Thomas-Otto Heiden

Ich sehe

 

 

Ich sehe  



Es ist Abend geworden,  
ich stehe am Fenster.  
Schaue auf meine Straße.  
Die, in der ich wohne.  
Alles ist wie jeden Abend.  
Menschen kommen von der Arbeit.  
Sind auf dem Weg nach Hause.  

Aber etwas ist heute anders.  

Ich sehe diesen jungen Mann.  
Er fällt nicht wirklich auf in der Menge,  
sieht aus wie all die anderen.  
Könnte ein neuer Nachbar sein,  
den ich nicht kenne.  
Oder ein neuer Freund,  
nur, dass wir uns noch nicht begegnet sind.  

Er trägt einen Rucksack auf dem Rücken.  
Eine Isomatte und einen Schlafsack sind auch dabei.  
Ebenso eine Flasche Wasser,  
die steckt in der Seitentasche,  
ist noch halb voll.  

Seine Aura die ihn umgibt,  
erinnert mich an einen Nebeltag.  

Seine Kleidung ist unauffällig.  
Bis auf die Schuhe.  
Die sind abgetreten.  
Er geht zur Kirche.  
Doch sie ist um diese Zeit geschlossen.  
Er steigt über den Zaun,  
und dann verschwindet er auf dem Gelände.  

Ich mache mir Sorgen,  
denn ich sehe so etwas in letzter Zeit immer häufiger.  
Schweren Herzens schließe ich das Fenster.  

Am nächsten Morgen sehe ich ihn wieder, 
als ich gerade mein Fenster auf mache.  

Da kommt er gerade,  
durch das Kirchentor gelaufen,  
das nun geöffnet ist.  


Er hat dort bei der Kirche geschlafen,  
denke ich.  
So sieht es für mich aus.  

Unsere Blicke treffen sich,  
er lächelt mir freundlich zu.  
Die Wasserflasche ist jetzt leer.  
Ich winke ihn zu mir.  
Als er bei mir ist frage ich auf die Flasche zeigend,  
soll ich die voll machen?  
Jetzt sehe ich auch,  
die Flasche ist alt und verschmutz.  

Zögernd gibt er sie mir,  
ich nehme sie an mich,  
als er sie mir reicht.  
Er schaut verlegen.  

Einen Moment sage ich lächelnd.  
Ich gehe in die Küche,  
schmeiße die Flasche weg.  
Nehme eine neue von mir.  
Mache schnell noch zwei Brote.  
Packe sie mit zwei Äpfeln in eine kleine Tüte.  

Seine Augen leuchten als ich ihm alles gebe.  
Danke mein Freund höre ich ihn sagen.  

„Your Welecome“ ist meine Antwort.  

Dann ist er fort.  
Der Nebel der ihn gestern,  
und auch heute noch umgab,  
hat sich etwas aufgelöst.  
Er geht die Straße runter,  
ich schaue ihm hinterher.  
Da dreht er sich noch einmal um.  
Er winkt mir.  
Ich sehe wie er lächelnd,  
voller Genuss, ins Butterbrot beißt.  
Ich hoffe es geht ihm gut,  
denn ich habe ihn seit diesem Tage,  
nicht mehr wieder gesehen.  



Thomas-Otto Heiden

 

 

 

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