Patrick Rabe

Ochsenzoll hilft nicht doll (Im Wald von Kalt)

Ochsenzoll hilft nicht doll.

(Nur beim vergessen. Wundervoll.)

-Musikerkarriere auf Hamburger Art-

 

 

 

Ich kenn‘ im Wald von Kalt ein Haus,

da kommt man rein, doch nicht mehr raus,

denn oben sitzt Graf Dracula,

das Zimmer leer, der Kopf mal bar,

mal auch behaart, doch immer brav,

Scientology zahlt hier den Schlaf.

 

Hier kann man alles, nur nicht leben,

so läuft das fiese Spielchen eben,

kann Urlaub machen, selbst in Dubai,

gleichzeitig Drama sein und Fubey,

gleichzeitig Scholz und Helmut Kohl,

jedoch, der Kopf ist innen hohl.

 

Man kann Bands gründen, selbst mit Leichen,

den Charteinstieg wird man erreichen,

doch leider geht es dann bergab,

zum Pornofilm im Massengrab.

 

In Deutschland darf man alles sagen,

und alles singen, sogar „Magen“,

doch nennt man mal die falschen Namen,

kommt man auf die, die niemals kamen.

 

In keinem Song vor, keinem Buch,

nur als Staffage. Fast ein Fluch.

Man ist wohl nicht so prominent,

weil Dr. Dulz die Akte kennt,

die da kursiert im Internet,

die nimmt er abends mit ins Bett.

 

Und Namen kann man ja austauschen,

der Blätterwald tut mächtig rauschen,

auch, dass es jetzt Datensalat,

und nicht mehr Blätter. Tat ist Tat.

 

Welch‘ Rabe hackte nach dem Auge,

welch‘ Chrissy machte „Sauge-Sauge“,

welch‘ Unger hatt‘ nachts welchen Traum,

und killte den Marihuanabaum.

 

Unser System basiert auf Schuld,

auf gutem Willen und Geduld,

auf Leistung und auf Leistungswillen…

Kunst? Kreativität? Mit Nillen.

 

Wenn man Probleme echt benennt,

dann ruft der Staat: „Die Hütte brennt!“.

Verbrecher sind nicht, die uns töten,

sondern die, die beim Trommeln flöten.

 

Hauptsache fertig das Produkt,

egal, ob Künstlerin verruckt,

schon halb verreckt, ob angesteckt

mit Feuer oder Aids im Sekt.

 

Denn schlimmer, als wenn Bomben platzen

in lieben Kiezclubs, sind die Fratzen,

die Stars vor ihrem Spiegel machen,

sieht ja fast aus wie Jokers Lachen.

 

Und dann beleidigten sie noch

die Zielgruppe. Das Ziel so hoch

hinauszukommen mit Musik,

das starb am Strand von Schwanenwik.

 

Man war normal, trug Spießerkleider,

die Haare kurz, und grinste leider,

als Nazis einen Punk verscheuchten,

und mit „Stirb, Juda!“ Parks verseuchten.

 

Nur froh, dass man nicht denken musste,

an jenen Fan, der „zuviel wusste“,

und dann mal sprang von dem Balkon,

am Abend Rückflug zur Station.

 

Tut man ein Leben so verkruckeln,

dann muss man danach büßig buckeln,

auf schönen Charity-Konzertzen

auf Psychiatriestation vor Ärtzen.

 

Die langsam zuseh’n beim Ausbluten,

beim Energieverlust des Guten,

und Schwestern tun die Peitsche schwingen

und rufen: „Du musst frecher singen!

 

Das war noch nicht der echte Star,

du wartest doch auf Dracula!“

Doch wie man weiß: Herr Schulz ist tot,

er fiel im frühen Morgenrot.

 

 

 

© by Patrick Rabe, Sonntag, 8. Mai 2022, Hamburg.

 

(Heutige Therapieaufgabe: Ein Lied über Dr. Dulz schreiben, ohne dabei an Dr. Dulz zu denken, ohne Dr. Dulz dabei zu meinen, ohne Dr. Dulz dabei zu erwähnen, und ohne Politiker in dem Lied vorkommen zu lassen, die sich mit viel Phantasie auf „Dr. Dulz“ reimen könnten. Die Erwähnung staatstragender Personen in Songs, verbunden mit persönlichen Beleidigungen, ist verboten und wird mit mehr Zuchthaus bestraft, als Morde und das Anzünden von guten Künstlern und Künstlerinnen.)…

 

Alternativversion:

 

„Herr Dulz, Herr Dulz ist Wiedergänger.

Wer früher tot ist, lebt meist länger.“

 

© by Patrick Rabe, 8. Mai 2022

 

 

 

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