Harald Herrmann

Gemoie

 
 
Als mein Opa ein junger Bursche war, war es auf dem kleinen Bauernhof üblich, dass man morgens um Fünf am Frühstückstisch saß, um danach die Stallarbeit, speziell das Melken der Kühe, zu erledigen, auch und gerade am Sonntagmorgen, um rechtzeitig zum Kirchgang fertig zu sein.
Nun ja, auch damals wurde gerne mal gefeiert, auch und gerade, weil die Anlässe dafür rar waren, und "es Wilhelmche" hatte wohl ein wenig lange und ein wenig zu viel getrunken. Bis ihn seine Mutter aus dem Bett und an den Frühstückstisch "komplimentiert" hatte, war es schon ein Viertel nach Fünf.
Als er mit einem verschlafenen »Gemoie« die Küche betrat, kam von seinem Vater, ohne dass dieser aufblickte, nur der Satz:
»Brauchst naumie "Gemoie" se saa, de Doag es fast erimm!«
(»Brauchst nicht mehr "Guten Morgen" zu sagen, der Tag ist fast herum!«)
 Na ja, "zwuu Bruut met Quotschehoink en e Keppche Kaffie" (zwei Brote mit Zwetschgenhonig und eine Tasse "Kaffe") durfte er schnell noch verschlingen, dann ging es in den Stall …

***
 Der "Kaffe" dürfte ihn kaum munterer gemacht haben, ich habe auf dem Speicher noch die Röstpfanne gefunden, mit der Gerste und manche undefinirbare sonstige Zutaten zu "Kaffee" geröstet wurden, Das war ein größerer Akt, musste doch für diese Röstpfanne einige Herdringe ausgehängt werden, dass sie passgenau direkt über der Glut hing. Die Hausfrau stand dann dabei und kurbelte so lange, bis der Inhalt - in manchen Fällen sogar echter Kaffee - den richtigen Röstgrad erreicht hatte …

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Harald Herrmann).
Der Beitrag wurde von Harald Herrmann auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

Bild von Harald Herrmann

  Harald Herrmann als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Der Mensch denkt, der Tod lenkt von Waltraud Wickinghoff



Ein Ruhrgebietskrimi mit Blick über den Tellerrand (Mordversuch, Mord und Kidnapping eines Kindes)

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Autobiografisches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Harald Herrmann

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Noch eine Reh-Animation … von Harald Herrmann (Humor - Zum Schmunzeln)
Schnapszahlen von Norbert Wittke (Autobiografisches)
Wahlversprechen! von Heidemarie Rottermanner (Klartext)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen