Aleksandar Gievski

Eine ekelhafte Geschichte

Der Herr Söhnemann war nicht bereit,

zu opfern seine schöne Zeit

und jedes Mal, um ein Geschäft zu machen,

sein Haus zu verlassen.

Einfacher gesagt, er wollte es nicht akzeptieren,

dass er raus gehen muss, zum Urinieren.

Er sah in die volle Schüssel hinab,

sie war gefüllt mit trüben Wasser und das nicht zu knapp,

also verstopft und stank.

Das machte ihn noch völlig krank.

Die einzige Lösung war, ein Fachmann in Sachen Sanitär muss her.

Der erleichtert mir das Leben sehr, dachte er.

Den will ich gleich anrufen und um Hilfe bitten,

dann muss ich auch nicht länger zusammenzwicken.

Der Anruf war schnell getan,

an der anderen Leitung ein guter Mann.

Immer bereit, das galt als selbstverständlich.

Er war ja auch nicht umsonst selbstständig.

Der Mann fragte: „Aber wo genau ist denn Ihre Adresse?“

„Über die Brücke, das einzige Haus am Ende der Straße.“

Schon machte sich Herr Laube, der Mann vom Sanitär,

auf dem Weg zum Herrn Söhnemann, der gern Kunde wär.

Nach der besagten Brücke fand Herr Laube heraus, dass die Straße nicht mehr befestigt war.

Das machte ihn bange, denn er sah die Gefahr,

dass eine Feder brach oder es einen Stoßdämpfer zerriss.

Oder bei seinem Glück ihn einfach ein Rad verließ.

Wer wohnt denn schon so weit draußen?

Hier kann doch nur ein Verrückter hausen.

Mit etwas Mühe aber heil, kam er endlich an.

Und da stand er schon und sehr erfreut, der Herr Söhnemann.

„Wie wunderbar, schön dass Sie da sind.

Sie glauben es nicht, aber ich freue mich wie ein kleines Kind.“

„Der Weg war nicht einfach hierher zu kommen, da wo Sie wohnen.

Na hoffentlich wird es sich für uns beide lohnen.“

„Gewiss, gewiss! Es kann nicht so schlimm sein.

Aber kommen Sie doch erst einmal rein.“

Das Haus war alt und sehr verlebt,

das Inventar verstaubt und leicht verklebt.

Im Wohnzimmer roch es nach Muff, der nicht nur von der Verstopfung her rührte,

sondern weil seit Jahren kein frischer Luftzug durch das Haus hindurch führte.

„Hier, Herr Laube, sehen Sie sich das hier an.

Das Wasser steht und nichts ändert sich daran.“

„Ich sehe es, doch ich benötige mehr Infos.

Es geht schließlich um alle Ihre Klos.

Ich gehe davon aus, Sie sind nicht mit dem örtlichen Abflussnetz verbunden?“

„Da haben Sie recht! Ich bin doch nicht betrunken.

Wissen Sie was das kosten würde?

Nein, ich habe eine Fäkaliengrube.“

„Wann wurde diese das letzte Mal ausgepumpt?

Ich frage das nicht ohne Grund.“

„Das ist nicht sehr lange her.

Ein, zwei Wochen ungefähr.“

„Dann lassen Sie uns dorthin gehen,

denn ich bin gespannt, was wir dort sehen.“

Die Grube war ein unterirdischer Raum,

im Garten hinterm Zaun.

Nur ein schwerer verzinkter Deckel wies drauf hin,

unter diesem Boden war was drin.

Es ließ sich keineswegs erahnen

wie viel Kubikmeter Raum unter ihnen lagen.

Herr Söhnemann entriegelte den schweren Deckel und hob ihn soweit er konnte.

Der Öffnung entkam ein Duft der nicht auf dieser Welt sein sollte.

Doch einem Mann wie den Herrn Laube beeindruckt so etwas nicht!

Wo andere sich krümmen, als hätten sie die Gicht,

rümpft er höchstens mal die Nase

und steckt sein Kopf noch tiefer in die Sache.

Mit der Taschenlampe leuchtete er hinein.

Den Kopf schob er hinterher als wäre es kein

oder nur ein geringes Problem, den Würgereiz zu unterdrücken.

Doch er würde nicht mit dem kleinen Zeh zucken.

Er durchsuchte den Raum erst von rechts.

Dort gab es nichts Interessantes.

Auf dem Boden nur wenig verschmutzt.

Er wurde auch vor Kurzen geputzt.

Den Raum befreit von Schatten auf seiner Linken,

wollte er des Rätsels Lösung finden.

Doch was der Gestank nicht hat vollbracht,

ein anderes Werk hat es geschafft.

Mit einem Ruck war der Kopf aus dem Loch.

Die Farbe aus seinem Gesicht weg kroch.

Ungläubig und mit weit aufgerissenen Augen

konnte er das Gesehene kaum glauben.

Der Söhnemann starrte ihn unversehens an

Und fragte dann:

„Was ist denn los, mein Freund? Sie sind ja ganz blass.

Ist der Geruch doch ein wenig zu krass?“

„Da unten… da unten…“ er schüttelte sich und fasste sich wieder.

„Da unter steht ein Mann fest auf seinen Gliedern.

Aber kann das sein oder habe ich mich versehen.

Wie kann denn so etwas geschehen?“

Zum zweiten Mal steckte er seinen Kopf hinein.

Doch jetzt war er gewarnt im Vorhinein.

„Ich sehe ihn ganz deutlich

und er wirkt nicht gerade freundlich.

Sein rechter Arm steckt ganz tief in dem Abflussrohr.

Dies brachte wahrscheinlich die Verstopfung hervor.“

„Ach ja! Den habe ich ja fast vergessen.

Das war Ihr Vorgänger, Herr von Hessen.“

„Was?“

Ein schmerzvoller Tritt in den Rücken, versetzte ihn in das Loch.

Mit seiner linken Hand hielt er sich noch

oben fest an dem Rand,

mit dem dazugehörigen Schwung flog er Richtung Wand

und prallte gegen den Körper des Toten und riss ihn zu Boden.

Rasch hat er ihn weggeschoben.

Durch den Ekel und das Adrenalin war er prompt auf den Beinen.

Sein Kopf arbeitete hektisch, aber einen Grund für die Tat fand er keinen.

„Was soll der Scheiß? Holen Sie mich hier raus! Sofort!“

„Was haben Sie gesagt? Ich verstehe kein Wort.“

„Sie verdammter Hu…“, noch ehe er zu Ende sprach, fiel sein Blick auf das verstopfte Rohr.

Er traute seinen Augen kaum, denn aus diesem schaute ein Knochen empor.

Es wurde ihm schnell klar,

was da los war.

Beim Sturz auf den Boden hat er ihn zu Boden gerissen

und ihm dabei den Arm abgerissen.

Der Knochen klapperte in der Öffnung hin und her.

Der Druck auf der anderen Seite war anscheinend sehr

stark und drohte sich zu entladen,

und das schon bald, konnte man sagen.

Dann geschah es. Mit einem Pflupp entlud sich der Lauf

und der Arm flog wie ein Projektil und schlug auf

Herr Laubes Brust.

Wie schmerzhaft das war hätte niemand gewusst.

Es entlud sich der ganze Strang

vom Haus bis zum Zaun entlang

in die Grube immer mehr,

wie die Ebbe wird zur Flut im Meer.

Der Laube war voller Wut und schwer am Fluchen.

Der Herr Söhnemann hörte nur ein leises Rufen.

Weil der Schall, der unten laut erklang,

nur schwerlich bis nach oben drang.

Und weil die Geruchsbelästigung an überhand gewann,

konnte er nicht länger dran,

als den Deckel zu verschließen

um den schönen Duft der Natur wieder zu genießen.

Das runde Licht in der Decke wurde kleiner

und seine Stimme wurde heiser.

Er hörte das Plätschern aus der Wand

Um ihn herum schwamm allerhand.

Allein in der Dunkelheit stand er nun da, der Herr Laube.

Das einzige was er noch hatte, war sein Glaube.

Dann sagte er zu sich: „Wenn einem die Scheiße bis zum Halse steht,

lass den Kopf nicht hängen, solange es geht.“

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.11.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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