Dietrich Pietsch
Zu Hause
Nach der letzten Stunde
fragt sie
mit dem süßesten Lächeln
auf den Lippen,
ob sie mit zu mir könne,
für unser Bioprojekt.
Ich stocke einen Moment -
denn meine Gedanken eilen voraus,
steigen angespannt
die Treppe hinauf,
durch die vertraute Wohnungstür,
weiter in den engen Flur,
bis die Hand
die Klinke des Wohnzimmers findet.
Dort liegt sie
auf dem Sofa,
ausgestreckt,
ihr Atem tief und schwer,
der Aschenbecher
bis zum Rand gefüllt,
die Rotweinflasche leer,
die Haare wirr,
im Halbdunkel,
wie vergessen.
Ich komme zurück,
finde ihr Lächeln,
das so gar nichts
von all dem weiß,
und sage leise:
Heute nicht.
©dietrichpietsch
Vorheriger TitelNächster TitelEure Kommentare haben mir gezeigt, dass es mir nicht gelang, meine ursprüngliche Idee zu vermitteln. Deshalb habe ich in der letzen Strophe eine kleine Änderung vorgenommen. Ich hoffe auf euer Verständnis, denn der Text ist mir sehr wichtig.Dietrich Pietsch, Anmerkung zum Gedicht
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2025.
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