Brigitte Waldner

Wundersame Verheißungen


Habe nur einen Gott!
Missbrauche seinen Namen nicht!
Heilige den Feiertag!
Ehre deine Eltern!
Töte nicht!
Halte dein Eheversprechen!
Stiehl nicht!
Verleumde nicht!
Gehe nicht fremd!
Begehre keinen fremden Besitz!

Wo bitte steht: „Lüge nicht!“?
Nicht in den zehn Geboten.

Wir kommen in den Himmel,
und werden auferstehen,
und dort die Lieben wiedersehen.
Wenn das keine Lüge ist,
dann ist es ein Mythos.

Sagt mir, wo ist der Himmel?
Im Himmel ist er nicht
und auch nicht unter Erde.

Sagt mir, wo ist die Hölle?
Im Himmel ist sie nicht
und auch nicht unter Erde.

Der Himmel und die Hölle
sind beide auf der Erde,
dem Leben geöffnet,
dem Tode verschlossen,
und nicht von dieser Welt,
von anderswo im Weltall
für alle Auserwählten.

Sie sind aus Staub
und kehren zu Staub zurück,
aus dem nur gute Christen
Millionen Jahre später
in einem Land auferstehen,
das sie sich schöner
nicht vorstellen können.

© Brigitte Waldner

 

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Trilettantia ist der Titel einer Erzählung, deren Handlung Ende des 22. Jahrhunderts spielt. Trilettantia ist keine SF-Erzählung, was sie vielleicht auf den ersten Blick zu sein scheint. Was in Trilettantia in der Zukunft spielt, ist die Gegenwart, die beleuchtet wird aus einer Perspektive, die unsere heutige Wirklichkeit überwunden zu haben scheint – jedenfalls ihrem Anspruch nach. Denn selbstverständlich geht der aufgeklärte Mensch des 22. Jahrhunderts davon aus, dass in 200 Jahren die Welt – bzw. das, was wir dann darunter verstehen werden – vernünftiger geworden ist, die Vernunft wieder ein Stückchen mehr zu sich selbst gekommen ist. Aus dieser Perspektive werden uns Strukturen und Charaktere des begonnenen 21. Jahrhunderts deutlich als Atavismen erscheinen. Nun ja: jedenfalls vielleicht...

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