.
Ohne Vorbild wär nichts möglich,
das zeiget sich tagtäglich.

Ein andres Sprichwort hat gesagt :
"Des Menschen Wille ist sein Himmelreich."
Und nach der Wahrheit hatte nachgefragt,
Der nicht glaubte Alles immer gleich.
Aufbäumet sich die größte Kraft,
die zu jeder Zeit das Stärkste schafft.
Das Vorbild wirkt im Hinterkopf,
Wer`s nicht kennt soll sein ein Tropf.

Unverfroren ist das Gegenteil,
durch das der Widerwille steiget steil.
Doch festgefügt ist Dessen Meinung,
der kennet Geistes Steigerung.
Und wo flattert nur der Überdruss,
dem eigen ist der Überfluss,
da wirkt im Gegenteil des Vorbilds Wert,
der zu der Erkenntnis immer führt.

Traurig wird jed` groß` Gemüte,
wenn der Tragik trübe Früchte
in die Seele grausam dringen
und innre Qualen bringen.
Ist ein Vorbild spät verstorben,
die Erinnerung wird neu geboren.
Spät versterben heißet alt geworden,
in jenem Leben war rein Nichts verdorben.

In die Höhe strebt der starke Geist,
der auch im Alter nicht vergreist.
Übermäßig vorwärts drängend,
ist des Vorbilds Werk im Geiste hämmernd.
Die Dimension des deutlich` Denkens
im Kern ist dauerhaftest festens.
Das Vorbild prägt das eigne Denken,
geistge Wonnen kann es schenken.

Unerträglich ist das Gegenteil,
das stumpf ist wie des Henkers Beil.
Furchteinflößend, angstverbreitend
ist der Hohlheit arge Art.
Vorbildlos vor hin sich lebend,
schlimme Gleichgesinnte um sich schart.
Fürchterlich sind Äußerungen,
die den Vorbildlosen sind entsprungen.

Verfluchend, verdammend, vernichtend, verrohend,
mit geistlos` Gebärde sinnlos drohend,
die Vorbildlosen mein`, sie wärn der Weisheit letzter Schluss,
doch ihr` Artikulation zeigt ihren schlechten geistigen Erguss.
Rammend, explodierend, im Endeffekt behindernd
sind die Vorbildlosen Bestes nur verhindernd.
Fadenscheinig sind der Vorbildlosen Gründe,
zu bezeichnen sind sie nur als geistge Sünde.

Milde lächeln rührend` Blicke,
die lieblich sind, doch fest wie Stricke.
Das Vorbild wirkt im Hinterkopf,
das Thema hat den wertvollst` Stoff.
Die Augen leuchten klar wie nie,
wenn Vorbild` wirken, nur die sie.
Gesprochen werden wertvoll` Wendungen,
geboren in den tiefst` Empfindungen.

Das Leben ist ein Kreis
und mittendrin, da ist ein Gleis.
Das Gleis führet durch des Lebens Ernst,
das Vorbild, es ist kein Gespenst.
So mancher Start ist richtig schwer
und für Erfolg gibts kein Gewähr.
Der Wille ists, der zählt
und jede Skepsis wird bezähmt.

Traurig werden die Gemüter,
wenn sie beraubt sind ihrer Güter.
Da meldet sich das Vorbild im Verstand,
Haltung zu bewahren, das sei hier genannt.
Doch Wer nie die Traurigkeit empfindet,
Wer nie das Tragische erkennet,
Der ist vom Tiefsten weit entfernt,
Vorbild haben hatte er verlernt.

Abgehackt und roh brutal
sind der Vorbildlosen Sätze.
Diese sind nur leerer Knall,
sie kennen nicht der Vorbild` Schätze.
Jeder düstere Gesell`,
sein Ziel, er hatte stets verfehl`.
Verschüttet ist beim Vorbildlosen
das Vorbild, das er hatte weggestoßen.

Unheilvoll ist jedes Leben,
dem fehlet der Erkenntnis Sicht.
Das Vorbild werde immer geben
der Wahrheit einzigartges Licht.
Von Vorbild zu Vorbild wirkt das Hehre,
die Verehrung kennet die höchste Ehre.
Ohne Vorbild gibts nichts Eigenes,
das Vorbild ist immer was Stärkeres.

So genieße jede Freude,
das Gegenteile meide.
Und achte jene Arbeit,
die im Geiste innigstens Dir liegt.
Das Gegenteil sei Dir verhasst,
auf Vorbilds Wirkung sei gefasst.
Unaufhaltsam, ohne Stillstand
wächst des Geistes bodenloser Brand.

Wille wirket hart und härter,
Einheit kommet stark und stärker.
Wuchtig wirket das Metall,
aus ihm erwachset allerstärkster Stahl.
Des Talentes Geistestärke,
die kommet von des Vorbilds Wärme,
die, ihm immer wohl gesonnen,
führet zu den geistgen Wonnen.

In der Kunst, man sieht Vollendung heut`,
die zu kennen, werden Leute haben nie bereut.
Doch im Wahn des unbedachten Temprament`
zeigt sich das voreilig` hirnlos` Element.
Dem steht ernsthaft gegenüber,
der ist des Vorbilds dauernder Verfechter.
Wer kein Vorbild hat, der hat verloren,
denn geistig ist er schon gestorben.

Schweigend sieht der Mensch das Unheil,
wenn die Vorbildlosen schwing` ihrn Keil.
Selbst die Tiere sind betrübt,
die in Gegenwehr sind sonst geübt.
Geballte Wucht, sie donnert nieder,
die gehet durch die mächtgen Glieder.
Doch in Gedanken ist das Vorbild stark,
Erlahmen kann dort Nichts, dort gibts kein Wrack.

Die Welt des Dichters ist das geschriebene
und nicht das gesprochne Wort.
Im Umgang der Zurückhaltende,
kann er jedoch schreiben immerfort.
Frauen sind gesprächiger als Männer,
doch Frauen sind ein Vorbild und ein Renner.
Ob Dichter oder Dichterin,
Vorbild sind sie stets von Anbeginn !




( E N D E )
Hanns SEYDEL, 06.05.2021 - 11.05.2021
( Werk 260 )






 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.05.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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