Patrick Rabe

Von Hinten

Leseempfehlung: Ab 18 Jahren.

Von Hinten

 

Part One:

An der Schleuse, wo ich mein Lieb ließ

 

 

Ich gehe durch den Regen.

Irgendwann bin ich zur Supra-Hupra-Dupra-Gestalt

meines Stadtteils geworden.

Ich habe quasi meinen ganzen Stadtteil in mich hineinabsorbiert

und alle Gerüchte,

die über mich

 und andere anonyme

und halbanonyme

Stadtteilkünstler

je existierten,

in mir vereinigt,

und jetzt bin ich sie alle.

Der Mythos, den alle fürchten,

weil alle schon mal von mir auf die Schnauze bekommen haben wollen,

der Dealer, der hier alle mit Hasch, Rosch und Balla-Balla

 in gelben Pappentüten

versorgt,

die als feine LSD-Schnee-Filme

auf Rubbeltatoos

und Bügelbildern

hinten drauf sind,

und die einem, während man sie ableckt,

VON HINTEN

in die Cola getan werden,

nachdem sie in leeren Kondomen

nach deren Erstbenutzung

vorgeschüttelt worden sind,

um besser in dem schon sprichwörtlich bekannten Mixiewichser

schüttelnd

als Cock-Tail

verrührt werden können.

Äh…

Ge rührt…

damit einen die Männer im Trenchcoat

leichter in ihre weißen Jacken stecken können,

der Menschenhändler,

der halb Hamburg

und ganz Osteuropa

auf die Reeperbahn geschleust hat,

um sie an der Poppenbüttler Schleuse

erst zum Poppen und zum Bütteln auf den Strich zu schicken,

den sie ganz genau grade mit 3 G’s auf den Boden malen müssen,

während sie 109 Promille haben,

und sie dann an eben dieser Schleuse

 - wieder

VON HINTEN –

ins Wasser zu schmeißen,

und genüsslich dabei zuzusehen,

wie sie in das Bolzenwerk

des künstlichen Wasserfalles

gesogen werden,

und sich,

während sie hinabgezogen werden,

jämmerlich den Hals brechen,

und dann den ganzen Alsterlauf hinuntergespült werden,

vorbei an den Spaziergängern

und Kanuten,

die dann lachend sagen,

beziehungsweise,

es sagt der beziehungslos zu sich selber dasitzende Muskelnazi mit blondem Seitenscheitel und Glanzbomberjacke, der mit einer Retro-80’er-Tuse,

beziehungsweise

Ische

in einer Beziehung ist,

die genauso beziehungslos dahingleitet

wie das Kanu,

und wie er zu sich selbst und seinem Ich,

dass er für inexistent hält,

weil er nur an ein Gruppenich

und an Herdenimmunität glaubt.

Jedenfalls sagt er:

„Ah, wieder so eine Gummipuppe

aus einem Til-Schweiger-Tatort.“

„Nee.“, sagt die aufgebrezelte Ische im rosa 80-Jahre Strickpullover,

und schiebt ihre nackten Füße in den schwitzigen Sneakern

seine Beine in der Nietenjeans hinauf,

was leider gar keine Wirkung hat,

weil ihre Füße IN den Schuhen sind,

und er weder diese noch jene

von unten im halbgeschlossenen Kanu,

beziehungsweise

Kajak,

sehen kann.

Nur der linke Hippie

auf Partnersuche sieht das,

und fällt bebend vor Geilheit

zu der anderen Wasserleiche

in die Alster.

Wie gesagt, die Retro-Ische sagt:

„Nee.“

Und dabei bleibt es nicht.

Sie sieht auch noch die neue Wasserleiche

und ergänzt:

„Männe, sie drehen hier bestimmt keinen Ohrhasentatort,

sondern einen Polizeiruf.

Wegen DEM extinktiven D.D.R.- Retro-Flair hier.

Und weil es da tiv ist.

Hier sieht es aus wie auf Rügen,

weil hier mehr Blätter im Wasser schwimmen.

Oder sie drehen ein Remake von diesem Dingsbums-Tatort,

wo der Lehrer, der auch mal auf ZDF-Kultur den Landarzt gespielt hat,

seine Schülerin fickt,

die dann den Freak aus ihrer Klasse,

der sie ficken will,

mit einem Stein totschlägt,

und Gerd Fröbe

von dem halbjüdischen Kommissar,

den dieser Heini aus dem Lalelu-Film spielt,

wo er immer mit Jopie Heesters, bevor er hundert wurde,

 und Heintje

über den Jungfernstieg läuft

und „Wenn der Vater mit dem Sohne“ singt,

VON HINTEN

erschossen wird,

während er eine Schaufensterpuppe

ficken und aufschlitzen will,

die Heinz Rühmann…

ach ja, so hier er…

Männe, ey, ganz ohne Google weiß ich das, ey…

dahin gelegt hat,

anstatt des kleinen Mädchens im roten Kleid.“

„Wass’n , Schatzi, rotes Kleid.

Der Film war doch in Schwarz-Weiß.

Und du kriegst den durcheinander

mit diesem AfD-Werbe-Arthouse-Schwulst

„Juden ohne Gott“.“

„Hör mal, was die da reden, Elisa…“,

sagt der altlinke Literaturprof

zu seiner Freundin,

während sie am Ufer spazieren gehen.

Sie schindlern da geradezu entlang,

während Amon Göth das Krakauer Ghetto räumen lässt

und AfD-Wähler mit NPD-Einschlag

schon die Neuverfilmung

von „Jugend ohne Gott“

für einen zu langen, misslungenen

AfD-Werbetrailer

halten können.

Entsetzt versuchen sie auf ihren fliehenden Pferden

schneller zu sein als der mählich sich vollziehende Rechtsruck,

den sie hoffen, noch aufhalten zu können,

wenn sie die Rechten, die Anfang der 90‘er

wegen Rostock und Mölln lebenslänglich bekommen haben,

und die NSU-Leute,

die sich alle für eine Psychiatrisierung

statt für Knast entschieden haben

und nun auch schon wieder raus sind,

gemeinsam mit linksradikalen Antifa-Leuten

und Fridays for Future-Teenies,

die auf halbunangemeldeten

Anti-Corona und 1.-Mai-Demos verhaftet wurden,

und meist körperliche Gesundheitsschäden

durch die Einwirkung von Polizeiknüppeln haben,

resozialisieren,

in dem man sie gemeinsam

mit

vietnamesischen,

japanischen,

chinesischen,

süd-mittel-und nordafrikanischen,

syrischen

und

illyrischen

Kriegsflüchtgeflüchetenlingen

und illegal-Alien-Erdlingen,

die E-Zigaretten

mit Trockeneisnebel-Flavour rauchen,

ein gentrifiziertes,

auf Luxusniveau aufgewertetes,

ukrainisches,

veganes

Wurstbudenedelrestaurant

mit deutschen und chinesischen Fleischgerichten,

bei Mc. Donalds geklauten Hamburgern,

dänischen Hot-Dogs mit original phosphatverseuchter, roter  PØLSER

auf bestem griechisch-indischen

Imbissniveau

mit rumänisch zigeunernden Pusztaschnitzeln,

die auch jedem Moslem nicht schmecken dürften,

gründen,

und so nahezu spielend

im Schweiße ihres von Pommesfett

gelb gewordenen Gesichtes,

und chinesisch schmal zusammengekniffenen Augen

vom Prüfen der rübergereichten Geldscheine

auf Echtheit und Coronaviren,

ihren Fremdenhass abbauen können,

und danach gleich in chinesischen Restaurants

als Ersatzkellner

zweitverwertet werden können.

 

Währenddessen

machen sogar die Ex-NSU-Mitglieder Karriere,

die sich

VON HINTEN

mit einer Greencard

in Donald Trumps Arsch geschoben haben,

und die im NSA

zusammen mit ihren NSU’s und SUV’s

in der Pornogirls-Autowaschanlage von Hugh Hefner und L. Ron Hubbard

gehirngewaschen wurden,

bei der NASA

mit Elons eloquenter Musk-Moschee

zum Mond fliegen durften,

um dort Verschwörungsfilme

und Rammsteinvideos zu drehen,

die belegen,

dass die Mondlandung

nur in Til Lindemanns Wohnzimmer

VON HINTEN

nach vorne

beim Aufribbeln einer rückwärts abgespielten Videokassette

als Backward Masking

VON HINTEN!

enrov hcan

gelesener

vietnamesicher Untertiel von „Stairway to heaven“,

die russisch-kyrillilisch aussahen,

stattgefunden hat,

während er sich weiße Wölfe

durch die Nase schnupfte,

die zart als Schnee Jesu Wunden kühlten,

während er in dunklen Kellern

auf glühende Kreuze genagelt wurde,

die nie besser rochen,

als die Geile im schwarzen Rüschensamtkleid,

die den Schweiß

an den Satan schwitze,

der mit ihr im Untergrund

des von selber fickenden Schwanzes

eines Bettes

in Dönhaven-Kreuzberg-Onanieburg

für immer

in der durchgelegenen, vollgewichsten Matratze

versank,

und mit ihr

in ein unterirdisches Reich

völlig freier Schatten

sündenfallte

in die Sündenfalte.

VON HINTEN.

„Die Bildung geht immer mehr in den Butt.“,

sagte die Freundin des altlinken Literaturprofs.

„Pisa-Studie.“, winkt dieser ab.

„Hier steht schon lange alles schief.

Und diese Extinktion-Rebellion,

die ihre In-stinkte auf Ex

als ex-systemrelevant

mit dem Kind aus dem Bade ausschütten wollten,

merken auch schon,

dass es IN den Instinkten

geiler stinkt,

als außerhalb, also ex der Tinktion oder Intinktio.

Wo man das Brot beim Abendmahl in den Wein taucht,

um den Sabber der Leute nicht mittrinken zu müssen, die immer aus dem Kelch trinken.“

„Du redest wieder einen derartigen Schwurbel zusammen.“,

sagte die Freundin.

„Benutzt du die Fremdwörter überhaupt richtig?“

Als sie den linken Hippie auf Partnersuche

neben dem Kanu im Wasser treiben sah,

entschied sie sich,

dem Prof. den doppelten EU-Ausreiseausweis

zu verpassen,

und kickte ihn

VON HINTEN

mit ihren nackten Füßen in den schwitzigen Sneakern,

die nach langen Spaziergängen an der Alster

unerträglich nach durchgeschmortem Adishass-Gummi stanken

als dritte Wasserleiche

opheliengleich

in den

Til-Schweiger-Polizeirufs-Gerd-Fröbe-Oldschoolkrimi-

Herbstblätter-aus-dem-letzten-Jahrtausend-Kanuten-Retro-Fluss,

der daraufhin

unerträglich

als weißes Rauschen

anschwoll,

und Strom und Bäche

vom Eise befreite,

sodass auch noch

Faust und Wagner

an der Alster

vorbeischindlern konnten,

ohne Amon am Goethen zu hindern.

 

 

 

+++

 

Intermission!

 

 

 

Part Two:

In der Wohnung des alten Zauberers

 

 

Finn trinkt.

Noch einen.

Und noch einen.

Er muss verhindern,

dass dieser alte Zauberer bewirkt,

dass der zehnjährige Sohn einer Jüdin

sich in die Irre

aus „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ verwandelt.

Finn hatte den Film im Nachtprogramm gesehen,

und er hat ihn für immer verwandelt.

In Donald Sutherland,

der immer wieder

mit hohen Kreischtönen,

die sich Finn nur dazu eingebildet hatte,

seine ertrunkene Tochter

im roten Regenmantel

aus einem Sumpfsee zerrt.

Und dann einfach mit seiner Frau

zu Lars von Triers Hütte im Wald fährt,

um sich antichristlich einen runterzuholen,

während Gregory Peck,

einem Omen folgend

an seiner statt

nach Venedig fährt,

um mit seiner Frau

die schrecklichen Ereignisse des 11. Septembers zu vergessen.

Der alte Zauberer hat Finn erzählt, dass Judenkinder so etwas machen,

-sich in die Irre aus „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ verwandeln-

dass sie aber gar nichts dafür können.

Der alte Zauberer schnackelt mit den Fingern

an Finn herum,

während sie sich

auf seinem altmodischen Röhrenfernseher

Horrorfilme aus den 1970ern und 80’ern ansehen,

und das beste von heute

auf Radio BOB und Rockantenne Hamburg hören.

Leider hat Finn keine Schwammerln,

mit denen er diesen Petrosilius Zwackelmann

in einen hotzenplötzlichen Psilorausch

versetzen könnte.

Plötzlich kommen unendlich viele junge Teeniemädchen

in Regenmänteln herein.

„Das ist die Irre aus dem Film!“

jubelt Finn.

Das Judenkind

hat sich einfach dupliziert,

und kommt jetzt

als viele irre Teeniemädchen,

um dir zu helfen.

„Das sind die Nutten für deinen Kindergeburtstag!“,

lallt der alte Zauberer.

 

Dann komme ich.

Durch die Tür.

 

Und es wird ein Kindergeburtstag,

an dem wir spielen,

Spaß haben,

Theaterstücke aufführen,

so tun, als würden wir uns betrinken,

und ganz viele von Finns Klassenkameradinnen

in Regenmänteln zur Tür hereinkommen,

um einen Film nachzuspielen,

den ich nicht so genau kenne.

„Wir sind die Betreuerinnen von Garibaldi Paganini.“,

sagen die Girls in den Regenmänteln

und packen den alten Zauberer

in die weißen Jacken,

die sonst immer Männer vorbeibringen.

Muss an der Frauenquote liegen.

Ich bleibe mit Finn in der Wohnung zurück.

Nach einiger Zeit

befreien wir das kleine Judenkind

aus der Standuhr

und spielen

„Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot, der böse, böse Wolf ist tot!“.

Plötzlich fliegt mit hohen Kreischtönen,

die nur Finn hören kann,

die kleine Rundköpfige im Regenmantel

mit dem verschrumpelten Rosinen-Gremlin-Gesicht,

wie Daphne de Maurier sie wirklich in ihrer Kurzgeschichte

„Dreh dich nicht um“

beschrieben hat,

die das Vorbild für „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ war,

durch die schon oft von Overlookäxten aufgehackte Tür

zur Wohnung des alten Zauberers,

und erstach Finn,

mich

und das Judenkind

VON VORNE

mit einem Messer.

Danach setzte sie sich in eine dunkle Ecke des Zimmers,

wackelte mit ihrem runden Rosinenkopf,

und murmelte unverständliche Laute vor sich hin.

„Eine verdammt beschissene Art, zu sterben.“,

dachte ich noch,

bevor ich in der Leonard-Cohen-Afterworld

von Daphne de Maurier und John Shooter

wegen Plagiats des letzten Satzes aus

„Dreh dich nicht um“

verklagt wurde.

Allerdings bekam mein Gedicht

wegen der Worte

 „Verdammt“

und

„Beschissen“

einen

Parental-Advisory-Sticker,

die den Marktwert des Gedichtes enorm steigerte.

D.A. Pennebaker schlich sich in den Raum wie ein Schatten,

und sagte zu Bob Dylan:

„Don’t look back“.

„Where is my cane?“,

fragte Dylan umständlich,

und zog Jack Nicholson

eine Axt aus dem Spazierstock.

„Then you ask, why I don’t live here?

Honey, do you have to ask?“

 

≈●≈

*

Epilog

 

Ich verwandelte mich in die Supra-Hupra-Dupra-Gestalt meines Stadtteils

und flog auf eiligen, dunklen Flügeln

durch die Schatten,

die sich die Menschen in meinem Stadtteil

nicht anzusehen trauen.

Manche sagen, ich hätte die Essenz meines Stadtteils

in meiner Stimme.

Und das Blut meines Stadtteils

an meinem Ledermantel.

Es ist allerdings nur für kundige Tocotronic-Fans zu erkennen.

Manchmal.

Bei Vollmond.

VON HINTEN.

Patrick Rabe, Donnerstag, 14. April 2022, Hamburg.

© by: Patrick Rabe, April 2022.

 

 

 

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