Anschi Wiegand

Ein kleines grünes Rosenblatt


Stolz und voller Tatendrang
hat Ottokar ein Loch gegraben
und lässt nun mit verzücktem Blick
ein Rosenpflänzchen sich drin laben.

Er hegt und pflegt es voller Liebe,
begießt es täglich, dass es blüht
und freut sich über jede Blüte,
die farbenprächtig er dann sieht.

Doch mit der Zeit erlahmt sein Eifer,
er denkt, nun wächst sie von allein -
nur ab und zu gibt er noch Nahrung
und meint, das wird genügend sein.

Doch sein Röslein kann nicht wachsen
ohne steten Wasserfluss -
lässt alsbald die Blätter hängen
und denkt, dass er das sehen muss.

Freund Ottokar jedoch, der Tor,
bemerkt nicht, was ein Jeder sieht -
er ist immer so beschäftigt
bis eines Tages nichts mehr blüht.

Entsetzt schaut er an einem Morgen,
erblickt nur dürres Laub am Platz -
„Wo ist denn meine schöne Rose?“
so fragt sich nun der arme Watz.

Ganz schnell holt er den Dünger her,
gießt literweise Wasser drauf
und hofft nun auf ein Wunder noch –
doch traurig ist der Dinge Lauf.

Das Röslein kann sich nicht erholen,
zu lang entbehrte es den Trank -
ist nun völlig ohne Kräfte,
bis an die Wurzel ist es krank.

Mit Tränen sitzt er nun davor,
Freund Ottokar der arme Wicht.
Er liebte doch sein Röslein sehr –
doch warum pflegte er es nicht?

Entfernt sind nun die dürren Zweige,
ein kleines Stöcklein nur noch blieb...
doch unbeirrt gießt er nun weiter,
obwohl er wenig Hoffnung sieht.

An einem schönen klaren Morgen,
als wieder er dies Ästlein gießt,
da traut er kaum noch seinen Augen
entdeckt, dass es ganz zaghaft sprießt!

Ganz unscheinbar schaut es hervor,
ein kleines, grünes Rosenblatt -
und Ottokar muss erst mal weinen,
weil er’s nicht mehr erwartet hat.

Sein Herz macht einen Freudensprung,
die Mühe macht sich nun bezahlt -
er wird sein Röslein weiter pflegen
bis voller Pracht es wieder strahlt!

Will niemals mehr die Pflicht vergessen,
die er für seine Pflanze hat -
ist dankbar für die neue Chance,
die gab das kleine, grüne Blatt!



© Anschi, Juli 2003, überarbeitet Juli 2021

Diesen Text schrieb ich 2003, aber er ist eigentlich immer gültig in Beziehungen! Oft glaubt man, wenn man
sich gefunden hat, dass diese Einigkeit immer so bliebe und widmet sich dann anderen Themen... aber man
darf nie vergessen, dass eine Liebe auch Nahrung braucht und vertrocknen kann, wie eine Blume, die man
sich selbst überlässt... Manchmal wächst eine Pflanze auch in der Wildnis... aber auch da vertrocknet sie wie
eine Wüstenblume, wenn sie kein Wasser bekommt...
Anschi Wiegand, Anmerkung zum Gedicht

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