Thomas-Otto Heiden

Freitagabend






Freitagabend

 

 

Ich schaue auf die Uhr,  
der Sekundenzeiger,  
er rennt mit sich selbst um die Wette.  
Ich schaue in die Programm-Zeitschrift,  
aber heute,  
ja heute kommt wieder nur Müll.  

Ich nenne es Harz4 Programm,  
was früher die Talk-Shows waren,  
sind heute die Reportagen.  
Ich schaue aufs Handy,  
nehme es in die Hand,  
doch es will einfach nicht klingeln.  

Ich gehe ins Bad, gehe unter die Dusche,  
rasiere mich, putz mir die Zähne.  
Ziehe mir was Schickes an.  
Dann gehe ich raus,  
raus in den Abend,  
gehe in mein Lieblings-Bistro.  

Der Kellner „Roberto“ kommt,  
er kennt mich gut,  
wie immer "Signore Tomaso?"  
Ich schaue in an,  
er lächelt freundlich,  
ich sage, „Si Roberto“  

Der Abend legt sich auf die Stadt,  
ich genieße mein Essen,
das Pellegrino, den Wein.  

Danach ein Cappuccino mit Amaretto.  
So macht das Leben Spaß,  
so soll es sein,  
Für immer.  

Wieder zu Hause,  
ich mach mir einen Tee,  
sitze am offenen Fenster.  
Menschen gehen vorbei,  
meine Musik ist recht laut, 
und doch lächeln sie.  

Den Tee in der einen,  
ne Zigarette,  
in der anderen Hand.  
Ich schaue in die Welt,  
Autos fahren vorbei,  
ich kenne meine Straße.  

Die Montagearbeiter,  
sie fahren nach Hause,  
wohnen unter der Woche nebenan,  
im Nachbarhaus.

Sie winken mir zum Abschied,  
sie kennen mich seit vier Jahren,  
ich winke zurück.  

Sie fahren los, der Fahrer hupt,  
die Fahrt wird lang werden,  
dann sind sie weg bis Montagabend.  
Ich schließe das Fenster,  
ganz in Gedanken vertieft,  
denn ich fahre heimlich mit.  

Nach Polen geht die Fahrt,  
ich war noch nie in Polen,  
würde 
ich gerne mal hin.  
Doch ich bin und bleibe hier,  
hier in meiner kleinen Wohnung.  

Roberto hat jetzt Feierabend,  
Ist sicher schon zu Hause,  
bei seiner Frau und den Kindern.  
Ich beneide in darum,  
ohne es ihm zu Neiden.  
Er ist immer so nett.  

Ich schaue auf die Uhr,  
der Sekundenzeiger, er rennt noch immer.  
Ich sollte die Batterie raus machen,  
was soll ich mit na Uhr???  
Ich brauch keine, hab ich im Gefühl,  
die Zeit. 

Ich gehe jetzt ins Bett,  
schaue von dort etwas Fern,  
etwas das mich einlullt.  
Irgendwann in der Nacht,  
werd ich wach,  
der Fernseher läuft noch. 
Ich mache ihn aus im Halbschlaf,  
wirre Träume, sie wecken mich,  
ich dreh mich hin und her.  
Am Morgen erwache ich, bin verstört,  
denn ich weiß nicht,  
wann ich wieder einschlief.  

Ich stehe auf, 
mein Hirn schreit nach Kaffee,  
soll es kriegen.  
Die Kaffeemaschine läuft,  
ich gehe duschen,  
wasch mir die Nacht runter.

Die Sonne bricht Lanzen,  
Sommerluft schleicht sich ins Zimmer,  
als ich das Fenster öffne.  
Samstag ist heute,  
die Montagearbeiter,  
sie sind jetzt bestimmt zu Hause.  

Polen, ich war noch nie in Polen,  
dabei war ich schon fast überall,  
auf der großen „Weiten Welt.“  
Roberto macht gerade sein Bistro auf,  
ich denke, ich gehe bei ihm Frühstücken,  
und wieder wird er mich fragen.  
„Wie immer "Signore Tomaso?“  
und wie immer werde ich sagen,  

„Si Roberto“  




Thomas-Otto Heiden 


 

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