Leonhard Ried
Leicht überforderte Entrümpler packen aus
Die Schubladen leeren sich
und die Tonnen füllen sich.
Der Berg der Utensilien wird nicht kleiner,
sondern immer noch größer.
Wir finden einen Aschenbecher,
der seit 30 Jahren nicht geleert worden ist,
Ostereier aus Schokolade,
deren Haltbarkeitsdatum schon längst abgelaufen ist.
ein EEG Protokoll aus dem Jahre 1975.
Das Leben meiner Schwiegereltern wird nochmals aufgerollt.
Wir erfahren Dinge, die uns immer verschwiegen worden sind.
Zeugnisse von einem Sorgerechtsstreit,
Entnazifizierungsurkunden.
Wir wissen, dass der Schwiegervater mit Begeisterung an den Veranstaltungen der Hitlerjugend teilgenommen hat.
Eine Unzahl von Taschenmessern weist uns darauf hin.
Das Entrümpeln macht uns manchmal ganz kirre.
Vorher brauchen wir eine Tasse Kaffee
und danach ein kräftiges Mittagessen.
Wir ziehen Arbeitskleidung an.
Denn es staubt und stinkt.
Nicht selten packt mich die Wut:
Mit leeren Händen sind sie aus dem Sudetenland gekommen,
und doch haben sie es zu einem beträchtlichen Reichtum gebracht.
Sie haben gekauft und gehortet und alles gleich mehrfach gekauft:
eine Unzahl von Fotoapparaten, Radios und anderen elektrischen Geräten.
Und nichts davon konnten sie hergeben oder entsorgen.
Und wir stehen jetzt vor einem großen Müllhaufen
und sehen ein hohes Maß an Verwahrlosung,
das den Besuchern immer verborgen geblieben ist.
Im Hintergrund begleitet uns aber auch die Frage:
Was werden wir hinterlassen?
Was werden unsere Nachkommen empfinden,
wenn sie unsere Wohnung entrümpeln?
Und kritisch durchforsten wir jetzt unseren eigenen Verhau.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.07.2025.
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