Daniele Breveglieri
PECHVOGEL
Das ist die traurige Geschichte von Nanga Elboko, der in einem kleinen,
geradezu winzigen westafrikanischen Land, sich an einem schönen Samstag
Nachmittag die Zeit auf einem Golfplatz vertreibt, unweit der Küste, direkt
neben dem Flugplatz. Nicht wissend, dass dieser Tag sein Leben auf eine zu
diesem Zeitpunkt noch nicht absehbare Art und Weise beeinflussen würde.
Als Nanga Elboko, der in dieser Sportart als überaus routiniert
und erfahren einzuschätzen ist, den Ball, der in einer kleinen Senke im
Grün des hiesigen Golfareals liegt, mit einem kräftigen und
präzisen Schlag unerwartet weit über den Zaun auf das Gelände des
benachbarten Militärflughafens schlägt, nimmt in diesem Moment eine
Kette unglücklicher Umstände ihren Lauf. Mit der Wucht eines
Geschosses durchschlägt der kleine weiße Golfball das Cockpit eines
gerade startenden Jets der heimischen königlichen Luftwaffe, dessen Pilot
erst die Kontrolle über das Flugzeug verliert und dann ungebremst in
weitere am Rande des Flugfelds geparkte Maschinen kracht und diese nahezu
vollständig zerstört.
Auch wenn der mit dem Schleudersitz
gerettete Pilot unverletzt geblieben war und auch sonst keine weiteren
Menschenleben zu beklagen waren, so dämmert es Nanga Elboko langsam dass er
in Schwierigkeiten steckt. In großenSchwierigkeiten.
Er
könnte weglaufen, doch wo sollte er sich verstecken? Man würde
sogleich nach ihm suchen. Selbst eine Haftpflichtversicherung würde ihm
jetzt nicht helfen können, mal ganz abgesehen von der Tatsache daß er
gar keine besaß. Was hätte er auch melden können? Einen
Glasschaden? In Höhe mehrerer Millionen Dollar? Wohl kaum.
Er könnte zur Polizei gehen und den Sachverhalt schildern, die
würden ihn aber verhaften, schlagen, und vermutlich, wie in solchen
Ländern gelegentlich üblich, etwas foltern. Und dann dem Militär
übergeben.
So wie er das von seinem Standpunkt auf dem
schmalen Hügel überblicken konnte hatte er, zwar gänzlich
unabsichtlich, die gesamte Luftwaffe seines Landes lahmgelegt. Und er begann zu
ahnen, daß der Präsident seines geliebten, im Moment allerdings
gänzlich schutzlosen Landes, die Lage gewiss nicht so differenziert
beurteilen würde. Die Luftwaffe, ausgerechnet die Luftwaffe, der ganze
Stolz des Präsidenten, durch eine Unachtsamkeit der Lächerlichkeit
preisgegeben. Hatte Nanga Elboko bis eben noch geglaubt er würde als
„Pechvogel des Jahres" mit einer Tracht Prügel und lebenslang
mit einer Zahnbürste das Rollfeld des Flugplatzes putzend davonkommen,
musste er sich eingestehen daß diese unglückliche Geschichte ein
weitaus übleres Ende nehmen würde. Und so kam es, daß man Nanga
Elboko spät am Abend auf dem Gelände des Golfclubs fand, leblos an
einem Baum hängend, direkt neben dem Flugplatz.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.02.2026.
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