Martin Hart
Vom Edelmut
Wir sind die Edlen.
Wir spenden voller Bereitschaft.
Dinge, die wir sowieso nicht mehr brauchen.
Ach wie praktisch! Da gibt es ja gleich Platz für Neues.
Und edel sind wir auch noch.
Manchmal spenden wir sogar etwas Geld.
Aber nicht, dass wir auf irgendwas Neues verzichten müssten. Spendenquittung nicht vergessen!
Und edel sind wir auch noch.
Wir spenden auch mal Arbeitskraft.
Dann sind wir wohl tatsächlich edel.
Wir bekunden Solidarität mit Hilfsbedürftigen.
Verurteilen Umweltsünder, Geldgier und Kriegstreiber.
Posten hübsche Bildchen und verzieren unsere Briefkästen und Autos mit ebenso hübschen Aufklebern. - Vorausgesetzt, sie lassen sich rückstandsfrei wieder entfernen.
Und edel fühlen wir uns auch noch.
Wir sollen mehr für unsere Lebenshaltung ausgeben.
Denn manche Rohstoffe sind nicht mehr im gewohnten unermesslichen Überfluss vorhanden.
Dadurch steigen die Preise.
Wir stürmen in die Supermärkte und bunkern Speiseöl, Mehl und Klopapier bevor es unbezahlbar wird, oder es nichts mehr davon gibt.
Und warum sollten wir uns edel fühlen wollen?
Edelmut können wir uns hier nicht leisten.
Solidarität ist hier völlig unnötig. Es gibt ja keine Hilfsbedürftigen.
Ist ja jeder selbst für sich verantwortlich.
Wer nicht rechtzeitig bunkert, steht dann halt da.
Kein Tröpfchen Speiseöl, kein Stäubchen Mehl, kein Blättchen Klopapier.
Selbst Schuld!
Wozu also Solidarität?
Und gut fühlen wir uns auch noch. - Wir haben uns ja gut versorgt.
Sind wir die Edlen?
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.04.2022.
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