Leonhard Ried

Ein Frühlingsspaziergang am Dienstag nach Ostern!

 


So blau war der Himmel noch nie!
Alles leuchtet.
Von hellem Licht erfüllt sind
Straßen, Wege und Fassaden.

Der “amerikanische Park” ist fast leer gefegt,
obgleich eigentlich Ferien sind.
Viele Bäume scheinen noch im Verzug zu sein
sie wagen sich noch nicht ganz aus der Deckung.
Jeder Baum ist in seinem Wuchs einzigartig.
Sind die Bäume uns Menschen ähnlich?

Eine Frau, die kein Deutsch kann,
bestellt einen “americano” mit Hafermilch.
Die Verkäuferinnen sind völlig überfordert.
Sie haben dieses Wort noch nie gehört.
Endlich kann ich mir als Dolmetscher Gehör verschaffen.
Die junge Ausländerin umgarne ich
mit meiner Hilfsbereitschaft.

Ein sehr kleiner Junge trägt bereits 
einen Rucksack auf dem Rücken.
In der Hand hält er eine Flasche,
die man eigentlich nur Säuglingen reicht.
Ich nehme an, dass er gerade
aus der nahe gelegenen Kindertagesstätte abgeholt wurde.
Er hat Lust, ein wenig Verstecken mit mir zu spielen,
und klammert sich dabei an die Beine seines riesigen Vaters.

Ich rede immer ein paar Worte
mit der jungen irakischen Kassiererin.
Sie wirkt meist ein wenig träge.
Doch plötzlich kommt Leben in ihr Gesicht,
ihre Augen blitzen auf für einen Moment.
Ihr Lächeln gilt aber nicht mir.
Im Hintergrund dürfte ein junger Mann unterwegs sein,
der irgendeinen Schabernack mit ihr treibt.

Ein alter Türke läuft allein durch den Park.
Er steckt die Hände in die Jackentasche
und summt leise, aber vernehmlich, eine Melodie vor sich hin.

Vor unserer Wohnung erwartet mich wieder
die Allee mit den wunderschön blühenden Zierkirschen.
Ich komme mir vor wie ein König,
der in seinem Palast erwartet wird.

 

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