Dieter Kamensek

Fragen eines Kindes

Ein kleines Kind kam zu mir her,
es hatte viele Fragen,
die Antworten schienen ihm so schwer,
es dachte daran seit Tagen.

Du, fing es mit mir an zu reden,
erkläre mir doch, wenn geht,
gelten die Gesetze für jeden?
und was bedeutet: „es ist zu spät?“

Sag mir auch, wenn es möglich ist,
warum wird man im Alter sauer?
Sag mir auch wer du bist,
hast du auch um dich eine Mauer?

Warum suchen die Erwachsenen oft,
und suchen es ohne Ruh,
was eigentlich kommt nur unverhofft,
ich seh dabei oft zu!

Warum streiten nur die großen Leute,
sie schimpfen und sie tadeln,
sie kämpfen wie Hyänen um die Beute,
und sticheln wie mit Nadeln.

Warum glauben einige, dass sie besser sind,
warum tun viele den anderen weh?
Warum sind einige für das Schöne blind,
und steigen auf einen vierblättrigen Klee?

Warum machen sie lieber eine Faust,
anstelle die Hand dem Anderen zu reichen,
sie schlagen und Rüpeln, das einen graust,
das Liebe und Gute muss meist weichen!

Warum haben die Erwachsenen nie Zeit,
warum können sie nicht mehr mit uns spielen?
Ist ihre Kinderzeit so unerreichbar fern und weit?
Müssen all ihre Gedanken nur auf Profit abzielen?

Warum schaffen und weisen sie uns immer,
sie kontrollieren und passen auf,
wenn sie sauer, müssen wir aufs Zimmer,
und bekommen mit Worten ein paar „drauf!“

Warum haben sie einen anderen Blick?
Warum sehen sie nicht mehr die Blüten?
Sie achten nur ob alles gut und schick,
und manchmal fangen sie an zu wüten?

Warum reden die Großen eigentlich soviel?
Warum spart man mit Taten?
Warum haben sie verloren ihr eigenes Ziel?
Warum muss ein Kind stets warten?

Warum verlangt man von uns soviel mehr?
Die Großen selbst vertragen sich nicht,
sie trennen und streiten sich und wir leiden sehr,
sie sehen alles in einem anderen Licht!

Es ist nur wichtig was die Großen wollen,
auf uns Kinder hört man kaum,
sie sagen immer was wir alles tun sollen,
sie sind so unbeweglich wie ein Baum.

Warum sehen die Erwachsenen nicht das Herz,
warum jagen sie nach dem Glück?
Sie übersehen oft unseren Schmerz,
niemand bringt die verlorene Zeit zurück!

Warum ist so vieles den Erwachsenen wichtig,
Warum verstehen sie nicht unseren Sinn?
Letztendlich sind doch alle Erfolge so nichtig,
und niemand hat einen wirklichen Gewinn!

Warum hören sie lieber in ihr Telefon,
und nicht der Vögel schönen Gesang?
Kaum legen sie auf, läutet es wieder schon,
da wird einem Angst und Bang!

Warum sehen sie lieber auf den Monitor,
und nicht die schöne Natur?
Alles Wichtige halten sie außen vor,
und gehen ihre Linie nur!

Warum fangen sie an beim Gehen zu hetzen,
warum rennen sie überall nur herum,
warum können sie sich nicht einmal setzen,
warum finden sie so vieles für dumm?

Warum achten sie so auf ihre Figur,
auf ihr Haar und ihr Gewand,
warum rennen sie blind und stur,
und liegen wie tote Fische am Strand?

Warum reden sie so viele Blödeleien,
warum halten sie sich für so toll,
unerträglich, wenn die Großen zu zweien,
sie flirten sich die Ohren voll!

Ihnen ist nur wichtig was man über sie sagt,
ihnen ist nur wichtig der Augenschein!
Es ist ihnen oft egal was ein Kind so plagt,
Hauptsache es ist gestylt und rein!

Glauben Erwachsene wirklich, und immer,
sie sind soviel klüger, soviel besser?
Doch eigentlich ist es noch viel schlimmer!
Sie gebrauchen die Worte wie ein Messer!

Warum verlieren die Erwachsenen so schnell,
den Blick auf alles was wirklich zählt!
Sie verlieren es wie Tiere das Winterfell,
und schnell wird ein anderer Weg gewählt!

Warum schauen sie dem Sport von anderen zu?
Warum gehen sie nicht zum eigenen Spiel?
Warum brauchen sie beim Fernsehen ihre Ruh?
Ist das der Erwachsenen einziges Ziel?

Warum ist die Zeitung so wichtig,
warum ist die Meinung der anderen die zählt?
Geredet wird, ob falsch oder richtig,
der Standpunkt ist schnell gewählt!

Warum sind es die Opfer, die zahlen müssen,
warum ist vieles so kompliziert?
Warum meist die Kinder bei allen büßen,
warum nicht Liebe die Menschen ziert?

Warum ist so vieles einfach nicht fair,
warum sind die Großen so dumm?
Ich warte auf die Antwort schon sehr,
sage es mir, bleib nicht stumm!

Ich sah das Kind vor mir stehen,
hörte noch die Fragen welche an mich gestellt,
ich konnte ihm nicht in die Augen sehen,
und sagte etwas das ihm nicht gefällt!

Mein Kind, die Antworten auf deine Fragen,
kann ich dir nie und nimmer wirklich sagen!
Ich kann nur herumreden mit gescheiten Sätzen,
doch das wird eine Erklärung niemals ersetzen!
Du gabst mir wieder einen Teil von mir zurück!
Dafür danke ich dir von Herzen, für dieses Glück!
Ich fühle wieder das Kind, das ich war in meinen Herzen,
ich kann mich wieder freuen, lachen und scherzen!

Ich habe nun auch wieder tausend Fragen,
damit werde ich versuchen andere Große zu plagen,
vielleicht finden auch sie dann einmal das Kind,
dass sie einst waren, und merken was sie jetzt sind!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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