Ernst Wetzel
Glosse zur geschlechterspezifischen Klodeckelhandhabung
Wenn man auf eine Toilette zur Notdurft muss,
ahnt man schon, wer vorher darin nahm Einschluss.
Ist der Klodeckel unten, ist es eine Frau gewesen,
ist er oben, war es ein Mann, so die Hypothesen.
Die Klobrille sei hier nur betrachtet als ein Statist,
der Klodeckel diskutiert werden als der Protagonist.
Der „geschäftliche Teil“ ist immer wieder Anlass
um verärgert aufzumachen ein neues Fass,
wenn der Klodeckel „vergessen“ wieder oben ist,
flammt erneut auf ein argumentativer Zwist.
Mit Ernst wird über die Klodeckelthematik gestritten,
welcher Weg da wird in einer Partnerschaft beschritten.
Ähnlichen Streit gab es ja schon beim sitzend Urinieren,
wo die Männer die Pro-Argumente bewusst adaptieren,
und das stimmt jeden Toilettenbesucher doch froh
wenn die „Männer mit Niveau SITZEN auf dem Klo“.
Durch Homeoffice musste das Thema wieder aufleben,
denn man tangiert sich in der Wohnung viel mehr eben.
Dies ist nur dann ein Thema in Single-Haushalten,
wenn der Wunsch da ist, mal Feten zu veranstalten.
Was soll ein heruntergelassener Klodeckel bezwecken,
etwa ein einladendes Wohlfühlen im Bad erwecken ?
Wenn Wohlfühl-Temperatur und das Design ausdrücken,
man nicht in ein offenes Loch muss blicken,
der Gesamteindruck sieht „sauber“ aus,
dann fühlt man sich wie daheim zu Haus.
Auch ich beim Gastgeber dann eher annehme,
er auch besonderen Wert legt auf WC-Hygiene.
Indem er nur spült, wenn der Deckel ist abgesenkt,
weil sonst feinste Tröpfchen werden herausgesprengt,
die Fäkal-Keime in die unmittelbare Umgebung tragen,
über Handtücher und Zahnbürste einen können plagen1.
Aber, was ist, wenn man die Klo-Bürste einsetzen muss,
„Bremsspuren“ sind nun wirklich kein optischer Genuss,
dann ist der Deckel doch anzuheben,
um im WC Sauberkeit anzustreben … .
Der Bürsteneinsatz fördert das Aufwirbeln von Keimen1,
was soll ich argumentativ darauf jetzt reimen ?
Deckel rauf oder Deckel runter,
das macht die Diskussion erneut bunter.
Da gibt es aber doch noch ein gutes Pro-Argument,
welches jeder geschlechtsübergreifend anerkennt.
Der geschlossene Klodeckel dient gut als Kleiderablage,
dazu er gut den Körper sitzend zur Fußpflege trage.
Das bedingt, er hat eine stabile schwere Sitzqualität,
welche kennzeichnend ist für gute Stabilität.
Und wenn im Haushalt noch eine Katze wohnt,
bleibt das geliebte Haustier davor verschont,
verlockend tief unten das Wasser zu trinken,
im Loch nicht mehr zurückkommend zu versinken.
Die Gegner von Klodeckel runter wollen ihn rauf,
auch dafür gibt es Argumente zuhauf:
Die Befürworter halten es für pure Zeitverschwendung,
für einen Vorgang im Bad zur Notdurft-Ausscheidung.
Das Fundamentale beim Klogehen ist ja die „Erleichterung“,
und wenn diese erfolgt ist, folgen Spülen und Reinigung.
Beim Händewaschen setzt der Überlegungsschritt ein,
welche Arbeit hatte ich unterbrochen ganz allgemein.
Da bleibt kein Blick mehr zum (noch) offenem Klo,
weil die Arbeit eilends fortgeführt werden soll „to go“.
Ein weiteres Argument ist der Transparenzaspekt,
der offene Deckel den einladenden Anschein erweckt,
ich reinige immer regelmäßig doch meinen „Thron“,
zögere nicht, es ist hier sauber und nutze ihn doch schon.
Ich hatte mal in der Wohngemeinschaft in der Studienzeit,
zu sorgen für ein Subunternehmen auf WC’s für Sauberkeit,
Dessen Anweisung für die Beendigung des Vorgangs war,
Deckel rauf, um zu zeigen, dass hier kein Keim mehr gebar.
In Hotels habe ich nur herunter gelassene Deckel erlebt,
er z. T. zusätzlich war noch mit einem Info-Papier beklebt,
hier sei Reinigung und Desinfektion gezielt vorgenommen,
der Gast soll einen einladenden Eindruck bekommen.
In der Anwendung gibt es halt divergente Positionen,
das zu diskutieren und zu entscheiden wird sich lohnen.
Ich habe den Wunsch meiner Frau nach Wohlbehagen im Bad angenommen,
versuche, dem Absenken des sichtbaren Klodeckels tagsüber nachzukommen,
Sie ist aber ein Nachtmensch und ich gehe oft vor ihr schon schlafen,
sie mich aber mit ’nem herunter gelassenen Deckel möchte abstrafen,
das dazu mit 4 cm freier Fallhöhe und damit hörbarem dumpfen Ton,
ich in der Nachtstille aufgeweckt werde, das ärgert einen dann schon.
Und wenn einen auch schon mal der Harndruck abends übermannt,
wird im Dunkeln ohne Lichteinschalten schleichend entlang der Wand
zum Badezimmer mit innerer Anschauung zum Klo gegangen,
in flüssiger Bewegung sich davor leicht drehend angefangen,
die Hose des Schlafanzugs entlang der Beine nach unten zu streifen,
beim Niedergang ich konnte mir aber den Ärger nicht verkneifen,
landete ich aufsitzend auf dem Klodeckel nicht gerade bequem,
dass sie ihn nicht - wie vereinbart abends - anhob, war das Problem.
Ich glaubte, wir hatten vor, anders beim Klodeckelthema zu handeln,
um damit kompromissbereit auf gemeinsamen Weg zu wandeln.
Ich schlage im Kontext dieses Streitthemas die nächste Buchseite auf
und schreibe als nächstes Diskussionsthema gleich oben darauf,
muss die Badematte den ganzen Tag das Bad ausstaffieren,
um von den (nur) Hausschuhen deren Schmutz zu extrahieren ?
Das Bad hat in einer Wohnung doch eher funktionale Aspekte,
da liegen im Bad aus Männersicht zeitweise manch′ unnütze Objekte.
Man könnte ersatzweise auf den Bereich Schlafzimmer verweisen,
wo Hausstaubmilben in Betten gerne unsere Hautschuppen speisen,
macht es Sinn, frühmorgens gewöhnlich die Betten zu machen,
nur weil es Haltung zeigt, sie sich aber dann darin vervielfachen ?2
Im fortführendem satirischem Sinne viel Spaß an der Diskussion,
damit immer ein Geschlechterstreitthema bleibt in Aktion … .
1 In diesem Zusammenhang sei auf das Ergebnis folgender Studie verwiesen:
https://www.sciencedaily.com/releases/2015/06/150602130650.htm
2 https://www.t-online.de/heim-garten/haushaltstipps/id_78007386/
trotz-unordnung-darum-sollten-sie-ihr-bett-morgens-nicht-machen.html
https://praxistipps.focus.de/deshalb-sollten-sie-ihr-bett-morgens-nicht-machen_56840
https://www.fuersie.de/gesundheit/deshalb-sollten-sie-morgens-auf-keinen-fall-ihr-bett-machen-7612.html
https://www.weekend.at/entertainment/gruende-bett-machen/44.596.251

Vorheriger TitelNächster TitelDas hier angesprochene immer mal punktuell auflebende familiäre Streitthema
habe ich gerne hiermit dichterisch aufgegriffen.
Ob dies allerdings noch als Textsorte „Glosse“ durchgeht, weil sie hier doch
umfassender und analytischer dem Streitthema nachgeht, dazu in dichterischer
Versform, kann ich schwer abgrenzen zur Satire, die ich da eher oberbegrifflich sehe.
Ich bin kein Germanist.
Ich lese aber gerne Glossen in der Tageszeitung oder in Wochenmagazinen
zu aktuellen Streithemen, Ereignissen und menschlichen Verhaltensweisen.
So dachte ich mir, das hier angesprochene Streitthema wäre durch den
Begriff Glosse noch treffend erfasst.
Aber man darf mich da gerne belehren.Ernst Wetzel, Anmerkung zum Gedicht
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.02.2023.
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