Traumorgane

Neckodds Bann



Arkadie wie gemalt
In lichtem Marmorschein
die Morgensonne strahlt
Mein ist der Freifahrtschein
 zum Bahnhof tiefen Glücks

Gesegnet mit dem Ungetrübten
tanz ich auf Terrassen
Blick durch Blüten, Zweige
auf ferne Aderstraßen,
 die das Herz der Heimat nähr‘n

Von hoher Warte seh ich‘s fern
Ein Wesen ohne Glieder
Wie das Gegenteil von Lärm
Weder Fell hat‘s noch Gefieder
 oder Menschenhaut

Scheibenlos sind die Fenster,
an welchen ich grad lehne
Mich necken wohl Gespenster,
denn was zweifle ich & wähne
 im Bilde meines Rahmens

Ohne Mitleid rückt es an
Das Ziel ist sein Visier
Wie einstudiert in seinem Bann
der Bahnen Sternentiere,
 entbunden aus dem Kosmosschoß

Mit stiller Würde und Methode
kriecht‘s unentwegt herzu
Fest verwebt mit Periode
Bänglich frage ich: Wozu
 sei mir dieser Tag vergellt?

Kann das sein, auf seinem Rücken,
trägt‘s mit Bedacht ein Heim,
ganz gleich gemeinen Schnecken
Absonderlich, da ist auch Schleim,
 in Kerbung seines Pfads

Nur ist das Packwerk kein Gebäude,
doch Wohnstatt scheints zu sein
Spukhaft Zuzug zeigts im Grunde
ist‘s gemauert aus Gebein –
 Verseh‘n mit mancher Luke

Kolossal kraucht just auf‘s Gut
mit Schreckenskopf am Buckel
– mir brennen Herz und Hut –
der Weichgigant samt Schädelhuckel
 sechs-Mann-hoch an mich ran ...

Bauchfuß hebt den stillen Schopf:
„Steig ein, erbärmlich‘ Narr,
sei kein Defätist, Du Tropf!“
Rufts aus Knochenluk‘ bizarr,
 die ja Augen sind und Schlund! –

Durch zahndrapiertes Flügeltor,
das bildet sich aus Kiefern,
dringt Geheiß an waches Ohr:
„Wir können Dir noch liefern
 Kammer rechts im Auge mit Balkon.“ ––

Von da aus seh ich Träume kleben
durch blindes Glas und Larven
fortan auf leim‘gen Ebnen,
zerwalzt zu Öl-Exklaven:
 Im Land der Langsamkeit

So ziehen wir durch Totenreiche,
die keinen Traum mehr nähren
Durch Supranaturalbereiche
Uns kann niemand verwehren:
 die Zukunft ohne Zeiger … ––

Arkadie wie gestrahlt
Graphitisch‘ Marmorschleim
die Abendsonne malt
Mein ist der Freifahrtschein
 zum Bahnhof tiefen Glücks




(© M. Lang / Traumorgane, 2022)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.05.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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