Annette Hillringhaus

Das Weihnachtsgewand

 

Heute legt der Weihnachtsmann
die Montur fürs Reisen an.
Wie schon seine Mutter sagte,
eine alte, sehr betagte

 

Frau von praktischer Natur:
„Es liegt an der Wäsche nur,
die man richtig wählen muss,
Alles drüber ist der Guss.“

 

Also zieht der Weihnachtsmann
lange Unterhosen an,
Thermo-Shirt mit V-Ausschnitt,
dieses Jahr der neuste Hit.

 

Warme Socken, fein geringelt,
 hat er noch, weil einst getingelt
er als Christkinds Helferlein,
packte die Geschenke ein.

 

Nun die Hose, rot und weich,
zieht er hoch und stutzt sogleich,
weil da irgendwas nicht passt.
Ach, wie er das Anziehn hasst!

 

Unter einer Neonlampe
starrt er böse auf die Wampe,
die verhindert ihn zu kleiden
ohne eingequetscht zu leiden.

 

Auch die Jacke ist sehr knapp,
platzen schon die Knöpfe ab!
Und der Gürtel, ach wie dumm,
reicht nicht um den Leib herum.

 

Weihnachtsmann, es wird jetzt Zeit,
denn der Schlitten steht bereit,
also solltest du entscheiden,
dich nun anders anzukleiden.

 

Kurzerhand schnappt er ein Laken,
das da hängt an einem Haken.
Wie nen Umhang wirft er‘s über,
legt noch ein paar Borten drüber.

 

Schnell noch Schuhe angezogen,
greift ‘nen Stab sich mit ‘nem Bogen,
nun was Hübsches noch als Hut –
Origami Wunder tut!
 
Verschämt er in den Spiegel blickt,
doch ist glücklich und entzückt,
denn er sieht nun prächtig aus:
wie der Bischof Nikolaus!
 
 
 
© Annette Hillringhaus 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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