Aylin

Das neue Kind hat Felll

Das neue Kind hat Fell

 

Hundebesitzer sind glücklicher als andere Menschen. Sie haben seltener Herzanfälle und Depressionen. Ist wissenschaftlich erwiesen. Was einen wundern mag, wenn man solch ein Leben mit Hund mal genauer betrachtet.

 

Ein Hund bringt alles andere als Harmonie in eine Familie. Ein Welpe bringt alles durcheinander, den gesamten Alltag. Rasch kann es dadurch zu Eifersüchteleien kommen. Kinder, die bereits aus den Windeln sind und völlig vergessen haben, dass auch sie auf den Teppich gepinkelt hätten, wenn es keine Pampers gegeben hätte, fühlen sich zurückgesetzt. Denn Mama wischt anstatt sich mit ihnen zu beschäftigen ständig nur auf dem Boden herum. Schlagartig erlischt bei Kleinkindern die Liebe zu Wauwi , wenn der den ersten Plastikdino zerfleischt hat, das geliebte Kuscheltier zerfetzt, aber seinen scheiß Plastikball nicht mal abgeben will und knurrt. Enkel können da besonders sensibel sein, weil Opa und Oma bisher alles, aber auch alles verziehen haben, jetzt aber beständig mahnen: Sei nicht so grob mit ihm! Eisern behaupten sie: Der ist so wie du, Mäxchen, genauso wild, genauso unvernünftig. Und Mäxchen denkt: Ist er nicht. Ich bin ein Kind und er ist ein Hund! Pädagogisch also total daneben. Aber Enkelchen stellt eben fest, dass seit Ankunft dieses Köters Oma und Opa nicht mehr dieselben sind. Sie haben jetzt ein eigenes Kind und das hat Fell. Stinkt bei Regen wie ein Iltis und hat immer Recht, weil es ein Welpe ist. Welche Schäden sich dadurch in der Kinderseele anhäufen, kann kein Mensch ermessen. Traumata. die mit auch noch so vielen Überraschungseiern nie wieder gutzumachen sind.

Auch bei Herrchen kann die Anschaffung eines Hundewelpen zu tiefen seelischen Erschütterungen führen. Wenn der Hund auf den Teppich kotzt, muss er es wegscheuern, weil Frauchen das ja sooo eklig findet. Aus dem Säbelzahntiger-Kämpfer wird ein Kotzewischer. Wenn das nicht Diskriminierung ist! Als ob es ihm nicht auch eklig wäre…. Aber Frauchen erwartet es einfach: Wenn du mich liebst.. - und spitzt den Mund. Da weisse Bescheid. Dann schleppt sie noch diese fucking Microfaserhandtücher zum Aufnehmen an. SIE wollte ja alle Handtücher, die schönen alten aus Baumwolle, gegen diese eleganten Microfaserhandtücher austauschen! Die alten aus Baumwolle hätten den stückigen Brei weggeputzt wie Hulle, aber die! Die verschmieren alles nur. ER war von Anfang an gegen diese neuen Handtücher. Immer schon! Von wegen, ein Hund bringt Harmonie in eine Ehe. Da brechen Ehekonflikte auf, die man längst begraben glaubte.

Abends im Dunklen muss natürlich Herrchen mit dem Hund Gassi. Weil Frauchen Angst hat vor dem „Gesocks“, was da auf der Straße rumläuft. Am Anfang ist Herrchen noch ganz Mann und Held und tönt: Ach, so schlimm sind die auch nicht. Nachdem aber eine Gruppe migrantischer Jugendlicher ihm folgt, ihn quasi vor sich hertreibt und dieser dämliche Köter nichts sagt, nichts, wird Herrchen mulmig. Endlich erwischen sie ihn, stellen ihn. Der Köter wedelt und die Jugendlichen schreien: Oh wie süüüüß. Knutschen und herzen den Hund. Und Herrchen schämt sich. Sowas von. Kennen wir Hundi, sagen die Jugendlichen, von Frau. Und Herrchen schämt sich. Sowas von. Merke: Ein Hund ist schlecht fürs Selbstbewusstsein von Machotypen. Kommt quasi einer Kastration gleich.

Auch im Bett macht bald schon der Hund Herrchen den Platz streitig. Der Kleine weint doch so in der Küche. Und es wird nachts kalt, die Heizung schaltet sich ja auf 14 Grad runter. Als die Kinder früher weinten, da ermahnte man sie immer wieder. Den Hund nicht. Bald schon hat man ihn mit tränengefüllten Augen im Bett. Ein ( Vorsicht besonders bei Dackeln) arroganter Hundeblick trifft den Hausherren: Geh aus dem Weg. Alter. Das war’s für dich hier.

Von da an liegt der Hund in der Mitte ( was das Kind selten durfte. Der Enkel allerdings immer…). Womit der Begriff „Anstandswauwau“ wieder Einzug in die moderne Welt hält.

Dafür aber wird Herrchen dann vorgeschickt, wenn eine große Dogge beim Spaziergang kommt oder der nöhlige Nachbar ( was dasselbe ist), der sich gleich beschwert, dass der Hund auf die Wiese gemacht habe oder an seinen Rosenstrauch. Wobei der Rosenstrauch ihm gar nicht gehört, sondern der Gemeinschaft. Sagt Frauchen. Dooch - sie kann sehr zickig werden, wenn es um den Hund geht. Sie lässt den aufgebrachten Nachbarn und Herrchen einfach stehen, geht weg. Ja, damit kann ER sich jetzt rumschlagen. Echt unfair so was. Denn bei ihm hat der Hund nicht an den Rosen…Ist ein Welpe sagt sie ungerührt, der lernt das noch. Ja, so ist sie jetzt. Wieder ganz Mutter. Dabei wurde sie längst Oma. Und Herrchen dachte, das sei jetzt endlich vorbei und jetzt schlüge endlich mal wieder seine große Stunde. Mit Aufmerksamkeit und so. Fehlanzeige.

 

Fehlanzeige auch Urlaube. Ganz übel mit Hund! Gewohnt, in guten Ferienhäusern abzusteigen, nächtigt man jetzt mit Hund in einer abgewrackten Kaschemme. Weil die anderen mit Hund nicht vermieten. In einer Absteige, was im Internet nicht zu sehen war. Die Wolldecke riecht noch nach dem Vorgängerhund, weshalb Wauwi sie gleich mal einmarkiert. Schließlich ist Er jetzt hier. Und es ist zu befürchten, dass der Vorgängerrüde das auch so sah.

Die gewohnt bequeme Luxuscouch ist jetzt ein Klappergestell, so eins wie Oma bereits in den 80-igern schon am Sperrmüll entsorgt hat. Herrchen wirft sich drauf und gleich bricht sie zusammen. Nun will der Ferienhausbesitzer eine neue Couch. Denn vorher stand sie ja noch.

Strandurlaub mutiert zum Wanderurlaub. Entspannt im Strandkorb sitzen ist nicht. Denn in deutschen Seebädern darf man mit Hund nur an den winzigen Hundestrand, wo man anstatt den Meerblick zu genießen auf ständiger Hut ist vor den unzähligen anderen Hunden. Dass sie bloß dem eigenen nichts tun. Nette Urlaubsgespräche entwickeln sich nicht mehr nach menschlicher Sympathie, sondern nur noch nach der Frage: Ist der lieb? Den Rest des Urlaubs hat man eine Familie mit 4 Kindern an der Backe, nur weil sich deren französische Bulldogge so gut mit dem Mops versteht. Traute Zweisamkeit von Frauchen und Herrchen stellt sich nicht mehr ein, denn eins der vier Blagen hat rausgefunden, wo sie wohnen…

Und doch liebt Herrchen seinen Hund wie verrückt. Würde sich jedem Rottweiler in den Weg stellen, Sein Leben geben für den Kleinen. Normal ist das nicht. Doch Hunde haben eine unnachahmliche Art, uns unentrinnbar einzuwickeln. In ihre Liebe, die sie über uns ausschütten. Die uns streichelt wie ein Wattebausch. Und die man nie mehr missen möchte.

Denn ein Hund ist kein Mensch. Er gibt sich nie zufrieden mit halben Sachen…

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.10.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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