Inge Offermann

Wiedersehen mit dem botanischen Garten des Karlsruher KIT

Nach dem Herbstbesuch bei Milchorangen,

Herbstzeitlosen und roten Weinblättern

folgte ein gesetzlich angeordneter Logdown.

Für Besucher ging lange Zeit das Licht aus,

der Pandemiewinter zog sich hin und auch

der Frühling mit geschlossener Pforte.

Noch im Juni dieses Jahres Fotografie

von Braunem Storchschnabel nur

durch das Gitter des botanischen Gartens

mit Sehnsuchtsblick auf  braunviolette Blüten

zwischen gelbem Hahnenfuß im Mittagslicht.

Endlich ein Juliwiedersehen mit

dieser Pflanzenoase der Universität.

Außer mir kein Mensch im Vorgarten.

Vorbei an Schachtelhalmen, Farnen

und Milchorangenbaum nähere ich mich

andächtig der hohen Wasserlärche

und beuge mich zu zartlila Zimbelkraut und

weißem Weichharigem Sonnenröschen.

Hängepolster-Glockenblumen entwickeln

Blütenkissen, während Zaunwicken

sich mit glasklaren Tropfen schmücken.

Schon falten sich die gelben Flügel

des Ätnaginsters juliwelk, indes

die Aklebie Karminschirme aufspannt.

Unter Stechpalme und ausladender Kiefer

dehnt sich ein Beet hellen Lerchensporns.

Große Braunellen heben Sahnehäubchen

im Halbschatten, reglos dem Sterngeflüster

Kriechenden Schleierkrautes lauschend.

Stolz brüstet sich der Edelgamander

in rosaseidenem Hemd vor der

anmutigen blauen Wald-Akelei,

ihre frauliche Gunst zu erhaschen.

Demütig neigt sich die Gelbe Nelke

vor hochgerecktem Kleinblütigen Fingerhut

mit goldbetresstem Odermennig im Geleit,

beleuchtet von den cremigen Kerzen

der Portugiesischen Lorbeerkirsche.

Stramm hält der Säulen-Lebensbaum

über dem beflissenen Hofstaat Wache.

Verschwenderisch bläht der Besenginster

an der Gewächshausmauer seine Sonnensegel,

denn der Östliche Erdbeerbaum raunt

verführerisch vom lichtblauen Mittelmeer.

Knollen-Brandkraut dreht rosige Quirl im Licht,

Klippen-Leimkraut macht sich auf Steinen breit.

Meergrüner Bergfenchel streckt Doldenarme

nach der Blauen Rasselblume aus,

die sich ihm nahezu hilfesuchend

vor der dreisten Spritzgurke zuwendet,

worüber die Südliche Weinrose

aus luftiger Höhe nur blühend lächelt.

Muskatellersalbei und Lavendel

laden sich gewächshausnah

zu gegenseitiger Duftprobe ein.

Samt-Skabiosen veranstalten

ihre Fliederröckchenmodenschau

mit Wacholder und Wiesenblumen

als begeisterten Zuschauern.

Rote Spornblume und Rosenmalve

huldigen lieber dem rankenden Sommerwein.

Bunte Insulaner beleben das Wieseneiland

in der Nähe des blühenden Maisfeldes.

Königskerzenhoheiten machen sich

ihre Thronfolge streitig, scharen Heere

aus Pippau, Greis- und Leimkräutern,

Wegwarten und anderem Gefolge um sich,

um siegverheißende Unterstützung

von Bienen und Schmetterlingen werben.

Geordneter geht es im Wassergebiet

des botanischen Gartenreiches zu.

Blaues Hechtkraut belegt den Seitenhafen,

Seekanne und Froschbiss ankern am Kai,

während Seerosen und Teichmummeln

sich friedlich die offene Wasserfläche teilen.

Gesitteter geht es auch bei Landbevölkerung

von Ölrauke, Alant und Backenklee zu.

Das Hexenkraut braut einen Zaubertrank

für Herzgespann, damit Schachtelhalm

endlich ihrem Begehren nachgibt,

an den sich allerdings auch rosalockend

Hauhechel kriecherisch heranmachen möchte.

Stolz wetteifern Tigerlilie und Buchara-Schwertlilie

miteinander, wer die Schönste im Blumenlande ist.

Hingegen bedeckt sich Wiesenrauke

züchtig mit zartgelbem Rispenschleier.

welchen stachlige Weberkarde lüften möchte.

Die Chinesische Nelke beeindruckt rotzackig

die schüchterne Moorheide mit feurigem Flamenco,

reichlich belohnt vom Tausendgüldenkraut

und freundlichem Grinsen der Sonnenblume.

Die Blasenesche fackelt nicht lange

und entzündet trotz Regentropfen

ihre Zitronenkerzen, die Sommerkulisse

der Pflanzenbühne und das Farbenspiel,

bunter Schauspieler dekorativ zu krönen.

© Inge Offermann

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.07.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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