Karin Guterding
Osterprozession in Spanien
In Sevillas Gassen, eng und alt,
wo jedes Räuspern widerhallt,
da zieht ein Zug, andächtig still,
als ob die Nacht nicht enden will.
Auf einem Tambor gibt ein Mann,
den Rhythmus eines Marsches an.
Die Welt steht still, der Atem schweigt,
bis sich die Menge leicht verneigt.
Die Kerzen zittern, als ob sie frören,
aber den Trommler scheint es nicht zu stören,
wenn Männer mit Ketten an den Füßen,
sichtbar und schwer für ihre Sünden büßen.
Jeder Schritt wirkt wie ein Gebet,
das Mensch durch Mark und Beine geht.
Ein Trommeln, ein Schritt, monotoner Klang,
die Gassen sind eng, ihr Weg ist lang.[1]
Der Paso[2], mächtig tonnenschwer,
getragen von einem Menschenheer,
mit Christi Leid in Holz geschnitzt
und nur von starker Hand gestützt.
Dann singen Saetas[3] von Balkonen,
ihre Gebete in eigenen Versionen.
Ein Schrei, ein Flehen, rau und klar,
ihr inniger Glaube offenbar.
Wenn dann der letzte Ton verweht,
die Menge still nach Hause geht.
Und keine Macht kann ihnen rauben,
all ihre Ehrfurcht und den Glauben.
[1] Die Prozessionen sind zwischen 8 und 13 Stunden unterwegs
[2] ein bis zu 3 Tonnen schwerer, prunkvoller Holzthron, mit Szenen der Passion Christi, wird von bis zu 60 Männern getragen, die immer nach einer Stunde abgelöst werden.
[3] Männer, die eine gesungenes Gebet, ohne Instrument darbieten ( Cante Hondo ). Bei jedem „Saetas“ hält die Prozession an.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.04.2026.
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