Jürgen Wagner

Maienzeit ohne Feindseligkeit - Meienzît âne nît


Maienzeit, Freudenzeit, Fröhlichkeit weit und breit

Ihr Wiederkommen kann uns allen helfen

Auf dem Feld, wohlbestellt, wächst die Welt, wie's gefällt

Dunkle Blumen stehen neben gelben

Durch das Gras sind sie bereits gedrungen

Und im Wald die Vielfalt, die ohn Zahl da erschallt

Schöner ward er nie jemals besungen

 

Ich säng nicht einfach mit, hätt ich Fried, des ich bitt

Käm doch einer, mich zu trösten!

Ich bin verzagt alle Tag, ohne End ist meine Plag

Ich nähm es gern, würd mich jemand erlösen

Dein Liebesblick, der macht mich ganz von Sinnen

Meine Klag ist alle Tag, doch ich schweig und verzag

Liebesblick, lass dein Bild in mir drinnen!
 

Große Not, denn mir droht ein Idiot mit dem Tod

Das ist Hildebold von Berenreute

Irenfried und der Schmied, holt für sie einen Strick

Denn mitmachen ließen sie die Leute

Berwin, den mag niemand gerne reizen

Amelolt, Berenbolt hab'n gewollt, dass man Gold

Für meinen Kopf bezahlen würd in Preussen

 

Als ich sah, sie sind da, ging ich Narr zu der Schar

Wollte schau‘n, was diese Kerle täten

Irenbeer und andre mehr liefen quer hin und her

Säbelschwingend als ob sie mähten

Da sprach ich: "Nun wollt' ich eines wetten:

Wie ihr droht so verroht, schwingt und schnaubt, rast und tobt

Dagegen würd ein Heer vergebens fechten!"

 

Mit Lockenhaar kam fürwahr Hildemar und ich sah,

Er und eine schöne Frau, die scherzten

Hoch er sprang ihr zum Dank auf die lang schon morsche Bank

Bewundern sollt sie den Beherzten

Die Bank stürzt ein, er fällt auf sie herunter

Ganz gebannt ich da stand, als ihr Gewand sich entband

Und ihr feiner Haarkranz rutschte runter

 

Bitte sehr, lieber Herr! Seht doch her! Was noch mehr?

Wie soll sie sich da erwehren?

Aus der Traum mit den Frau'n! Mit ‘nem Zaum an den Baum!

Dieser Schaden soll ihn lehren!

Er will sich mit schönen Mädchen balgen

Hin und her, kreuz und quer, nur nach seiner Begehr

Solcher hinge besser gleich am Galgen!

 

Beinah wurd‘s mir gewährt, als ein Schwert ihn versehrt

Ein halbes Bein von einem der zehn Genossen

Enzeman griff ihn an, nur mit Müh er entkam

Er hat kein Mädchen jemals mehr gestoßen

Ob Erfüllung ich hier noch mal finde?

Hätt mein Teil, Fried und Heil, wenn einmal noch ein Seil

Ihm seine alle Viere binde

 

Übertragung des mittelhocheutschen Gedichtes von Neidhard von Reuenthal "Meienzît âne nît"
(s. https://youtu.be/lCN3RyOLQgQ)

 

 

Meienzît âne nît vrouden gît wider strît,
sîn widerkommen kan uns allen helfen.
ûf dem plân âne wân siht man stân wolgetân
liehtiu brûniu bluemel bî den gelfen.
durch daz gras sint si schôn ûf gedrungen.
und der walt manecvalt ungezalt ist erschalt,
daz er wart mit dem nie baz gesungen. 

 
Ich süng nit nâch ir sit, haete ich vrid des ich bit, 
ob mir ieman koeme dran ze trôste. 
ich bin verzeit, mîniu leit unverjeit sint sô breit; 
ich naeme ez noch, swer mich dâ von erlôste. 
liebes blic der kan mich schicken wilde. 
ez ist mîn klage alle tage, und gedage als ein zage. 
liebes blic, lâz mich bî blickes bilde! 

 
Grôze nôt mir enbôt der mir drôt ûf den tôt; 
daz ist Hildebolt von Bernriute. 
Irenvrit und der smit werden glit an eim wit, 
daz si mit gemache lân die liute! 
Berewîn den mac nieman überhiuzen. 
Amelolt, Berenbolt hânt verscholt daz man solt 
über mich gegeben hât ze Priuzen. 

 
Ich kam dar âne vâr ungewar zuo zir schar; 
ich sach waz die getelinge taeten. 
Irenber und ir mêr gieng entwer hin und her 
mit ir kipfelklingen, sam si maeten. 
dô sprach ich: 'nû wolte ich einez wetten, 
daz ir gedrod und ir gesnod würde vrod an eîm blod 
nieman künde mit heres kraft enphetten.'

 
Hildemâr mit dem hâr, der kam dar. ich nam war
wie er mit der schoenen begunde schimpfen..
hôch er spranc ân ir danc ûf ein banc, diu was kranc.
daz solt si im prîsen vür ein glimpfen
daz ir bêder lîp sich muoste schütten.
mir was ant, dô ich enphant daz ir gewant sich enbant
und ir kluogez schapel muoste entrütten.

 
Ich klage iu, her, ditze mêr. seht ir her, wartet wer!
wie solte si ze disem dinge gebâren?
ir nemt sîn goum âne soum an eim zoum in eim boum.
umb den schaden dâ solt er bejâren.
wolde er under schoenen kinden walgen
hin und her als entwer, als ouch er hât die ger,
bezzer waere er hienge an einem galgen.

Bild zum Gedicht Maienzeit ohne Feindseligkeit - Meienzît âne nît

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Jürgen Wagner).
Der Beitrag wurde von Jürgen Wagner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.03.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Bild von Jürgen Wagner

  Jürgen Wagner als Lieblingsautor markieren

Buch von Jürgen Wagner:

cover

Heut' ist der Tag und jetzt ist die Zeit!: Gedichte und Aphorismen für eine bewahrte Zukunft von Jürgen Wagner



Diese Sammlung von Gedichten und Aphorismen aus den Jahren 2016-19 spiegelt auch die globalen und klimatischen Entwicklungen, deren Auswirkungen immer sichtbarer und deren Folgen immer konkreter werden. Die Poesie hat ihre eigene Art, damit umzugehen und darauf zu reagieren. Diese Gedichte schüren weder Ängste, noch flüchten sie in ein poetisches Traumland. Sie bleiben verwurzelt im Hier und Jetzt, der Erde treu und dem Himmel geöffnet wie die Bäume. Sie setzen besonnene Ruhe gegen panische Zukunftsängste; sie setzen aber auch ein waches Bewusstsein gegen ein bequemes Immer-weiter-so! Sie ziehen einige große Linien in die Vergangenheit – und in die Zukunft. Zentral ist die Liebe zum Leben, die Freude am Dasein und der Natur, die Verbundenheit mit allen Wesen, mit allem, was ist.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgedichte" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Jürgen Wagner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Die Ulme von Jürgen Wagner (Natur)
Das Schiff der Liebe von Norbert Wittke (Liebesgedichte)
DIE VERWELKTE ROSE von Brigitte Frey (Liebeskummer)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen