Dietrich Pietsch
Der Akt
sie öffnet die tür
mit farbe an den fingern
ihr zimmer
vollgestellt mit bildern
kein platz mehr an den wänden
einige auf dem boden
an die wand gelehnt
abstraktes
das mehr fühlt als sagt
daneben gesichter
die mich nicht loslassen
ich gehe langsam
durch ein chaos
das noch nicht fertig ist
dann sehe ich es
ein körper
männlich
nackt
ich bleibe stehen
sie kommt neben mich
wischt sich die hände an der hose ab
sieht kurz hin
vorne
sagt sie
das ist mir missglückt
ich nicke
ich weiß, wovon sie spricht
sie küsst mich
ohne zu zögern
nachts
bleibe ich
ihr arm liegt auf mir
schwer genug
um nicht zu gehen
am morgen muss ich los
ich denke nicht mehr an das bild
ein paar tage später
komme ich zurück
alles ist noch da
nur dieses eine nicht
oder doch
es steht da
unter einem tuch
ich frage nicht
ich fasse das tuch
ziehe es beiseite
der körper ist noch derselbe
und doch nicht
kraftvoller jetzt
und ohne scheu
ich schaue länger hin
verdammt
sage ich leise
das bin ich
©dietrichpietsch- 03/2026
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.03.2026.
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