Patrick Rabe

Die drei Schiffe (eine gesellschaftskritische Ballade)

Die drei Schiffe

 

Der Fischer steht an dem Gestade der Welt,

und sieht, was sie fortspült, und sieht, was sie hält,

er ist nicht der Angler, der Fische raufzieht,

sie köpft und dann brät zu `nem Petri-Heil-Lied,

denn er weiß, sogar Petrus ist wieder gesundet,

ihm hat Fisch und auch Meerweib lang nicht mehr gemundet.

Er möchte die Schiffe im sicheren Hafen,

auf dass sie, wenn Sturm kommt, wohlig schunkeln und schlafen.

Das Kirchenschiff, es ist ein Männerverein,

doch der Fischer, er lädt auch die Frauen mit ein.

Die Nina, die Pinta, die kann er schon seh’n,

sie konnten oft auch in den Stürmen besteh’n,

doch Santa Maria, das zarteste Kind,

es treibt auf dem Meer noch, wo Wellen oft sind.

Er weiß, er wird immer hinausfahr’n nach ihr,

bis sie auch bei ihm liegt an dem heimischen Pier.

Er sorgt sich um sie, wünscht ihr Schutz, Liebe, Halt,

er will nicht, dass sie diese Bille bezahlt.

Denn ein Mädchenauffresser hat die Rechnung gestellt,

der Fischer steht an dem Gestade der Welt.

 

 

Mein Gedicht ist sowohl eine Anspielung an die Symbolik der Bibel, als auch angelehnt an viele norddeutsche Balladen aus dem 17.-19. Jahrhundert. (z.B. „Der Fischer“ von Goethe, „Pidder Lüng“ und „Trutz Blanke Hans“ von Detlev von Lilienkron, und auch Balladen wie „Een Boot is noch buten“ , „Nis Randers“ und „John Maynard“.). Es ist aber auch ein Kommentar zur aktuellen Weltsituation, die ein bisschen so aussieht, als müssten nun die Schwächsten (sowohl vom Einkommen, als auch von den Körperkräften her) finanziell, vom Arbeitseinsatz her, und auch spirituell, moralisch und Kräftemäßig für alles blechen, was unsere hochmütige und kriegstreiberische Zivilisation verbockt hat. Die Nina, Pinta und Santa Maria (die drei Schiffe von Christoph Columbus – Christobal Colon- ) nehme ich hier eher als Metapher für die Frauen, die Christus liebte.  Mir ist klar, dass diese Schiffe, vor allem nach der Intervention von Leuten wie Pizarro und Cortez für viele amerikanischen Ureinwohner auch einen negativen Beigeschmack hatten. Ich schreibe dieses Gedicht auch im Hinblick auf das neue Album von Billie Eilish, auf dem sie aussieht, als hätte sie sich mit offenen und zugleich verschlossenen Augen immer wieder auf die eine (und auch auf die andere) Wange schlagen lassen. Ich muss sagen: Ich bin empört darüber. Ich mag ihre Musik, und ich finde, sie hat Talent. Aber wer bitteschön holt sie endlich aus dieser mörderischen Falle der Selbstaufopferung heraus, in der sie offenbar steckt? Ich glaube, die Musikindustrie nutzt ihre Borderlineerkrankung schamlos für ihre Zwecke aus. Und ich denke, das wird auch mit religiösem Druck gemacht. Ich denke, der Grat ist schmal, erkennen zu können, dass sich Christus auf die Seite der Schwachen und Entrechteten stellt, wenn man in einem so von religiös rigiden Gruppen dominierten Land wie Teile der vereinigten Staaten von Amerika es noch sind, und wo es gerade in Californien oft nur die harten, aber nicht immer offensichtlichen Fronten der Evangelikalen, Nazis, Geheimbünde wie den Ku-Klux-Klan und Satanisten gibt, und wenig Raum ist für echtes freies Denken, Kunst und Kultur. Das gilt auch für das Amerika unter Biden. Und ich möchte auf keinen Fall, dass sich Deutschland auch noch in so eine Richtung entwickelt. Ich finde: Wir brauchen weder einen deutschen Gottesstaat, egal, ob unter den Christen, Muslimen oder Juden, noch einen rigiden Polizeistaat, der die hier lebenden Einwohner mit harten Strafen und andauernder Gewaltandrohung an der Kandarre hält, und sie zwingt, sinnlose und gefährliche Gesetzesänderungen einfach hinzunehmen. Wo bleibt der Raum für das Zarte, das uns alle atmen lässt!?

 

 

 

© by Patrick Rabe, 4. August 2021, Hamburg.

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