Michael Bernt

Sniper

So liegt er hier seit Stunden schon,  bewegt sich dabei nicht .

Die Sonne steht sehr tief am Himmel,  scheint ihm ein grelles Licht .

So grell, dass es die Augen schmerzt,  doch er harrt weiter aus .

Er hat das jahrelang trainiert,  hält alle Schmerzen aus .

Mit seinem Umfeld wie verschmolzen,  liegt er im Wüstensand 

und hält die Liebe seines Lebens  ganz fest in seiner Hand .

 

McMillan heißt die Lady,  trifft auf 2 Meilen noch das Ziel .

Bis dass der Tod sie scheidet,  haben sie gemeinsam einen Deal .

 

Ihr Zielrohr ins Gesicht gepresst,  späht er in die Ferne,

sucht den Feind im Fadenkreuz  und zög den Abzug gerne .

Zig-tausend Schuss schon abgefeuert,  doch nie ein warmes Ziel .

Es zuckt, nur kurz, in seinem Finger,  das wär‘s was ihm gefiel .

Wofür hat er sich so geschunden,  wozu das Training, der Verzicht ?

Jetzt liegt er hier, im Sand verschwunden,  will abziehen, darf es aber nicht !

 

McMillan ist die Marke,  doch für ihn ist‘s seine Lady,

fast zärtlich hält er sie im Arm, als wäre sie sein Baby .

 

Beim Training lernt er abzuwägen,  wer gut, wer böse ist .

Jedoch im Krieg ist alles anders,  wenn jede Front verwischt .

Der Feind gibt hier kein klares Bild,  man kann‘s gar nicht verhindern

und schießt, vielleicht versehentlich,  auf unschuldige Kinder .

Wie oft, hat diesen Gedanken er,  für sich schon abgewogen 

und bei der Antwort die er fand,  sich immer selbst belogen .

 

McMillan baut dieses Gewehr,  das sich schon tausendfach bewährte .

Bereits seit dreizehn langen  Jahren, ist es sein Gefährte .

 

Die Trainer, als auch sein Gewissen  impften es ihm ein,

dass er moralisch zu entscheiden hat,  er solle Mensch noch sein .

Doch Krieg ist völlig anders,  macht Menschen animalisch,

im Kampf wird selbst der Frömmste,  am Ende unmoralisch .

Denn geht’s um‘s Überleben,  ist man sich selbst die erst Wahl .

Es zählt kein Recht, auch Kinder nicht,  das alles wird egal .

 

McMillan, das ist Tradition,  er schoss es schon als Kind 

bereits als Teenie ahnte er,  es ist für ihn bestimmt .

 

Die Hitze steht im Wüstensand,  sein Schweiß brennt in den Augen .

Was sie schon alles sehen mussten,  das wollen wir nicht glauben .

Durch eine Mine starb sein Freund,  er sinnt auf Rache für den Mann .

Sieht seine Chance dort gerade  kommen und hält den Atem an .

Ein kleines Kind spaziert den Weg,  er zielt es durch‘s Visier

und fragt sich grübelnd, „Ist heut der Tag,  werd jetzt auch ich zum Tier ?“

 

McMillan baute seine Lady,  mit einer einzigen Bestimmung .

Zu töten ist ihr Daseinsgrund  -  und das entspricht grad seiner Stimmung .

Im Irakkrieg wurde von einem Scharfschützen berichtet, der diesen Selbstzweifeln
erlegen war . Habe versucht mich in ihn hineinzuversetzen .
Michael Bernt, Anmerkung zum Gedicht

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