Ditar Kalaja

domino-effekt


der frieden wurde wieder einmal gerettet.
mit raketen.

man kennt das ja.
wenn etwas kompliziert ist –
diplomatie zum beispiel –
dann wirft man einfach
ein paar milliarden dollar drauf.
oder bomben.
je nachdem, was gerade verfügbar ist.

„regime change“,
das klingt wie eine neue app.
update verfügbar.
version 2.0 – jetzt mit weniger diktatur
und mehr…
ja was eigentlich?

man zeigt auf den iran
und sagt:
„terrorregime!“

was vermutlich stimmt.
aber seit wann war die welt
ein ort,
an dem moralische reinheit
die eintrittskarte für souveränität ist?

wenn das die regel wäre,
müsste man die hälfte der weltkarte
neu drucken.

und während strategen mit laserpointern
über satellitenbilder streichen,
steht irgendwo ein tanker
in der straße von hormus
und denkt sich:
„heute lieber nicht.“

20 prozent des weltweiten ölhandels
passen durch diese meerenge.
zwanzig.
prozent.

das ist kein nadelöhr,
das ist die halsschlagader der globalisierung.

aber hey –
wenn sie verstopft,
steigen halt die preise.
ein bisschen inflation
hat noch keinem imperium geschadet.
fragt mal das römische.

die börse reagiert nervös.
gold glänzt.
aktien zittern.

aber keine sorge,
die waffenindustrie
hat stabile dividenden.

irgendwo hebt ein manager
sein glas
auf die „geopolitische dynamik“.

zynismus?
nein.
nur marktlogik.

und wir erinnern uns kurz
an die „erfolge“:

irak –
mission accomplished.
demokratie im bausatz.
batterien nicht enthalten.

libyen –
diktator weg,
staat gleich mit entsorgt.

syrien –
ein bürgerkrieg als dauerabo.

aber diesmal,
wirklich diesmal,
wird alles anders.

diesmal hat man bessere drohnen.

man sagt:
„man muss das problem an der wurzel packen.“

was seltsam ist,
denn bisher hat man vor allem
am stamm gesägt
und war dann überrascht,
dass der wald brennt.

und währenddessen:

flughäfen im golfraum geschlossen.
touristen stranden zwischen duty-free
und durchhalteparolen.

schiffe nehmen den umweg
um afrika –
weil es ja nichts effizienteres gibt
als 6.000 zusätzliche seemeilen
für ein bisschen geopolitische prinzipienfestigkeit.

lieferketten reißen.
container stapeln sich.
preisschilder klettern.

aber immerhin
klettert auch die moralische überlegenheit.

und irgendwo sitzen zwei männer
mit gläsern in der hand
und überlegen strategisch:

trump denkt: ablenkung von epstein-skandal, zölle und wirtschaftskrise,
netanjahu denkt: ein bisschen außenpolitik, ein bisschen innenpolitik,
hauptsache, die eigenen probleme verschwinden im puff der explosionswolken.

die frage ist ja nicht:
ist das regime brutal?

die frage ist:
ist ein flächenbrand
die geeignete methode,
um eine kerze auszublasen?

und irgendwo sitzt ein politiker
vor einer weltkarte
und denkt in linien:
ein schlag hier.
eine reaktion dort.
ein kalkulierbares risiko.

nur dass die welt
kein schachbrett ist.

sondern ein domino.

und jedes steinchen
trägt einen preis.

für energie.
für brot.
für hoffnung.

„lohnt sich das?“

kommt drauf an,
was man zählt.

zählt man raketen?
oder rechnungen?

zählt man geopolitische punkte?
oder kinder,
die in noch einem land
lernen müssen,
wie sirenen klingen?

vielleicht ist das absurde nicht,
dass regime brutal sind.

vielleicht ist das absurde,
dass wir glauben,
brutalität sei eine geeignete therapie
gegen brutalität.

aber keine sorge.
sollte alles schiefgehen,
wird man es anders nennen:

„unvorhergesehene dynamik.“
„komplexe lage.“
„langfristige transformation.“

das wort „fehler“
passt selten in eine pressekonferenz.

und so dreht sich die welt weiter.
barrel um barrel.
milliarde um milliarde.
schlag um gegenschlag.

und wir?

wir zahlen.

mit inflation.
mit unsicherheit.
mit der stillen gewissheit,
dass „für euer bestes“
schon immer
die teuerste aller begründungen war.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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