Aylin

Felix

Felix

 

Mäxchens bester Freund heißt Felix. Der hört ihm zu, wenn Mäxchen etwas erzählt und gibt Ratschläge, was zu tun ist. Nicht, dass Mama und Oma nicht zuhören würden, aber manches will Mäxchen ihnen eben nicht sagen. Weil er ein Junge ist und schon fast sieben.

Felix ist ein Schlossgespenst. Ein Echtes. Erwachsene würden sagen, dass er hässlich sei. Doch Mäxchen sieht das Werbeplüschtier einer Burg, die er mit Mama besucht hat, völlig anders. Er hätte auch ein Holzschwert bekommen dürfen, so wie die anderen kleinen Jungen, die begeistert in dem Burgladen nach einem Souvenir Ausschau hielten. Nimm doch ein Schwert, sagte einer, dann können wir kämpfen. Ich will aber nicht kämpfen, antwortete Mäxchen und griff zielsicher nach Felix.

Oma hat sich mal eine Geschichte für mich ausgedacht, erklärte er Mama stolz, dass selbst Gespenster manchmal Angst haben, allein ins Bett zu gehen. Und weißt du, warum? Weil sie Angst vor Gespenstern haben!! Und deshalb braucht sich auch kein Kind zu schämen, wenn es mal Angst hat, denn das passiert sogar starken Gespenstern! Und wie ging die Geschichte aus? fragte Mama. Das Gespenst nahm sich ein anderes Gespenst mit ins Bett und hatte keine Angst mehr. Mäxchen streichelte Felix. Schau mal, wie niedlich der guckt! Die kleinen Knopfaugen. Süüüß!

Seitdem begleitet Felix Mäxchen überall dorthin, wo ein Mäxchen vielleicht Angst haben könnte. Ohne dass er dies je zugeben oder ein Wort darüber verlieren möchte. So wird Felix jeden Morgen sanft in den Schulranzen geschoben. Direkt neben die Butterbrotdose. Er sitzt auf dem Gepäckträger des Fahrrades, das immer so unangenehm wackelt. Und er hockt auf der Bank, während Mäxchen das höchste Gerüst auf dem Abenteuerspielplatz erklettert. Besonders gut passt Felix auf bei der Wackelbrücke in drei Metern Höhe, wo sich Mäxchen immer etwas schwummerig fühlt. Mäxchen weiß das und turnt darüber wie ein ganz Taffer. Ja, Felix ist ein echter Freund. Er erinnert auch, wenn die Fische gefüttert werden müssen. Und wenn Mama mal krank ist, hilft er Mäxchen, ruhig zu bleiben und Omas Telefonnummer im Handy zu finden.

 

Eines Tages aber kommt eine kinderlose Tante. Und wenn sie kommt, hat sie immer ein Problem, weint bei Mama und klagt ihr Leid. Mama sagt, sie habe Depressionen. Aber Mäxchen weiß nicht, was das ist. Skeptisch schaut die Tante nun auf Felix und behauptet: DAS ist doch kein Gespenst. Das ist das Maskottchen von Schloss Burg. Steht doch sogar drauf! Mäxchen schaut nachsichtig und antwortet: Es zeigt sich nicht jedem. Du kannst es eben nicht sehen. Ich lächle, als meine Tochter mir das später erzählt und denke: Wie gut hätte es manchen heute Erwachsenen als Kind getan, wenn sie einen Felix zuhause gehabt hätten…

Irgendwann wird Felix, das Schlossgespenst, Mäxchen verlassen. Über Nacht davonfliegen. Dorthin, wo es gebraucht wird. Und dann wird er als Felix, Maskottchen von Schloss Burg, einen Ehrenplatz auf dem Regal in Mäxchens Zimmer neben den anderen hundert Kuscheltieren einnehmen. Vielleicht ganz oben. Dass er bis zur Burg schauen kann.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.10.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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