Thomas-Otto Heiden

Im Nachbarhaus

 








 

 

Im Nachbarhaus




 

Im Nachbarhaus da lebte eine alte Frau, 
ich hab sie kaum gekannt. 
Wackelig und langsam, 
auf einen Stock gestützt war ihr Gang. 
Da bat ich ihr zur Stütze, 
und für den steilen Weg zu ihrem Hause, 
den meinen rechten Arm. 
Lächelnd nahm sie an. 
Und war dabei sehr überrascht. 
Dann bracht ich sie nach Hause. 
Sie fand das sehr galant.

 

Von meinem Fenster aus, 
da sah ich, 
sie täglich ihre Runden gehen. 
Gestützt auf ihren Stock, 
fest umklammert mit der Hand. 
Sie war sehr hoch gewachsen, 
dazu noch von sehr schlanker, 
und auch eleganter Figur. 

Bestimmt war sie in ihrer Jugend, 
von allen Männern sehr umschwärmt.   
Ihr Alter war sehr schwer zu schätzen,   
sicher zählte sie schon achtzig Jahr. 
Doch so sehr ich mich auch mühte, 
ich sah sie so, wie sie einst, 
einmal gewesen war. 


Die Tage gingen, 
der Herbst zog übers Land, 
ich hatt sie lang nicht mehr gesehen. 
In einer kühlen Nacht, 
die Fenster ganz weit auf gemacht, 
weil trockene Heizungsluft, 
in meiner kleinen Wohnung stand, 
da wurd ich wach mit einem Mal, 
weil blaues Blinklicht, 
von nem Krankenwagen, 
durch mein Fenster drang. 


Die alte Dame, 
sie war gestorben, 
ganz still und dazu noch allein. 
Doch wussten konnte ich´s da noch nicht. 
Nur eine Woche später, 
es war im Herbst ein sonnig warmer Tag, 
da standen Nachbarn vor dem Haus, 
in dem sie wohnte, 


Zu ihren Füßen, 
da lag ein ganzes Leben. 
Achtlos verstreut
auf dem staubigen Trottoir. 
Ein Bild des Jammers, 
wie ich finde. 
Wenn man sah, 
all die lieb gewonnenen Dinge. 
Gesammelt in so vielen Jahren. 
Dann kam auch schon der Abfallwagen. 


Schnell ging ich raus, 
ich wollte etwas retten. 
Ganz freundlich fragte ich, 
ob ich denn etwas nehmen dürfte, 
die Bodenvase sollt es sein,  
aus rotem Porzellan. 


Die Männer von der Müllabfuhr, 
sie hatten nichts dagegen. 
Nun steht sie hier bei mir, 
bekam ein neues Leben. 
Solange bis ich selber sterbe, 
und sie dann, 
vielleicht vor meinem Hause, 
dann wieder auf der Straße steht. 

 




 

Thomas-Otto Heiden

 

 

 

 

 

 

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