Patrick Rabe

Lied für Hamburgs Norden (An der See `21)

Lied für Hamburgs Norden

(An der See `21)

 

Ein Tanz auf müden Stiefeln,

ein Vegetier’n allein,

egal, wen wir auch riefen,

niemand will bei uns sein.

 

Die Wandlung, die wir spüren,

geht immer nur bergab,

und in die falsche Richtung,

auch oben ist das Grab.

 

Wer an der See

aufgewachsen ist,

weiß, auf besseres Wetter warten,

lohnt sich nicht.

 

Am Horinzont ein irrer

Fahrradfahrer, neongelb,

kein guter Motorbiker

rettet für uns uns’re Welt.

 

Wer an der See

aufgewachsen ist,

weiß, auf besseres Wetter warten,

lohnt sich nicht.

 

Doch wer lange genug wartet,

merkt, die Wetter-App, sie spinnt,

und dass jeden Morgen wieder

doch ein neuer Tag beginnt.

 

Sind wir offen für das Echte,

und nicht blind für die Gefahr,

kämpfen wir für Menschenrechte,

nicht für das, was einmal war.

 

Und das Klima ist nicht wandelbar,

jedoch des Menschen Geist,

darum pass gut auf, wenn jemand dir

hineinlügt-oder scheißt.

 

Und die Erde duftet würzig,

auch nach einem Regentag,

und die Sonne ist im Innern,

wenn man selber sich gern mag.

 

Und darum, wer nicht aufgibt,

und den Traum nicht ganz vergisst,

der findet immer Hoffnung,

selbst, wenn Nacht und Tod ihn frisst.

 

Auch an der See

Gibt es manches Hoch,

und auf besseres Wetter warten,

lohnt sich doch.

 

 

© by Patrick Rabe, 21. Juni 2021, Hamburg.

 

Mein Songtext ist angelehnt an den Song „An der See“ von Razzia, und greift die Tradition linker Songs wie „Der Traum ist aus“ und „Schritt für Schritt ins Paradies“ auf. Er ist auch eine Anfrage an ungefähr Gleichaltrige, wie Tocotronic und die Sterne, wie man sich heute am besten positionieren sollte. Ich finde, mit Indifferenz, Fatalismus oder Zynismus geht das nicht. Dafür ist mir dieser „Neongelbe Fahrradfahrer“ zu gefährlich. Das ist nicht mehr nur der „Fahrradfahrer, der einen nervt“ aus dem Song „Freiburg“. Sondern in der Tat das total negative Gegenbild zu der hemdsärmeligen, netten, natürlichen Motorradfahrerin aus den Videos zu „Die Unendlichkeit“. Vor allem deswegen, weil man ihn jetzt schon tatsächlich überall sieht. Der Fahrradfahrer, der schneller ist als das Licht, zischt manchmal in beängstigendem Tempo neongelb oder neongrün an einem vorbei. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich will nicht auch noch neonblau und neonbraun. Ich hoffe eigentlich auf natürliche Farben. Und der Sonnenaufgang ist ja bekanntlicherweise mal eher gelb, mal eher rot. Aber immer freundlich. Und was die politischen Farben „Schwarz-Rot-Gold“ damit zu tun haben sollen, erschließt sich mir gut 80 Jahre nach 1945 nicht mehr. Jedenfalls wohl nicht „CDU-SPD-FDP“. (Oder sollte das heißen: „Von der CDU-schwarzen Erde steigt SPD-rot die Sonne auf, und wird am blauen Himmel einer irgendwann mal kommenden, neuen Partei FDP-gelbgolden“? Wer immer sich die daran anknüpfende politische Mystik auch ausgedacht hat: Sie ist für die Tonne und nicht für die Sonne. Und wenn man ehrlich ist, genau so ein pseudoesoterischer Schmus wie Hitlers rechtsrumdrehendes Hakenkreuz. Das Ganze zeigt nur eins: Wer nach einem Zusammenbruch zwar mit veränderten Vorzeichen, aber nach demselben Schema weitermacht, wie bisher, erntet wieder denselben Scheiß nochmal. Wie wär’s mit einem neuen Weg? Den man sich aber vorher genau anguckt, bevor man ihn geht? Und den man nach Möglichkeit selbst entwickelt, und nicht in vorgedruckter Form von irgendwelchen fragwürdigen Sekten oder Wirtschaftunternehmen übernimmt.

 

 

© by Patrick Rabe,

teilen, für sich selber und andere ausdrucken und weitersagen wie immer erwünscht.

Laut singen natürlich auch.

 

 

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