Manfred Bessmann

Die Honigwabe

Die Wabe

 

Sonnentag man könnt schön dösen
wäre nicht ein Fall zu lösen

sieht er doch, wie so ein Rabe
pickt an einer Honigwabe

ist zwar nur ein kleines Stück
Meister Petz wird fast verrückt

denn es ist wie alles hier
schließlich einzig sein Revier

Ist ergrimmt bis zu den Ohren
er die Wab hat doch erkoren

für sein Nachtisch süß und fein
nicht für Räuber so gemein

'Corvus corax komm mal her'
schreckt den Raben dabei sehr

zeigt zugleich noch seine Hauer
ist schon klar, der Petz ist sauer

'Was fällt dir ein, was dich nur trieb
zu meiner Wabe, dreister Dieb'

'Das war ich nicht', kräht Corax leis
'Hab's nur gefunden, als Beweis

Auch wenn ich dieses Stückchen klaub
bin nicht beteiligt an dem Raub

die Wab, sie hat doch viel Gewicht
und solche Kräfte hab ich nicht'

Der Petz er brummt, doch sieht er ein
der Rabe wäre wohl zu klein

auch hätt er nicht die Zeit besessen
die Wabe komplett aufzufressen

'Flieg mal nach oben in die Luft
ob du von droben siehst den Schuft'

spricht Meister Petz und ist ganz bitter
dann schleicht hier rum bestimmt ein Dritter

Wer könnt es sein, der hier sich wage
so frech zu wildern ist die Frage

Er müsste klettern können, das ist klar
die Wabe hoch am Baume war

und Lust auf Honig er verspüren
um ihn zum Diebstahl zu verführen

Und Bienenvolk das will sich rächen
muß ihm egal sein wenn sie stechen

Das sind die Fakten mit Gewähr
oh Schreck, das alles passt zu einem Bär

'Na wart! Auf meine Kosten prassen
dem werde ich einen Hieb verpassen'

Es ist wohl diesmal wirklich Zeit
für einen echten Bären-Streit

Mißtrauisch äugt er hier und dort
Vielleicht der and're ist schon fort

Doch Petz hat seine Ruhe nicht
ist auf den Kampf schon ganz erpicht

und strolcht wie toll durch sein Revier
denn schließlich ist er Herrscher hier

Da wittert er auf seiner Tour
ein Duft der führt ihn auf die Spur

und ihm, mich doch der Hase laust,
die Bären-Nase deutlich kraust

Ein Duft, denkt er, den ich verorte
eindeutig von der zarten Sorte

davon er wird elektrisiert
was er geruchlich anvisiert

Am Lärchenstumpf er sieht sie dann
vor Schreck er es kaum fassen kann

Sie schuppert dort am kahlen Stamm
es ist ein prima Bären-Kamm

Der Petz hält seinen Kopf ganz schief
Die Bärin ist so attraktiv

So weiches Fell wie ein Gewand
der Anblick ihm ganz unbekannt

Potzblitz und wie sie sich bewegt
in Petz sich gute Laune regt

Er schleicht sich näher an sie ran
denn letztlich ist er nur ein Mann

Vergessen ist die Wabe an dem Baum
er glaubt, er sei in einem Traum

Hier läuft nun eine andere Schau
Petz sieht ne tolle Bären-Frau

'Hallo', er fängt ganz schüchtern an
'ich dir ne Stelle zeigen kann

wo du kannst Wunderbares speisen
wir müssten dazu gar nicht reisen

Im Wald dort sind Maronen-Ecken
was Bessr'es wirst du niemals schmecken

Sag ja, du holde Bären-Maid
und hab heut etwas für mich Zeit'

Wie's weitergeht, es wird privat
auf diesem Bären-Liebespfad

Wir blenden aus doch die Geschicht
erhellt uns wieder mal mit Licht
die Weisheit wird uns hier geschenkt
oft kommt es anders als man denkt

 

 

 

 

 

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