Ditar Kalaja

POETRY SLAM: LEERE SPRÜCHE – PERFORMANCE-SCORE

 

unterm strich: bla
(langsames, nachdenkliches Intro, Blick ins Publikum, Stuhlquietschen betonen)

ich komm rein –
stuhl quietscht – beat fehlt – egal ich red
(leicht beschleunigen, selbstironisch, Hände gestikulierend)

also—
NEIN! (Pause, Augenbrauen hoch, Stop-Geste)
nicht also
nicht schon wieder also

mein gehirn so: bitte nicht
mein mund so: also ich sag mal so
(leicht übertrieben, Stimme „gefangen zwischen Willen und Automatismus“)

bam. erster fail im intro, timing low
flow so mittel, selbstvertrau’n irgendwo
zwischen „passt schon“ und „wird schon“

und ich so: wird schon? wird schon?? wird schon???
(schnell steigern, Panik/Gedankenkreisen darstellen)

wie zur wahrheit gehört…
(langsam, ironisch, Augenrollen)
ich hab keinen plan, aber ich kling sehr überzeugt
so überzeugt wie leute, die sagen:
„das ist ein spannender ansatz“
und meinen: bitte hör sofort auf damit, schatz

du nickst, ich nick, wir nicken im takt
nicknicknick – smalltalk kontrakt
(schnelle, repetitive Handbewegungen, fast robotisch)

du so: „bin voll bei dir“
ich so: perfekt, dann sind wir lost zu viert
ich, du, mein ego und mein innerer coach
der schreit: „halt die klappe!“ – ich hör ihn nur noch wie durch’n rohr
(schüchtern, Stimme leise, dann fast übertrieben laut: „halt die klappe!“)

weil ich schon wieder sag:
„man muss halt schauen“
SCHAUEN WORAUF??
(Stimme explodiert, Hände in die Luft)

auf mich beim reden ohne bauplan?
auf sätze im kreis wie karussell ohne stop

bla bla bla nonstop, kopf macht plopp
und dann – drop
am ende des tages…
mic fällt nicht, aber sinn auch nicht da

am ende des tages bin ich einfach nur bla
bla wie blabla, bla wie banal
bla wie „unterm strich ist das total egal“

reim kurz, timing tight:
tag – frag – sag – klag – plopp, gute nacht
(kurze Pausen nach jedem Wort, fast wie Trommelschläge)

 

du sagst: „nehm ich mit“
wohin denn? in dein sprachliches fitbit?
zählst du floskeln oder schritte?
(ironisch, abwinkend)

heute 10.000 „eigentlich“ in der mitte
ich sag: „im grunde genommen“
und hör mich selbst und denk: ich bin komplett benommen

weil im grunde genommen…
nehm ich grund, pack ihn weg und komm nie an, willkommen

wir parken probleme wie leasing-verträge
stehen rum, laufen nicht, aber kosten uns tage

„lass uns das parken“ – ja parkhaus voll
ebene 3: verdrängung deluxe, richtig toll

„da müssen wir nochmal drüber gehen“
wir gehen drüber wie über heiße seen
tippen kurz an, sagen: joa, gesehen
und gehen dann weiter – bloß nicht stehen

flow wird schneller, kopf wird leerer
sätze werden länger, sinn wird schwerer

ich sag: „ich bin da ganz ehrlich“
und ALLE so innerlich: oha, jetzt wird’s gefährlich
spoiler: wird’s nicht

ich weich aus, bleib dicht
sag nix, mein gesicht sagt: ich hab licht
aber innen drin nur flackerndes nicht

du sagst: „ich versteh, was du meinst“
ich so: krass, sag mir bitte, wie du das peilst
weil ich mein gar nichts, ich sag nur viel
wortmaschine ohne ziel
ratatatat – satzsalat
konfetti aus „vielleicht“ und „in der tat“

 

und irgendwo zwischen „passt schon“ und „wird schon“
liegt mein echtes ich und denkt sich: ernsthaft, wird schon?

und plötzlich—
cut.
stille.
kein beat, kein satz, kein plan
nur ich und der moment, der alles kann
(große Pause, Atem spürbar, Blickkontakt Publikum)

ich könnte jetzt sagen:
„ich hab keine ahnung“
clean. direkt. ohne verpackung
kein reim, kein hype, keine tarnung

aber mein mund so:
also ich denk am ende des tages
und ich so:
wow.
wirklich.
chapeau.

wir zurück im loop, im sprachlichen zoo
affen aus floskeln werfen mit „sowieso“
papageien rufen „eigentlich!“ „eigentlich!“
und ich steh da und denk: ich mag mich nicht.

wir stehen auf, gespräch vorbei
einer sagt: „war produktiv“ – ich denk: oh wei
produkt war null, prozess war laut
wir haben uns gegenseitig schön zugebaut
mit sätzen wie softfilter, weich und rund
damit bloß keiner sagt, was wirklich im mund

und wie zur wahrheit gehört…
wir sind verdammt gut im verstecken
im wegformulieren, im ecken glätten
im „ich sag mal so“ statt einfach mal so
zu sagen: das bin ich, take it or go

also—
NEIN, verdammt, diesmal nicht
kein also
kein „am ende des tages“-gesicht

sondern:
ich.
mein.
das.
so.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.04.2026. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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In meinen Gedichten, schreibe ich mir meine eigene Realität, meine Träume auch wenn sie oft surreal, meistens abstakt wirken. Schreiben bedingt auch meine Sprache, meine Denkmechanismen mein Gefühl für das Jetzt der Zeit.

Ich vernehme mich selbst, ich höre tief in mich rein, bin bei mir, hier und jetzt. Die Sprache ist dabei meine Helfershelferin und Komplizin, wenn es darum geht, mir die Wirklichkeit vom Leib zu halten. Wenn ich mein erzähltes Ich beschreibe, beeinflusse, beschneide, möchte ich begreifen, wissen, welche Ursachen Einflüsse bestimmte Dinge und Menschen auf mein Inneres auf meine Handlung nehmen, wie sie sich integrieren bzw. verworfen werden um mich dennoch im Gleichgewicht halten können.

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