Inge Hoppe-Grabinger

Die drei Brüder, die kleine Schwester und der Topf


Da waren drei Brüder, die hielten zusammen
wie Schwefel und wie Feuer,
sie konnten sich für die Ehre entflammen,
die Ehre war ihnen teuer.
Da war noch die Schwester, die jüngste von allen,
das Kleinod, der Schatz der Familie,
sie konnte jedem Mann gefallen,
so schön wie eine Lilie.
Die Brüder wollten  eins  nicht ertragen:
ein Freier kam nicht in Frage,
und würde es trotzdem einer wagen:
sie waren die Herren der Lage.

Die Schwester jedoch, sie liebte indessen
den Diener der Brüder im Stillen,
sie hatte die Ehre der Brüder vergessen
und war dem Liebsten zu Willen.
Die Brüder fanden sehr bald heraus,
wem die Schwester versprochen die Treue.
Sie lockten den Diener aus dem Haus
und töteten ihn ohne Reue.

Wie schrecklich war der Ehrenmord,
begangen im Wald unter Buchen.
Im Traum erschien ihr des Liebsten Ort,
sie musste den Toten suchen.

Des Nachts schlich sie sich aus dem Haus
und fand des Liebsten Hügel,
sie grub ihn mit den Händen aus,
so schnell als hätte sie Flügel.
Sie trennte den Kopf von seinem Rumpf
und trug den Kopf im Dunkeln.
Den Schmerz, die Angst empfand sie dumpf.
Die Sterne sah man funkeln.

Den Kopf nahm sie und pflanzte ihn
mitsamt Basilikumsamen
in einen Topf, als der Mond grad  schien,
und die Wolken gingen und kamen.
Im Topf gedieh gut  Basilikum,
das wuchs und wuchs unausweichlich.
Die Schwester aber trauerte stumm,
die Tränen düngten es reichlich.

Das haben schließlich die Brüder gespürt
und ahnten Zusammenhänge.
Doch hatte man nicht  ihre Schwester verführt?
Im Kopf dröhnten Rachegesänge.

Es fiel aus dem Topf der Kopf heraus.
Der Mord wurde offensichtlich.
Da liefen die Brüder ganz schnell aus dem Haus.
Es gab keine Strafe - gerichtlich.
Die Brüder zogen ins Nachbarland.
Da kannte sie ja keiner.
Die Schwester aber verlor den Verstand.
Was will man mit so einer?

l4. Sept 2o2l - ihg -
Nachzulesen in Prosa in Boccaccios Decamerone,
vielleicht heute wieder und immer noch aktuell.


 

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