Dietrich Pietsch
Das Lächeln
Es war kurz nach elf,
das Bier schon warm.
Die Bar war fast leer.
Sie setzte sich trotzdem zu ihm.
Legte die Hände um ihr Glas,
als hätte sie Angst,
dass es ihr jemand wegnimmt.
Später redeten sie.
Über nichts Besonderes –
die Musik aus der Jukebox,
die Uhr, die nicht stimmte.
Dann sagte sie es.
Mein Mann ist tot.
Einfach so, zwischen zwei Schlucken.
Er nickte.
Sagte nichts.
Trank.
Er wusste wie dieser Satz schmeckt.
Irgendwo in seinem Kopf
war sie kurz da –
seine Frau –
nicht als Gesicht,
sondern als Leere.
Die verdammte Leere, die bleibt,
wenn alles andere geht.
Später, als schon die ersten Stühle
auf den Tischen standen,
fragte er sie.
Warum hast du dich zu mir gesetzt?
Sie sah ihn an.
Legte kurz die Hand auf seine.
Du hast so ein trauriges Lächeln.
Er lachte kurz auf.
Das Lachen eines Mannes,
der weiß,
dass er ertappt wurde.
Nicht von ihr.
Von sich selbst.
©dietrichpietsch – 03/2026
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.03.2026.
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