Patrick Rabe

Ein schwarzer Krümel in der Mische

Ein schwarzer Krümel in der Mische

 oder

Wenn das weiße Falschlicht gelb im Kopf explodiert

 

„Nicht mischen!“, sagte man, und meinte Freundeskreise,

und doch war klar, dass irgendwer es trotzdem tut,

denn jedes „Nicht!“ bewirkt auf seine Weise,

dass das Verbot’ne doch geschieht, und gut,

 

gut finden alle, was dabei herauskommt, immer,

wenn einer bindet, was so lang getrennt;

es geht voran, und es wird nicht mehr schlimmer,

weil jetzt der Nazi friedlich bei der Türkin pennt.

 

Und dennoch ist dies Glück etwas gebogen,

und nicht mehr ehrlich, wird es wiederholt.

Was einst ein Wunder war, ist jetzt gelogen,

das Salz ward fade, fleckig ward das Gold.

 

Ein Manager befreit sich nachts vom Headset*1,

was er schon damals als Schauspieler trug,

„I got my head set.“, sagt er , und „I am not dead yet“,

„Du bist ein Dichter.“, sagt sie, und nimmt einen Zug

 

von seiner Ziese, auf dem Tisch die Mische,

so fein zerkrümelt: Tabak, Trockengras.

Man fliegt gemeinsam, wenn der Saft noch zische

in den verschlung’nen Stengeln*2. „Merkst du was?“,

 

fragt sie, doch er liegt tot im Bette,

Orgasmen kosten Kraft, die Jugend ging,

und bitter riecht die halbe Zigarette,

die fast ganz ungeraucht im Ascher hing.

 

Die Luft ist frühlingshaft, ich geh spazieren,

und wieder mal läuft alles ziemlich rund,

und dennoch hör‘ ich Hecheln wie von Tieren,

der Himmel: Ein bedrohlich‘ bonbonbunt.

 

Patrick Rabe, Dienstag, 8. Februar 2022, Hamburg.

© by Patrick Rabe

 

*1: Ein Headset, wie ich es hier meine, ist ein Headset, das Bühnenschauspieler tragen, mit integrierten Ohrstöpsel-Kopfhörern, durch die die Souffleuse gegebenenfalls Text vorsagen kann, wenn der Schauspieler den Text vergisst.

 

*2: Hier sind die getrockneten, miteinander verschlungenen Stengel und Blätter der Cannabispflanze gemeint, wie sie aussehen, wenn sie vom Dealer kommen, die man mit Tabak zerkrümelt und raucht, in denen ja aber immer noch ein bisschen Restpflanzensaft sein muss, damit sie rauschhaft wirken.

 

Mit „Falschlicht“ meine ich das bereits in meinem „Trauer-Terzett“ erwähnte Neonlicht im Zusammenhang mit Ginsbergs „Howl“.

 

 

 

Interpretation, Erklärungen und Hintergründe zum Gedicht:

 

Alles, was man als Flucht benutzt, und nicht zur Bewusstseinserweiterung und Selbstfindung, wird irgendwann schädlich, und der eigene Feind. Und wenn man seine Lieblingsdrogen irgendwann nur noch zum Selbstzweck benutzt, bekommt man irgendwann die wirklichen Feinde auch nicht mehr mit. Die, die hinter den Fassaden der Häuser und in den Hofeingängen wie Wölfe hecheln, und vielleicht schon in Gedanken das Gewehr auf einen richten. Die Droge schützt einen zwar noch, macht das Leben aber nicht mehr farbiger, sondern ekelhaft verfälscht bonbonbunt. In großer Nachdenklichkeit schreibe ich dies; nach einem Besuch im Schanzenviertel, und einige Zeit, nachdem ich den Film „Top Girl“ mit einer meiner Lieblingsschauspielerinnen, Julia Hummer, gesehen hatte.

 

In diesem Film geht es unter anderem um die Not einer arbeitslosen Schauspielerin, die, weil sie keine Rollenangebote mehr bekommt, anschaffen gehen muss. Das Headset, dass einer ihrer Freier trägt- ein Manager- flößt ihr offenbar so viel Vertrauen ein, dass sie sich in ihn verliebt. Erst langsam merkt sie, dass er ein völlig Perverser ist. Am Ende erklärt er sie mittels eines in Managerkreisen üblichen Rankings zum „Top Girl“, seiner Nummer Eins, und lädt sie und andere Mädchen aus ihrer „Modelagentur“ – de facto eine Vermittlung für Escortgirls mit inclusivem Sex- zu einer Jagd in den Wald ein. Im Film bleibt ein wenig offen, ob die Gruppe von Perversen, die lediglich ihre eigene Homosexualität und ihren Frauenhass verdrängen,  die Mädchen wirklich mit Flinten erschießen, und sie quasi dem Top Girl wie Jagdtrophäen vor die Füße legen; ich interpretiere es aber so. Nur- und das zeigt der Film nicht mehr- ist sie dann wirklich allein auf weiter Flur mit einer Horde von Irren, bei denen mehr als unsicher ist, ob sie in ihrem Frauenhass ausgerechnet vor dem Top Girl haltmachen. Ich interpretiere diesen Film auch ein wenig als Kritik an der Tatsache, wie man in Deutschland schon seit Jahren resozialisiert. Manchmal ist nicht klar, wer überhaupt ein Straftäter ist, und wer nicht, und lediglich unverschuldet ins Netz von Fahndungen, Gefängnis und Resozialisation geriet. Eins ist aber auf jeden Fall sicher: Das, was man am meisten liebt, wird man festhalten und beizubehalten versuchen, solange man kann. Das Mädchen im Film- offenbar eine ganz Liebe und Zarte, die als Linke schon seit Jahren sehr subtil von der Merkel-Regierung versucht wurde, in ein konservatives Schema zu pressen, und völlig zu Unrecht in eine Art „Quasi-Resozialisierung“ geriet ( das Feindbild der CDU sind nunmal die Linken- da hilft auch keine jahrelange Groko und kein angeblicher Linksruck), hält sich an ihren Freiheitsidealen, an Sex und der Schauspielerei fest, und bemerkt zu spät, oder im Film quasi gar nicht, dass der Manager, den sie als Escort-Girl begleitet und auf alle seine immer perverser werdenden Wünsche eingeht, dass das, woran dieser von ihr ausgewählter „Top Boy“, der durch seinen Arbeitsstress völlig in ein inneres und äußeres Zwangskorsett eingeschnürt ist ,das metaphorisch dem Korsett entspricht, dass das „Top Girl“ Jacky (Hummer) in ihrer ersten Begegnung trägt, sich eben nicht an dem von ihr geliebten Headset festhält, das Bühnenschauspieler auf großen Bühnen benutzen, damit ihre Stimme bis in die letzte Reihe zu hören ist, und auch nicht an seinem angeblichen Hang zum Schauspielerischen, Dichterischen und Phantasievollen, sondern an der Tatsache, dass er eine Glatze trägt und an seiner fast übermenschlichen Disziplin, die ihn im Laufe des Films – auch wenn das den Zuschauern nicht in allen Einzelheiten vorgekaut wird- als zu Tode resozialisierten Nazi der Generation der Anschläge von  Mölln, Rostock und Hoyerswerda ausweist.

 

Für mich deutet der Film aber auch auf deutlich subtiler agierende, und vielleicht noch gefährlichere Feinde. Nämlich auf Scientology, deren Methoden unter der Merkel-Regierung in den Prozess von Resozialisierungen mit aufgenommen wurde- wie das in Amerika seit fast 50 Jahren der Fall ist- und dabei ja oft mit Ohrstöpseln und Headsets arbeiten, um so ihre Durchsagen an Sektenmitglieder/Opfer machen zu können, und auf die Gefahr des radikalen, terroristischen Islams, deren Dschihadisten  eben auch vor Mord, Totschlag und Folter nicht zurückschrecken, die uns aber,  besonders, wenn sie ganz neu in Deutschland sind, zunächst einmal kulturfremd sind, da sie meist aus dem arabischen oder afrikanischen Raum kommen, und uns ausspionieren müssen, um an unserer wundesten Stelle zuschlagen zu können.

 

Nur alleine daran, dass Scientology auch die IS-Kämpfer mit ihrer Technologie und ihren Hypnosemethoden unterstützt, wie auch in gleicher Weise die rechts-und-linksradikalen in allen Ländern, und völlig angeblich „unverdächtige“ Unternehmen, sollte zeigen, dass diese Sekte auf der Seite von überhaupt niemandem steht, sondern wirklich das will, was auch schon vor Jahrzehnten über sie herausgefunden wurde: Die Weltherrschaft, alle Menschen gegeneinandertreiben, und/oder zu gehirngelöschten „Clears“ machen, die anderen, die nicht bei Scientology sind oder in von ihnen geleiteten Kliniken „behandelt“ wurden, wie Zombies vorkommen, und schließlich absolutes Chaos und die Vernichtung der Menschheit.

 

Natürlich stecken dahinter noch ältere okkulte Zirkel wie der O.T.O. (Ordo Templi Orientalis), die Theosophen, manche Anthroposophen, sogar manche Freimaurer und Illuminaten. Die Illuminaten als Solche sind allerdings kein Geheimbund, sondern der höchste Grad der Rosenkreuzer, einer christlichen Gemeinschaft von ehemaligen Mönchen, die ich persönlich für wirklich vertrauenswürdig, demütig, liebevoll und wirklich spirituell halte. Lediglich ihre Durchmischung – besonders hierzulande- , mit Theosophen, Anthroposophen, O.T.O.-Leuten und teilweise auch bekehrten Satanisten und Scientologen machte sie zu einer fragwürdigen Gemeinschaft. (Gerade in Hamburg sind alle diese Gemeinschaften räumlich so nah beieinander, dass es nahezu unmöglich ist, dass sich ihre Mitglieder nie begegnen oder miteinander austauschen. Dort befinden sich auch Häuser von „Christian Science“ und okkulte Buchläden. James Hetfield hätte wohl seine helle Freude an dieser Gegend… ). Dennoch: Die Ziele der Rosenkreuzer sind im Gegensatz zu fast allen sonst hier genannten Geheimbünden gut, und der Menschheit und dem Planeten Erde förderlich, wohingegen alle anderen hier genannten Gemeinschaften Mensch, Tier und Umwelt entweder auf subtile oder offene Weise schädigen und zerstören wollen.

 

Vor allem aber Rudolf Steiners Behauptung (Rudolf Steiner war der Gründer der Anthroposophen, der zuvor Theosoph war), Christian Rosencreutz hätte es wirklich gegeben, sorgte für Unstimmigkeiten und Irritationen. Es stimmt zwar, dass es ihn wirklich gab, aber er war keine halbmystische Gestalt, wie Steiner ihn beschrieb, und hieß auch nicht Christian Rosencreutz, sondern war ein aus der Kirche ausgetretener Mönch namens Johann Valentin Andreae, der mit einigen befreundeten anderen Theologen, Mönchen und anderweitig Studierten einen eigenen Orden gründete, und sich den Ordensnamen Christian Rosencreutz selber gab. Dass das „Lectorium Rosicrucianum“ – die Vorlesungen der Rosenkreuzer- auch manchmal in den Räumlichkeiten der Theosophen und Anthroposophen- in den 1970ern sogar in den Räumlichkeiten von Scientology an der Steinstraße stattfanden, hat sich als nicht so günstig erwiesen, unter anderem deswegen, weil Häuser ja schon auch die Energie derjenigen annimmt, die darin wohnen oder praktizieren. Scientology bekamen damals völlig zu Unrecht und zum Schaden der Menschheit den Status einer Kirche. Die Rosenkreuzer betrachteten Scientology damals als O.T.O.-nah, und mit dem O.T.O. hatten sie sich Anfang der 1970er wieder versöhnt. Der O.T.O. sind historisch betrachtet die ehemaligen „Tempelritter“, die sich im Israel des Mittelalters zum muslimischen Glauben bekehrt hatten. Im O.T.O. spielt der orientalische Tempelritus teilweise bis heute eine Rolle, in dem auch die sexuelle Vereinigung vorkommt, was sie im 20. Jahrhundert den zarten, spirituell vergeistigten Rosenkreuzern in Amerika aber nicht mehr offenlegen wollten, weil diese sowieso nicht daran teilnehmen wollten, wodurch es 1969 durch das ehemalige O.T.O.-Mitglied und Aleister Crowley-Schülers Anton Szandor la Vey zur Gründung der „Church of Satan“ kam, wo man als Mitglied ganz offen rituell-blasphemischen Sex auf einem Altar haben durfte, der katholischen Altären nachempfunden war.

 

Mein Gedicht handelt allerdings vor allem von einem, der eben doch alles mit allem mischt, weil das die realistischste Art ist, in der Welt zu stehen, und der manchmal schon alleine dadurch, dass er von einem Stadtteil in den anderen geht, Stürme auslöst. Man geht halt an einer Straßenzeile vorbei, wo erst ein von Nazis geführter Zeitungskiosk ist, und dann gleich daneben ein Dönerladen. In dem einen Laden kauft man sich eine Zeitung, in dem anderen einen Döner, und schon hat man einen Sturm ausgelöst. Das Gedicht handelt von einem Menschen, der noch mit den anderen Menschen mitfühlt, und der die realen Gefahren noch sieht, dem es aber in zunehmender Weise schwerer gemacht wird, die anderen davor zu warnen. Da ich ja ein wenig einen eigenen Hintergrund in der hier von mir umrissenen Spiritualität habe (evangelisch-Christlich, pfingstlich-evangelikal, durch die Schule, die ich besucht habe, anthroposophisch, durch ein Krankenhaus, in dem ich gearbeitet habe, dass im Laufe seiner Geschichte schon mehrmals von Scientology bzw. Asklepios geführt wurde, und von meiner ureigenen Spiritualität den Rosenkreuzern durchaus zugeneigt, was nicht heißt, dass ich Sexualität und Trieb nicht in meinem Leben haben möchte), mich das Leben aber dankenswerter Weise schon 1998 aus allem „Geheimkram“ herausgerissen hat, was auch mein eigener Wille war, weil ich das Irdische zu sehr liebe, um ein Mönch oder Priester hätte werden zu können,  sehe ich es als meine Pflicht an, besonders über die teilweise sehr gefährlichen Schattenseiten dieser Gruppierungen zu informieren. Nur die Entscheidung, irgendwo davon mitzumachen, kann und will ich niemandem abnehmen. Denn das ist genau die Vorstufe zur Entpersönlichung, wie zerstörerische Geheimbünde sie wollen. Ich persönlich bevorzuge ein Leben jenseits aller Geheimbünde, religiösen Vereinigungen, Parteien oder weltanschaulichen Clubs,  weil sie alle ab irgendeinem Moment den Blick aufs wirkliche Leben verstellen, und nur noch ihre jeweilige Sache über das Individuum und den Einzelwillen stellen. Und das führt meistens zur Abgabe der Selbstverantwortung, und zur Gefahr, zum Spielball von Kräften zu werden, die man nicht mehr überblickt oder regulieren kann.  Gottvertrauen hilft. Dafür brauche ich aber keine Kirche, keine Synagoge, keine Moschee, keine Geheimgesellschaften, und schon gar kein Scientology. „Mensch, bleib du selbst, und lass dich nicht von anderen lenken und verändern!“. Das könnte mein Credo sein. Oder zumindest meine Empfehlung, wie man gut durchs Leben kommt, ohne das eigene Ich zu verlieren.

 

Der bedrohliche, bonbonbunte Himmel in meinem Gedicht ist ein Symbol für das Unechte, für die an Kinder Bonbons verteilenden Pädophilen, für Drogen und Drogendealer, für das Sich-Träumen in eine Plastikwelt ala Barbie und Ken,  das Sich-Schönreden der manchmal grausamen Realität, und die Angst davor, selbst die Realität an sich könne irgendwann irreal werden. Das Motiv des bedrohlich Bonbonfarbenen habe ich bereits in meinen „Birger-mit-dem-Stuhl-Gedichten“ verwendet (in dem in der Jubiläumsversion enthaltenen Gedicht „Kamm u. Flasch“), und in meinem Gedicht „Apostle Grove“, beide auf e-stories.

 

Patrick Rabe, Mittwoch, 9. Februar 2022

 

© by Patrick Rabe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Patrick Rabe als Lieblingsautor markieren

Bücher-Tipp:

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gesellschaftskritisches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Patrick Rabe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

O Bethlehem, du kleine Stadt von Patrick Rabe (Weihnachten)
Sternenfunkeln von Lydia Windrich (Gesellschaftskritisches)
DIE UNGEDULD von Renate Tank (Humor - Zum Schmunzeln)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen