Christina Pochert

Doktor Dünnmantel und der alte Grimmbart

Ein Doktor lebt in einem Haus ganz nah am Waldesrand,
und wird im ganzen Dorf nur mehr Herr Dünnmantel genannt.
Bescheiden lebt er, stets allein, mit wenig nur zu Händen,
doch kann mit seinen Gaben er fast jedes Leid beenden.
Wer krank ist sucht den Doktor auf, so ist es stets gewesen
und nimmt man seine Medizin so ist man schnell genesen.
Kräutlein sammeln, Salben rühren und Tinkturen brauen,
ein Mittel gibt’s zu jedem Weh, darauf kann man vertrauen.

Doch einen Alten gibt’s im Dorf, der kann all das nicht glauben,
der denkt ein solcher Scharlatan, der will ihn nur berauben.
Der Grimmbart grummelt immerzu, den lieben langen Tag,
er nörgelt schimpft und zetert nur, was man auch tun mag.
"Ein Quacksalber, ein Möchtegern, der leert mir nur die Taschen,
verkauft gewiss als Medizin nur heiße Luft in Flaschen.
Nein, solchen Unfug glaub ich nicht, den Schmerz kann nichts vertreiben,
und auch kein Doktor Dünnmantel kann mir ein Kraut verschreiben."

Doch als der Grimmbart morgens merkt, er kann sich kaum bewegen,
und dann um Hilfe bitten muss, da wird er ganz verlegen.
Kommt aus dem Bett nicht mehr hinaus, so sehr er sich auch schindet
da merkt er auch dass ihm der Mut, allein zu bleiben schwindet.
Da holt ein Nachbar eilends gleich, den Doktor in die Hütte,
und wie ein Häufchen Elend liegt, der Grimmbart in der Mitte.
"Ich brauche Ihre Hilfe nicht, ich brauch nur meine Ruh!"
doch Dünnmantel der schlaue Arzt, der hört ihm gar nicht zu,
er sitzt bereits an seinem Bett und stützt des Grimmbarts Rücken
und drückt ein Wirbelchen zurecht, sein Griff scheint gleich zu glücken.
Einmal noch hier, einmal noch dort, die Schultern noch gerade,
für keinen Handgriff ist sich Doktor Dünnmantel zu schade.

Der Grimmbart ist mit einmal ganz still, hört auf zu keifen
er muss das neue Wohlgefühl im Körper erst begreifen.
Er muss sich nun doch eingestehen, da gibt’s nichts einzuwenden,
Der Doktor hat wohl Zauberkraft in seinen beiden Händen.
Er wusste gleich den wehen Punkt, er hat gedrückt, gezogen
und dann mit einem mal war gleich der ganze Schmerz verflogen.
Zerknirscht möchte der Grimmbart nun sogleich den Preis begleichen,
denn so ein Doktor will gewiss sich seinen Lohn erschleichen.
Doch Dünnmantel schüttelt den Kopf:" Ich geb nur einen Rat:
Dies war für Sie, mein guter Mann, nur eine Freundschaftstat.
Ruhen Sie Ihr wehes Kreuz, vermeiden Sie zu tragen,
Sie müssen sich schon oft genug mit Ihren Lasten plagen.
Die Ihre Stirn in Falten legt und Ihre Beine beugt,
und auch Ihr Rücken hat mir dies bereits genug bezeugt.
Die Sonne scheint, der Tag ist schön, und niemand will Sie stören,
darum verschreib ich Ihnen nur auf meinen Rat zu hören.
Lachen Sie bisweilen mehr, freu´n Sie sich am Leben,
dann wird Ihrem Lebensabend viel mehr Sinn gegeben."
Der Grimmbart staunt, zum erstenmal sieht man den Grimmbart lachen.
"So will ich dies nun bis zum Schluss mein ganzes Leben machen!"

Dem Doktor schüttelt er die Hand, "Ich habe sehr zu danken,
Sie sind, das seh ich nun genau, ein Engel für die Kranken."
Wer Anteil nimmt und sorgsam ist und lindert all die Schmerzen,
und keinen Preis dafür verlangt, dem danke ich von Herzen!"

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