Günter Weschke

Im Treppenlift zum Traualtar



Im Altersheim ist Firlefanz,
Oskar wagt es auch einmal,
er fordert Olga auf zum Tanz,
die Zwei sie sind schon 90 Jahr.
“Wir Zwei sind doch schon 90 Jahr,
wollen wir ein Tänzchen Wagen?”
Olga reicht ihm ihre Hand
und wagt es kaum ein -Ja- zu sagen.
So tanzen sie im Walzerschritt
und fühlen sich so jung dabei,
Er geleitet sie zum Tisch,
Olga fühlt sich Wohl dabei.
Hier geht Oskar gleich aufs Ganze,
bittet sie um ihre Hand,
Olga, noch ganz wirr vom Tanze
sagt -Ja-, nicht ohne Standesamt.
Vom ersten Stock, per Treppenlift,
ging es zur Zeremonie.
Oskar war schon leicht bekifft,
Olga schmerzt das Knie.
Schnell hatten Beide -Ja- gesagt,
danach gab’s ein Glas Sekt,
Zurück ging es per Treppenlift,
der Sekt hat nicht geschmeckt.
Jeder ging in sein Gemach,
und Oskar fragte sich mit Recht:
“Wie war das noch, was kam danach?
Ich glaub’ der Sekt war schlecht?”
Auch Olga saß im Kämmerlein,
der Sekt, er macht sie müde,
Ihr Herz es klopft, sie ruft -Herein-!”
Der Tag beginnt, das Wetter ist heut’ trübe.
Im Frühstückssaal am Frühstückstisch,
es gibt heut’ Haferbrei,
Der Oskar sagt zur Olga:
“Ich muss dir was gesteh’n!”
Sie nickt und sagt “Ja, und ja,
aber es ist doch nichts gescheh’n!”
Ich bin noch Jungfrau, glaube mir,
drei Ehemänner hab ich umgebracht,
sie starben noch in der Hochzeitsnacht.
Der Vierte solltest du nicht sein,
drum schlief ich in meinem Kämmerlein.
Ich bleibe Jungfrau bis zum Tod,
bis mich dann der Teufel holt.


























 

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