Stefan Ziegenhagen

Marie

Marie.

Mit dem Wahnsinn an der kleinen Hand
geht Marie spazieren.
Das Ding steuert ihren Verstand
und sie läßt sich führen.

Die zwei gehen wie Hund und Herr
nebeneinander her.
Nur manchmal, da kichert Marie,
wenn sie Regenwürmer sieht.
Andere Tiere entdeckt sie nie,
weil sie nur das dünne schmale liebt.

Mit dem Wahnsinn an der kurzen Leine
geht Marie in die Nacht.
Im dunklen zeigt sie ihre Beine,
weil Schwärze mutig macht.

Es ergeht ihr gut ganz ohne Licht.
Dann schneidet sie Grimassen
in ihr weißgebleichtes Gesicht.
Zu Hause erzählt sie von der Dunkelheit
und der Stille zwischen Zwei und Drei.
Sie öffnet jedes Fenster weit
und läßt den Raumklang frei.

Mit dem Wahnsinn am Blusenkragen
lebt Marie in sich allein.
Wie eine Brosche liebt sie ihn zu tragen,
freut sich über den goldenen Schein.

Doch das Ding hat dafür keinen Sinn
und lacht sie häßlich aus.
Sie hört schon gar nicht mehr hin,
verschließt ihr stilles Seelenhaus.
Doch echten Frieden findet sie nie,
die Arme Marie...

Dezember 2004.

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