Liselotte Brand-Cerny

Simon erzählt...

Mein Schulweg führt mich durch den Park,

dort steht eine Buche, so gross und stark.

Ich bleibe stehen, um den Baum zu berühren

und die Energie dieser Buche zu spüren.

 

Oft begegnet mir hier ein älterer Mann,

doch meistens sieht er mich gar nicht an.

Sein Schritt ist langsam, sein Blick ist leer –

ist wohl sein Herz wie meines so schwer?

Doch heute morgen bleibt er vor mir stehen,

ich merke, er möchte ein Stück mit mir gehen.

 

»Hallo Junge, du sprichst mit diesem Baum?«

»Ja, ich erzähle ihm immer meinen Traum!«

» Darüber würde ich gerne etwas hören,

mit mir zu plaudern – würde dich das stören?«

»Nein, doch ich muss jetzt zur Schule, es ist Zeit,

sonst komme ich zu spät, doch es ist nicht so weit.

Wir können uns nach den Schulstunden sehen,

hier, um 12 Uhr – würde das für Sie gehen?«

»Wartet deine Mama denn nicht auf dich?«

»Nein, erst am Abend hat sie Zeit für mich!

Ich bin zehn Jahre alt, sage aber stets wo ich bin,

denn manchmal habe ich gar Komisches im Sinn.

Mein Name ist Simon, doch jetzt muss ich los,

wir schreiben einen Aufsatz, darin bin ich gross.«

 

»Ich wohne dort gegenüber in dem hohen Haus,

kinderreiche Familien gehen dort ein und aus.

Ich bin Opa Philipp, für alle die mich kennen,

du kannst, wenn du willst, mich ebenso nennen.

Auf der Bank bei der Buche werde ich sein,

ganz sicher treffe ich noch vor dir ein.«

Opa Philipp hat die Bank schon belegt,

vor Ungeduld ist er ganz aufgeregt,

schon lange hat er nicht mehr geplaudert,

einfach so - immer wieder hat er gezaudert…

»Ich habe vom Bistro zwei Hot-Dogs gebracht,

und Eistee habe ich zu Hause gemacht.«

»Und ich habe meinen Pausenapfel gespart,

du musst ihn teilen, für mich ist er zu hart.«

Was war das ein fröhliches Mittagessen!

auch zwei Eichhörnchen sind vor uns gesessen.

»Magst du mir jetzt über deinen Baum erzählen?

wie tief du gehen willst, musst du selber wählen.«

 

Ach ja, mein Papa musste von und gehen,

nicht plötzlich, wir haben es kommen sehen,

ein Jahr noch wollten die Ärzte ihm geben –

so wenig für ein noch junges Leben.

Doch, wir waren dankbar für diese Zeit,

für uns schien es wie eine Ewigkeit.

 

Mein Papa erzählte mir von den Bäumen,

er wusste auch, von ihnen zu träumen.

Wir wollten meinen Lebensbaum suchen,

ach, ich fühlte mich wohl unter den Buchen.

Und hier in diesem Park, da sah ich sie,

diese Buche, es war ein Gefühl wie noch nie.

»Ich spüre, dass du mein Lebensbaum bist!«

»Doch frage zuerst, ob sie einverstanden ist.«

Ich ging zu ihr und bat sie, mein Baum zu sein,

mit einem gar winzigen Ästchen schlug sie ein,

das Ästchen lag dann auf meiner Hand,

wir legten es vorsichtig in eine Tüte mit Sand,

zu Hause haben wir es in eine Schale getan,

mit guter Erde, damit es auch wachsen kann.

Dann holten wir Papas Lieblingsstein,

gruben ihn im Park bei der Buche ein.

Wir blieben noch eine Weile dort stehen

und konnten ein leichtes Flimmern sehen.

 

Ich erzähle ihr alles, was so geschieht,

doch ich glaube, dass Papa es auch sieht.

Ich spreche auch mit dem Bäumchen zu Hause,

und dann lacht Mama 'mach eine Pause'!...

 

»Nun, Opa Philipp, ich muss jetzt gehen,

es war schön, dich endlich lächeln zu sehen.

Ich hoffe, du hast wieder einmal Zeit

und bist dann für deine Geschichte bereit.«

»Ja Simon, das will ich gerne machen -

und dann nicht lächeln, sondern mit dir lachen.«

 

Für einen Moment lag etwas in der Luft,

ein zauberhaftes Licht, ein traumhafter Duft...

29.07.2021

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