Aylin

Wahl-Nach-Lese

 

Da sitzt du nun, du Wähler-Tor

und bist so schlau als wie zuvor.

 

Pragmatisch betrachtet hatte man das Ergebnis so oder so ähnlich erwartet. Wenn man alle blumenreichen Ausflüchte der Politiker, die das begründen müssen und den Schock noch nicht verdaut haben, beiseite lässt, dann war es doch klar, dass sich SPD und CDU ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern würden. Die CDU konnte nur deshalb aufholen, weil viele Links verhindern wollten. Ein Gerücht, eine 5 Prozent-Partei der ehemaligen SED, die heute noch bei den Opfern im Herzen sitzt und bei den Westlern nur Kopfschütteln produziert, haben dies motiviert.

Obwohl CDU und SPD ähnliche Ergebnisse haben, sind diese doch völlig anders zu bewerten. Für die SPD ist es ein Aufstiegserfolg vom Toten zum Lebenden, für die CDU ist es ein historischer Abstieg vom Herrenmenschen zum Büttel der Mitstreiter. Merkel hat eine Lücke hinterlassen, die nicht zu füllen war. Nicht, weil Muddi so toll war, sondern weil sie den Aufbau von Persönlichkeiten in ihrer Partei verhindert hat. Um ihre eigene Macht nicht zu gefährden.

Söder, auf den nun alle schauen, hat ja bei seiner Rede fast ins Mikrofon gebissen. Sein Gesichtsausdruck war der eines strengen Vaters, dessen Sohn sich im Lokal schlecht benommen hat und den er dann mahnt: : „Darüber reden wir, wenn wir zuhause sind, Burschi.“ Da wird es noch rund gegangen sein gestern abend. Ohne Kamera. Und das musste es auch.

Es nützt nun nichts, wenn Söder meint, die CDU wäre ja sogar in den Hochrechnungen mal vorne gewesen, ich hab es nicht gesehen, aber vielleicht 0.4 Punkte. Daraus lässt sich wohl kaum ein Kanzleranspruch ableiten. Dass das aber nun erfolgt, zeigt, wie wenig die Parteien eigentlich den Wählerwillen im Blick haben.

Was haben die denn eigentlich gewählt und was bedeutet das? Sie haben CDU, die beim Wähler für Sicherheit und Stabilität steht, und SPD, die für etwas mehr Aufbruch steht, fast punktgleich gestellt. Also wünschen sie sich doch scheinbar einen moderaten, sicheren Aufbruch in ein neues Klima.

Die Grünen mit 14 Prozent sind mit ihren überkandidelten und nicht realisierbaren Klimaforderungen gescheitert. Die FDP wurde als wirtschaftlicher Retter gewählt, falls es zu linken Bündnissen käme. Vornehmlich wollten die Wähler Links verhindern.

Was aber heißt das nun? Wenn man mal nur die Wählerstimmen an sich betrachtet und die Parteibefindlichkeiten ausblendet, haben sich die Bürger für eine große Koalition unter der Führung von Scholz entschieden.

Wenn die CDU nur ein ganz klein wenig Anstand hätte, würde sie nicht palavern und sich aufspielen, sondern Demut zeigen. Bescheidenheit, so wie Haselhoff es im Interview tat. Sie würde nicht fordern, sondern verbinden. Sie würde der SPD den Kanzler anbieten und sich als Koalitionspartner einordnen. Merkel ist nicht mehr da, Laschet will man nicht mal in der eigenen Partei (47 Prozent der CDU möchten ihn nicht als Kanzler). Verständlich, wenn er nicht mal den Wahlzettel richtig falten kann…Man würde ihn einfach in der Versenkung verschwinden lassen. Saftiges, bayrisches Gras würde darüber wachsen, Blümchen würden blühen, die man aufbauen könnte für die nächste Bundestagswahl und Bienchen würden fliegen, die Söder dann umarmt. Es könnte so einfach sein.

Dazu aber müsste die CDU Größe beweisen. Demut. Das wär doch mal etwas Neues in dieser Partei, würde sie tatsächlich aufwerten,

Und der Bürger bekäme noch ein extra Weihnachtsgeschenk dazu: die Heizung läuft, der Backofen auch, denn Strom ist genug da.

Durchaus könnte man jedoch auch anders fragen: Hat das Volk ein Dreierbündnis gewählt oder entstand dies mehr als Verhinderungstaktik? In den Umfragen sind Dreierbündnissse nicht sehr beliebt, egal, welcher Couleur. Wollte es also wirklich zwei Parteien, deren Ergebnis man früher belächelt hätte, zum Königsmacher machen? Eine durchgeknallte Grüne, die Politik ausschließlich durch das Klimabrennglas sieht und eine ziemlich vernünftige FDP,

die sich eher an der Seite von CDU sieht und bei einer Ampel mit SPD/Grünen nicht viel zu vermelden hätte.

Hinzu kommt eine AFD, die erschreckenderweise nicht viel weniger Prozente hat als die beiden und die viele Direktmandate im Osten holte. Darüber müssen sich alle Parteien Gedanken machen. Welchen nerv trifft die Partei bei Wählern, den sich nicht treffen?

Probleme beim Corona-Management, Missstände bei Europa-Asyl Politik und fehlgeschlagene Integration, eine sachliche Auseinander- und Grenzsetzung beim Islam.

Diese Dinge dürfen nicht mehr totgeschwiegen und als Unappetitlichkeiten unter den Teppich gekehrt werden. Der AFD die Attraktivität und vermeintliche Notwendigkeit als Protestpartei zu nehmen, heißt, sich mit diesen Problemen politisch auseinanderzusetzen. Es kann doch nicht sein, dass 10 Prozent sich wirklich eine rechte Regierung wünschen.

Die Aufgabe der neuen Regierung, wer auch immer es sein wird, ist es, diese Dinge anzupacken, und dabei für soziale Gerechtigkeit, Natur und stabile Wirtschaft zu sorgen - eine große Aufgabe! Wer wird ihr gewachsen sein?

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.09.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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