Patrick Rabe

Mc. Carthys Geist

Mc. Carthys Geist

 

Und sie geht immer tiefer,

die Konterrevolution,

in Köpfe, die einst links war’n,

in denen nun die Rechten woh’n.

Und wenn du in der Bar sitzt,

besteigt Mohammed den Thron,

und mit deinen Synapsen

planen sie den Anschlag schon.

 

Plural ist die Gesellschaft,

Trilateral, Bilingual,

und Multiplikatoren

faseln was von einem Wal.

Es sind zu viele Menschen,

kann man sie nicht reduzier’n?

Wenn sie zu lang allein sind,

reden sie schon mit den Tier’n.

 

Und es gibt keine Hilfe,

und ich starre in mein Bier,

und simultan wird übersetzt,

wär‘ doch Frank Spilker hier.

Er hat es damals schon gewusst,

noch ehe es entgleist,

ich rede mit dem Discolicht

und mit Mc.Carthys Geist.

 

 

 

© by Patrick Rabe, 20. Mai 2021, Hamburg.

 

 

 

 

 

Dieses Gedicht ist eine Kritik an den Weltumständen seit dem 11. September 2001. Die Frage „Wer ist Freund und wer ist Feind“ ist immer schwerer zu beantworten, ihre Klärung wird aber immer dringlicher. Die seit dem Anschlag auf das World Trade Center wieder massiv angestiegene Überwachung von Privatpersonen und ganzen Völkern, inklusive der dauernden Verhaftungen, teilweise vertuschten Prozesse, Wegsperrung von Menschen in Gefängnissen und Psychiatrien, in denen sie teilweise „umerzogen“, oder z.B. durch Elektroschocks – heute „Elektrokrampftherapie“-  bewusstseinsmäßig „gelöscht“ werden, erinnert zunehmend an die Zustände der sogenannten Mc. Carthy-Ära in Amerika, als mit allen nur erdenklichen Mitteln Hatz auf Kommunisten gemacht wurde. Manche von den darauf folgenden „Konterrevolutionen“ der Opfer solcher Maßnahmen, auch solcher, die sich teilweise gar nichts zu Schulden hatten kommen lassen, waren aber nicht weniger gefährlich, gerade auch für die, die sie machten, weil die betreffenden Leute oft selber nicht überblickten, was sie da taten, und warum. Sie gerieten dann ihrerseits oft wieder an Leute, die sie für irgendetwas instrumentalisierten. Und das setzte sich so lange fort, bis sich alle andauernd gegenseitig deprogrammierten, als wären sie Computer. Besonders kritisch sehe ich in diesem Zusammenhang die sogenannte Psychiatrie-Enquete, die Ende der 1960er z.B. in Hamburg dafür eintrat, dass Psychiatriepatienten „befreit“ werden sollten. Die problematik an der sache ist Folgende: Es gibt „echt“ psychisch kranke Menschen, und solche, die in staatskonformen Psychiatrien „umprogrammiert“ wurden. Dass diese Menschen im Rahmen der Antipsychiatriebewegung der 1970er alle gemeinsam „befreit wurden“, was sie teilweise für eine eigene Initiative hielten, was jedoch massiv von bestimmten Psychiatern auch mit gesteuert wurde, die Chaos im Land im Sinne hatten, erwies sich als weder gut, noch praktikabel, weil auch den Betreffenden selber am Ende nicht mehr klar war, ob sie nun ein umprogrammierter Revolutionär, oder ein Mensch mit psychischen oder geistigen Problemen waren. Der Verkauf vieler staatlicher Psychiatrien in Deutschland an private Firmen und Investoren ab Ende der 1990er, den ich als Ergebnis einer zunächst mal von guten Einsichten und Absichten getragenen Konterrevolution der Ur-Psychiatrie-Enquete-Mitglieder werte, hat sich jedoch als totaler Schuss in den Ofen erwiesen, der diese Gesellschaft an den Rand des Erträglichen brachte, nämlich an den Punkt, an dem wir gegenwärtig stehen. Man merkte nicht, dass auch der deutsche Staat gelernt hatte; den „Schwachen“ des Systems und den Staatskritikern von Apo und co. mittlerweile wohlwollend gegenüberstand, und ihnen bei ihren Bemühungen, den Staat zu etwas Besserem umzugestalten helfen wollte. Da viele der „alten Garde“ den Staat aber immer noch als feindlich und die Psychiatrie als „Ausknips-Anstalt von staatlichen Gnaden“ sahen, halfen viele dabei, Ole von Beust und die Koalition aus CDU, FDP und Schill-Partei dabei zu unterstützen, die psychiatrischen Krankenhäuser an private Investoren zu verkaufen. Das hielt man, obwohl es unter einer CDU-Regierung passierte, für „sozialistisch“. Leider verpeilten diese Leute der Ex-Apo und der Ex-Psychiatrie-Enquete, dass sie damit auf die Konterrevolution der Konterrevolution hereinfielen, und noch dabei mithalfen, dass die deutschen Psychiatrien und teilweise auch die somatischen Krankenhäuser an Firmen verkauft wurden, die mit dem amerikanischen Geheimdienst und Scientology zusammenarbeiteten, die ihrerseits sich immer wieder gerne haben einspannen lassen, um irgendwelchen Staaten ihr Know-How zur Menschenumprogrammierung zur Verfügung zu stellen. Dass mittlerweile wieder sehr oft völlig Durchgeknallte durch die Städte laufen, und vor allem auch viele von den neuen Flüchtlingen andauernd sehr merkwürdig ausflippen, hat unter anderem mit dieser seit der Merkel-Regierung wieder oft auch staatlich gewünschten und sanktionierten Umprogrammierung von Menschen zu tun. Man sollte endlich einmal dergestalt aus der Geschichte lernen, sich zu sagen, dass konservative Parteien noch nie langfristig segensreiches bewirkt haben. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Welt und das Leben ständig verändert. Der Wunsch, Altes und Tradiertes für immer zu konservieren, ohne, dass es sich ändern kann, läuft den Gesetzen des Lebens fundamental entgegen. Allerdings stimmt der Satz „Alles fließt“ auch nicht. Es fließt nur das, was nicht als Barrikade oder Damm im Fluss rumsteht, und dafür sorgt, dass alle Boote, Papierschiffchen und gute Ideen dagegen knallen und Schiffbruch erleiden. Als genialen Versuch, dies alles in Worte zu fassen, erachte ich unter anderem den Song „Scheiß auf deutsche Texte“ von den Sternen, auf den ich in meinem Gedicht auch anspiele.

 

 

© by Patrick Rabe, Mai 2021

 

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