Julius Josef Mayer

Weihnachtsgruß

Ein Tannenbaum aus tiefem Walde
liegt, weil er krumm ist, auf der Halde.
„So hab‘ ich mir das nicht gedacht,
zwei Tage vor der Heil‘gen Nacht!“
Denkt sich der schiefe Baum verstimmt.
„Dass krumme Tannen keiner nimmt!“
            
Ein armer Mann im Arbeitskleide,
zieht einen Karren, durch die Heide.                    
Er sammelt Brennholz, Scheit um Scheit,
In mühevoller Kleinarbeit.
Auch dürre Äste, Tannenzweige,
legt sorgsam er, in eine Steige,
bei der Halde bleibt er steh’n,
um sich nach Kleinholz umzuseh’n.

Er sieht die kleine Tanne kaum,
unter all dem Schuttabraum.                 
Er murmelt:“Schau wie schön die ist!“
Hebt sachte sie, aus all dem Mist.

Das hätt‘ ich mir jetzt nicht gedacht,
zwei Tage vor der Heil‘gen Nacht!“
Denkt sich der schiefe Baum erfreut.
„Nicht jeder, krumme Tannen scheut!“

Den vollen Karren hinterher,
von Tannen zieht, der alte Herr.
Dem Dorfe zu, im Abendrot.
Der Ballast macht ihm Atemnot.
Es führt der Weg zum Friedhof hin,
dort ruhen seine Liebsten drin,
er fährt mit seinem Fuhrwerk vor,
stellt eilends es vors Eisentor.
                                            
Mit seiner Tanne in der Hand,
eilt er zum Grab, beim Friedhofsrand.
Er murmelt: „Schau! Das schöne Ding!
Als Weihnachtsgruß ich es dir bring!“

„Das hätt‘ ich mir jetzt nicht gedacht,
zwei Tage vor der Heil‘gen Nacht!“
Denkt sich der schiefe Baum beklommen.    
„Selbst krumme Tannen sind willkommen!“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.11.2023. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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