Patrick Rabe

Künstliche Fesseln

Dieses Gedicht ist für Kinder nicht geiegnet. Ich empfehle es ab 16 Jahren.

Künstliche Fesseln

Ein Juni ist's wie ein September,
ein Sturm ging durch das Stadtgebiet,
kein Sturm aus Wind, kein Jack aus Amber:
Ein Sturm aus Polizeigewalt, kein Lied.
Und meine Wohnung wird die Wüste Gobi,
die Sahelzone meiner Einsamkeit,
manchmal ist es ein Sterben, so wie
das sickern eines Rinnsals Herzeleid.
Doch meistens ist's Vitalität am Gären,
ich bin schon braun, ich fühle mich als Mann,
wenn in mir Lebenssäfte schwären,
frag' ich mich, wem ich sie verschenken kann.
Dann seh' ich pralle Ärsche, nackte Beine,
und lustgeschwellte Brüste, nackte Füße,
ich seh' die Mädchen, und ich habe keine,
im Bann der Religion ist jede Süße.
Und häusliche Gewalt, Ohrfeigen fliegen,
und der Perverse kauft sich einen Boy,
ich seh' die Leichen in der Ecke liegen,
ich aber war dem Leben treu.
Ein Nazi mit 'nem Kampfhund von der Küste,
er möchte mich am Liebsten wohl zerstücken,
mir ist danach, den Töterich der Lüste
in Grund und Boden und hinfort zu ficken.


© by Patrick Rabe,17. Juni 2023, Hamburg.

Dieses Gedicht ist Oliver Möller gewidmet, der in den 1990ern die Band "Amber Jack" hatte, und Henry Miller, dessen Bücher "Wendekreis des Steinbocks" und "Opus Pistorum" ich zwischen 2005 und 2013 verschlungen habe, als ich mal Bock hatte, etwas gewagtes zu lesen. Nach der Lektüre von Henry Miller - er schrieb in den 1920er Jahren, also zu Beginn des letzten Jahrhunderts, und hat in seinen Büchern Schoten gebracht, für die man heute ins Gefängnis käme, hat mich die spießig-prüde Diskussion um meine wesentlich harmloseren Werke immer eher angenervt. In diesem Gedicht geht es um die midlife-Crisis, in der ich ja schon ein paar Jahre lang bin. Das hat man/frau füher normal gefunden. heute gilt die Midlife-Crisis in manchen Gegenden als Vorstufe zur Pädophilie. Genau deswegen bin ich auch gegen den deutschen Rechtsruck und die immer stärker werdenden, fundamentalistischen religionen. Besonders im Christentum ist in den letzten fünf jahren wieder eine derartig ätzende Prüderie und Verklemmtheit gepredigt worden, dass ich mich nicht scheue, zu benennen, wen ich mit dem Töterich der Lust meine: Jesus Christus. Ich finde seine Ethik mit der Nächstenliebe nach wie vor gut, aber die Sexualfeindlichkeit den Kirchen einerseits und die sexuellen Missbräuche in den Kirchen andererseits lassen mich zumindest die Kirche hassen. Ich widme dieses Gedicht daher auch Frank Wedekind, dessen Stück "Frühlings Erwachen" für mich eminent wichtig war. Ich habe es diesmal bewusst in einem Block geschrieben, und nicht in Strophen, weil ich die lastende Kompaktheit dieses Gedichtsinhaltes und des geschilderten Sommernsachmittages damit zum Ausdruck bringen wollte. Es ist möglich, dass das Gedicht auch ein wenig von den Songs von Rammstein und der Affäre um Till Lindemann inspiriert ist, aber so war es eigentlich nicht gemeint. Ich mag viele Songs von Rammstein trotzdem, und mein gedicht ist eigentlich von meinem leben inspiriert, und von den haltlosen Vorwürfen wegen Pädophilie und sexueller Belästigung gegen mich in den letzten Jahren. Deswegen schrieb ich auch weiter oben, man (und vrau) dürfe ja heuzutage keine vernünftige midlife Crisis mehr haben. mann/Frau steht dann zwar noch mal  auf Jüngere, aber ja nicht auf Kinder.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.06.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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