Aylin

Duftkuchen

Duftkuchen

 

Heute mache ich Duftkuchen. Nach dem Rezept deiner Mutter aus Friesland. Denn heute ist das erste Allerheiligen seit du verstorben bist. Ich mache ihn für dich. Es ist der, den du bei uns nicht mehr essen konntest. Du kamst nicht mehr dazu.

Immer, wenn ich für dich diesen Kuchen, der eigentlich ein Dessert ist, buk, dann schnuppertest du schon beim Hereinkommen und riefst: Das riecht ja wie zuhause. Ja, wie zuhause warst du bei uns auch. Vierzig Jahre lang. Was mir bleibt, sind Erinnerungen an ein Leben von Studienbeginn bis heute, wo wir Rentner sind. An einen Menschen, der mir Bruder und Freundin war, lange bevor jemand anderes sein Geheimnis erfuhr. Und der doch ging, ohne sich verabschieden zu können.

Ich denk an dich, während ich den Hefeteig schlage. Zornig beinahe. Ich höre dich in deinem nordischen Dialekt, den du nie abgelegt hast, scherzen, philosophieren. Während ich die Birnen zuckere und den Zimt darüberstreue. Während ich warte, bis der Teig rund und glänzend aufgegangen ist.

Doch wenn ich den Duftkuchen später essen werde, mit meinem Mann,, meiner Tochter, deren Patenonkel du warst, und mit Enkelchen, der dich auf Grund der Coronabeschränkungen kaum kannte, dann will ich still sein. Dankbar dafür, dass wir uns so lange hatten. Dann will ich die Traurigkeit fort schieben und dir ein Stück Duftkuchen mit auf den Weg geben. So wie ich es immer getan habe.

 

Für Rolf

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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