Andreas Herkert-Rademacher
Kompass-Komplikationen
Als ich noch ein kleines Kind war,
also sozusagen gestern,
war beim Blick zum Bildschirm gleich klar:
was da läuft, das ist ein Western.
Bilder von Indianerstämmen,
Tipis, Federn, Marterpfahl,
Rauchsignal auf Hügelkämmen
für die Meldung Richtung Tal.
Gegenpart: der Cowboy-Clan
mit dem Planwagengespann,
damals sowas wie ein Van,
nur mit Stoffdach oben dran.
Damit ist man von der Farm
in die ferne Stadt gereist,
traf dort oftmals den Gendarm,
der da aber Scheriff heißt.
Erster Weg war zum Saloon,
für ein Gläschen, oder zwei.
Pünktlich 12 Uhr, sprich High Noon,
gab es eine Schießerei.
Ja, im Schwarz-Weiß-Wilden Westen
fühlte ich mich fast geborgen,
bis sie meine Logik stressten,
just an jenem Sonntagmorgen:
vor der Kirche irritierte
man mein Weltbild mit zwei Postern,
weil ein Schriftzug diese zierte:
Christen, freut euch, bald ist Ostern.
Sofort hatte ich ein Bild:
Hase, der auf Hühnern reitet,
schießt auf Eier, vogelwild.
Keine Angst, er überschreitet
damit keine Kompetenzen,
denn er nutzt nur Farbpatronen.
Dies führt nicht zu Konsequenzen,
weil die Eierschalen schonen.
Wenn er abdrückt, bleibt bei diesen
nicht die allerkleinste Narbe,
denn sie kriegen durch das Schießen
nur Verschönerung dank Farbe.
Und im Western, da bewegten
sie einst scharenweise Rinder,
mit in Wiesen hinterlegten
Sachen osterzeitlich Kinder.
Die sind dann auf Beutezug,
nur auf Süßes statt auf Büffel,
davon gibt es noch genug
und statt Fleisch ist innen Trüffel.
Über diese Parallele
komme ich mit Ostern klar,
während ich in tiefster Seele
dennoch etwas ängstlich war:
gibt es außerdem den Nordern,
ohne dass ich davon weiß?
Jagt man dort mit Außenbordern
im Gebiet von Schnee und Eis?
Dafür wird es dann wohl friedlich,
in noch nicht genannten Südern?
Weil sich alle dort, wie niedlich,
mögen, knuddeln und verbrüdern?
Höchste Zeit, dass ich das kläre,
denn sonst ist mein Tag versaut.
Und dann wird der legendäre
„12 Uhr mittags“ angeschaut.
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Der Beitrag wurde von Andreas Herkert-Rademacher auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.03.2026.
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