Zoe Eisenhut
Über die letzten Tage
Über die letzten Tage:
1.
Ich tippe.
So schnell ich nur kann.
Meine Daumen huschen über die Tastatur.
Gehetzt. Gestresst. Getrieben
von dem Verlagen, die Nachricht loszuschicken.
Noch ein Wort.
Endlich ist es getan.
Ich tippe ein letztes Mal.
Der Sendeknopf.
Mein Ziel.
Die Nachricht kann gar nicht schnell genug ankommen.
Noch während ich auf die zwei Häkchen warte, bemerke ich was ich
hätte besser und lustiger und antwortsgünstiger schreiben können.
Ich warte auf deine Antwort.
Ich sehe unter deinem Namen:
Schreibt...
Freude durchzuckt mich.
Deine Nachricht kann gar nicht
schnell genug ankommen.
Ich wage einen Blick auf die vorhigen Nachrichten.
Habe ich etwas übersehen?
Fragen, die eine Antwort
bedürfen?
Sticker, die gelobt werden müssen?
Witzemöglichkeiten, um dich auf die Probe zu stellen?
Neben dem
Pfeil, um an die neuste Konversation zu kommen, sehe ich einen grünen
Kreis.
Eine Zahl drin.
Wieder fliegt mein Daumen.
Zu dem
Pfeil.
Ich will auf keinen Fall den Euphorierausch verpassen, der jedes
Mal meinen Körper durchzuckt, wenn ich eine Nachricht von dir sehe.
Jedes.
Verdammte.
Mal.
Immer und immer wieder.
Ich lese
dein Textchen.
Es gibt nicht viel her.
Trotzdem- mein Gehirn sucht schon nach Antwortmöglichkeiten.
Selbst
Fenster reichen, um meine Daumen loszischen zu lassen.
Das tun sie immer.
Ich kann sie kaum beherrschen.
Immer und immer wieder machen sie
sich selbstständig.
Huschen wie von selbst über die Tatstatur.
Gehetzt. Gestresst. Getrieben von dem Verlagen, die Nachricht
loszuschicken.
Dieses Mal muss ich gar nicht mehr nachdenken, welcher
Sticker dazu passen würde.
Ich weiß es direkt, fast schon
instinktiv.
Er sendet sich hinterher.
Mein Herz stockt.
Das 2.
Häkchen erscheint nicht.
Ich warte.
Schaue, ob du online bist.
Bist du nicht.
Darf ich fragen warum?
Bist du in einem
Funkloch?
Bist du kurz offline gegangen?
Merkst du denn nicht, dass
ich alles stehen und liegen lasse, um deine Nachrichten zu lesen?
Den
Euphorierausch zu fühlen?
Oder -
Merkst du es zu sehr?
Werfe ich mich dir an den Hals?
Bin ich einfach zu haben?
Der letzte
Gedanke bleibt.
Obwohl die anderen bloß ein, zwei Millisekunden
durch meinen Kopf gezogen sind, bleibt dieser.
Setzt sich fest.
Brennt sich in meine Kopfhaut ein.
Verkabelt sich und führt zu einem
Kurzschluss.
Ich drücke auf den Home- Button.
Bloß weg
von dem Feld der Schande.
Bloß weg von dem Gefühl, nicht mehr
begehrenswert zu sein.
Bloß weg von dir.
Ich sehe von meinem
Handy auf.
weitere Teile würden folgen haha
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.11.2021.
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