Ernst Wetzel

Zeit - eine gefühlte Lebens-"Größe"

Zeit, Du bist mir wohlwollend von der Schöpfung gegeben.
Schon mit der Vollendung der Geburt hast Du bereits vergangen stattgefunden,
bemühe mich gegenwärtig, Deine Präsenz in meinen Gedanken zu befunden,
Dir Dein Wahrnehmen für mich als angebotenes Geschenk zu bekunden.

Du bist begleitend ja auch mein Leben.

 

Zeit, Du wirkst so lautlos, wie das Rieseln des Sandes in meiner Lebens-Sanduhr.
Während ich dies schreibe, ist ja ein Teil meines Lebens schon Vergangenheit - unbestritten,
versuche Dich gedanklich an- bzw. festzuhalten, um Dich zu beäugen inmitten,
Du rennst einfach so schnell, da muss man schon sein recht gut beritten,

um Dich gestaltend zu vereinnahmen für seine individuelle Lebenstour.

 

Zeit, Du selbst „lebst“ nur durch Hineinwirken in einen Raum,
wie sonst kann ich Dich mit meinen ganzen Sinnen erfassen,
kann Freude, Schmerz und Trauer auf mich wirken und ausleben lassen,
respektvoll mich mit dem Genialen von Kunst- und Bauwerken befassen,

wenigstens Dich (fest)halten zeitweise im Zaum.

 

Zeit, Du bist für mich und andere sichtbar,
an Versen, an die ich mich reimend zu verschiedenen Anlässen dichterisch getraut,
an dem Erschaffenen, dem Erlebten, dem Altern meiner Haare und meiner Haut,
an dem eigen Blut, was sich familiär vermehrend zukünftig so noch zusammenbraut.

Du überrennst mich unendlich, so wird es sein, das ist mir klar.

 

Zeit, Du bist des Goldes wert,
wenn meine Fehler und Sünden sind schnell verschoben in die Vergangenheit,
wenn ich Dich beanspruche als willentlich gesuchte und genutzte Gelegenheit1,
wenn ich mit Dir aussitze Dinge, damit sich eigenständig entwickelt Klarheit2.

Das hat mich die Zeit gelehrt.
 

Zeit, gelegentlich möchte ich sprengen Dein Zeitlupen-Tempo-Diktat,
wenn die Kinder wieder mal drängelnd ihre Ungeduld geben zu verstehen3,
wenn der äußerst enge sportliche Sieg scheint auf der Kippe zu stehen,
oder die Prüfungszeit nicht schnell genug scheint zu Ende zu gehen,

dann würde ich gerne darüber springen mit einem Spagat.

 

Zeit, aber auch manches Mal vergehst Du in Windeseile,
wenn zum Jahresende rückblickend wieder ein Jahr ist viel zu schnell vergangen,
wenn die Abkömmlinge im Nachhinein im Schnellflug der Kindheit entsprangen,
wenn man die Pflege eines aufwändigen Hobby’s hätte schon längst angefangen,

dann bedauert man, nicht innegehalten zu haben eine längere Weile.

 

Zeit, Einige haben zu viel von Dir, möchten Dich einfach „totschlagen“,
weil sie unvorbereitet und plötzlich eine Menge von Dir davon erhalten4,
und sich dann quälen, auf gestaltende sinnhafte Lebensqualität umzuschalten,
weil im bisherigen Leben dazu wurde niemals so richtig angehalten.

Sie dann über die gewonnene „Freiheit“ nur wehklagen.

 

Zeit, wir such(t)en und begegne(te)n Dich.
Mit unserer Geburt wir Dich erhalten;
auffordernd, die Welt zu erobern und zu gestalten;
das geschenkte Leben nicht nur einfach zu verwalten,

bis Du mit dem Tod lässt uns im Stich.

_____________________________________

1 Zeit ist wie ein Goldstück, wertvoll, wenn man sie sich nimmt
(für die Kindererziehung, für Hobby’s, …)

2 Jedes Ding hat seine Zeit (1591)
Es ruht so manches im Schoße der Zeit, das zur Geburt will. (1604)

3 „Papa, wann sind wir endlich da ?“
(Noch so lang, wie zwei Folgen „Sendung mit der Maus“)
„Wie lange dauert es bis zu meinem 3. Geburtstag ?“
(Noch zwei Mal schlafen)

4.als Erwerbsunfähiger, Frührentner, Berufsaussteiger

Bei der Teilnahme an der Feier zum 96. Geburtstag einer mir sehr ehrenwerten Frau kam mir der Gedanke, über (auch meine) Lebenszeit einmal nachzusinnen.
Das habe ich hiermit dichterisch versucht.

Das Bild ist mit Corel Draw erstellt und soll die Endlichkeit unserer Lebenszeit in den Blick nehmen.
Ernst Wetzel, Anmerkung zum Gedicht

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