Ingrid Baumgart-Fütterer
Schlemmereien - Faulenzerei - Übergewicht
"Arme-Leute - Essen"? - mitnichten! -
Pellkartoffeln mit Hering, ein Genuss,
vor allem, wenn Fisch mit einem Schuss
Weißwein im Geschmack verfeinert wird
- Fischbesteck schon bei der Vorstellung klirrt -
Wasser läuft einem im Mund zusammen
bei Fischen, die aus dem Meer stammen,
erst recht, wenn Heringe fangfrisch sind
- man freut sich aufs Fischgericht wie ein Kind -
Einst schätzte man Gerichte mit Hering
als "Arme-Leute-Essen" gering,
jetzt zählt, s zu den Delikatessen
- von denen man nicht genug essen kann -
-2-
Für Druckentlastung sorgen
Nach der Hausmannskost drückt, s im Magen,
ihn quält manch Ructus und auch Flatus
ihm ist, s peinlich, den Arzt zu fragen
was zu tun ist bei solchem Status.
Zum Glück räumt Rennie den Magen auf,
Lefax macht Darmgasen den Garaus,
sie entweichen auch beim Dauerlauf,
drum dreht er ein paar Runden ums Haus.
-3-
"Wie bei Muttern"
Werden Leckerbissen aufgetischt,
Hans sich verstohlen den Mund abwischt,
Wasser läuft ihm im Mund zusammen,
Reflexe aus der Kindheit stammen,
als Mutters Kochkunst ihn verwöhnte
und er vor Begehr schmatzte, stöhnte -
Mutters delikate Hausmannskost
- dazu 'ne Karaffe Traubenmost -
wird von der Ehefrau nachgekocht,
seit der Vermählung er darauf pocht.
-4-
Von der Bedienung ignoriert
-1-
Wie Kaugummi dehnt sich die Zeit,
der Magen hängt auf den Knien,
keine Bedienung weit und breit,
obwohl sie schon nach ihr schrien.
-2-
Im leeren Magen gärt der Groll,
bald gibt es für sie kein Halten,
haben vom Warten Nase voll,
Menükarte sie entfalten.
-3-
Sie reißen das Papier heraus,
schreddern es mit den Zähnen,
spucken den Papierbrei heraus
und lachen wie Hyänen.
-4-
Die Bedienung kommt angerannt,
gefolgt vom Wirtshausbesitzer,
jetzt sind allesamt angespannt,
kein Wunder, bei solchem Schnitzer.
-5-
Entschädigt werden die Gäste,
es wird nun beiden aufgetischt,
reichlich, wie zum Ehrenfeste,
ein Geschenk, das Laune auffrischt.
-5-
Sportmuffel
Couchpotatoes halten nicht viel von Sport,
für sie ist Sport gewissermaßen Mord
schauen sich lieber Sport im TV an,
fiebern mit um Sieg, geraten in Bann
vor lauter Spannung - begießen den Sieg,
genießen den Adrenalinanstieg
in der Blutbahn, er peitscht an ihre Lust,
es löst sich in Luft auf, jeglicher Frust,
man stemmt Bierkrüge und prostet sich zu
und stimmt Siegeslieder an, immerzu,
belohnt sich mit Currywurst und Pommes frites
und erzählt sich froh gestimmt manchen Witz.
-6-
Durch dick und dünn mit den Männern ihres Herzens
-1-
Marie hat sich in Peter verguckt,
vor Begehr ihr liebendes Herz zuckt,
er erhört ihr inniges Flehen,
entscheidet sich, mit ihr zu "gehen".
-2-
Sie ist so glücklich, wie nie zuvor,
leider sie an Gewicht viel verlor
in früherer Beziehung zu Ted,
für ihn war sie anfangs viel zu fett.
-3-
Sie hungerte sich runter, Pfunde,
dann machte ein Gerücht die Runde,
es bewahrheitete sich sogar,
Teds Geliebte hatte weißes Haar.
-4-
Peter nur mollige Frauen mag,
schon als Kind gern im runden Arm lag,
jetzt muss sie sich Pfunde anfuttern
mit der Hausmannskost, wie bei Muttern.
-5-
Bald wird Marie wieder mollig sein,
mit Cellulite an jedem Bein,
nun hofft sie, dass sie so bleiben kann,
bevor sie liebt ’nen anderen Mann -
für den sie erneut abspecken muss,
um sich zu verdienen einen Kuss....
-7-
Eine allzu schwere Fracht
Der Bus aus den 70er Jahren
hatte schwere Lasten gefahren,
war unterwegs mit Schwergewichten
- Menschen mit etlichen Speckschichten -
die alle 'ne Abspeckkur machten,
sich schlanker und vitaler dachten
auf vielen Meditationsreisen,
doch quälte sie Gedankenkreisen
um Sahneeis, Torten, Schokobrei,
Genuss war ihnen nicht einerlei,
drum machten sie Reisen mit dem Bus
- jeder Tagesausflug ein Genuss -
aßen sich satt bis zum Gehtnichtmehr
und machten dem Bus sein Leben schwer,
der ächzte, stöhnte unter der Last,
verteufelte die gierige Mast,
bald er auf nackten Felgen rollte,
nur widerwillig er sich trollte
Richtung Autofriedhof und Schrottplatz,
all seine Mühe war für die Katz -
ein Ersatzbus war schnell gefunden,
der tapfer durchhielt, viele Stunden,
bis er erschöpft zusammenkrachte,
weil man ihm das Leben schwermachte.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.10.2024.
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